NSA-Datenzentrum In Bluffdale: Die AZ spioniert bei der NSA

AZ-Autor Richard Gutjahr wagt sich nach Bluffdale – dorthin, wo die National Security Agency die Kommunikation der gesamten Welt speichert. Doch gern gesehen ist er dort nicht.

 

Bluffdale -  Plötzlich ist er da, der Helikopter. Wie an unsichtbaren Drähten aufgehängt schwebt er direkt vor mir, vielleicht 20 Meter über der Straße, in der Luft. Das Dröhnen der Rotorblätter macht einen Heidenlärm. Ich fahre rechts ran und warte, dass gleich irgendetwas passiert. Eine gefühlte Minute vergeht. Dann dreht der Hubschrauber plötzlich ab. Zwei Streifenwagen nähern sich, blockieren die Straße unmittelbar vor mir. Ein Polizist steigt aus, der andere bleibt in seinem Fahrzeug sitzen.

Willkommen in Bluffdale, Utah, ein unscheinbarer Ort, eine halbe Autostunde südlich von den Olympia-Sportstätten von Salt Lake City gelegen. Hier haben vor Jahren die Bauarbeiten zu einem Gebäudekomplex begonnen, der so geheim ist, dass noch nicht einmal der Bürgermeister weiß, was sich hinter den Zäunen des Militärgeländes abspielt. „Ich selbst war noch nie drin", sagt Derk Timothy.

Utah Daten Center: Daten der gesamten Welt

"The Spy Center", wie es von den Einheimischen genannt wird, hat rund zwei Milliarden Dollar gekostet und ist seit Ende letzten Jahres in Betrieb. Hier werden nicht nur die Gesprächsmitschnitte von Merkels Handy vermutet, offenbar wird hier die Kommunikation der gesamten Welt gespeichert: die Lokalisierungs-Daten unserer Handys, Google-Suchanfragen und Webseiten, die wir besuchen, E-Mails, Kurznachrichten, angeblich sogar Schnappschüsse, die heimlich über die eingebauten Mini-Kameras unserer Smartphones und Laptops von uns gemacht werden.

Man kann sich das Utah Daten Center wie den Hoover-Staudamm im benachbarten US-Staat Nevada vorstellen. Experten schätzen das Fassungsvermögen dieses Monster-Bauwerks auf ein Yottabyte. In DIN-A4-Seiten oder Fußballfeldern lässt sich so etwas nicht mehr sinnvoll umrechnen. Ein Yottabyte ist so viel, dass es für Datenmengen darüber noch nicht einmal mehr eine Bezeichnung gibt.

Der NSA-Komplex braucht viel Wasser

Lange war es still in Bluffdale. Doch seit den Snowden-Entüllungen in den Medien regt sich Widerstand in der Bevölkerung. Datenschutz-Aktivisten versuchen, den Spionen sprichwörtlich das Wasser abzugraben. Denn der NSA-Komplex vor ihrer Haustür braucht von der Gemeinde Wasser, um seine Serveranlagen zu kühlen. Viel Wasser: geschätzte 6,5 Millionen Liter pro Tag. An einem kühlen Morgen könne man riesige Dampfsäulen über dem Gelände sehen, berichtet ein Anwohner. Seitdem die Anlage in Betrieb ist, registriere er jede Menge Aktivität rund um das Gelände, vor allem nachts.

Ich parke meinen Mietwagen auf einer Anhöhe und warte, dass es dunkel wird. In der Ferne das Surren eines Hubschraubers. Blau-rote Signallichter patroullierender Polizeiautos blinken auf dem Hang rund um das Sperrgebiet, wie Schneeraupen, die in der Dunkelheit die Pisten präparieren. Ein gespenstisches Schauspiel. Als Journalist hat man es mit vielen Menschen zu tun: Politikern, Beamten, Sportlern, Filmstars, Kriminellen. Die unangenehmsten Begegnungen aber hatte ich stets mit dem Militär. Ob in Kosovo, Ägypten oder in den USA: Menschen in Uniform geben einem gerne das Gefühl, sie stünden über dem Gesetz. Und noch etwas haben sie gemein: Sie hassen die Presse.

In Bluffdale nicht gerne gesehen

Der Polizist, der gerade meine Personalien kontrolliert, ist relativ cool. „Was ist los mit Dir, Buddy?", mault er. „Haben wir Dir nicht gesagt, dass Du hier nichts verloren hast?". Es ist nicht das erste Mal, dass ich heute gestoppt werde. Allein schon bei dem Versuch, mich der Eingangspforte zu Fuß zu nähern, rauschte eine Streife an. Der Cop tippt meine Daten in die Konsole, hält Rücksprache mit dem Walkie Talkie, dann bekomme ich meine Unterlagen zurück und darf weiterfahren. Zugegeben, viel Neues habe ich heute ja nicht erfahren bei meinem Besuch in Bluffdale.

Nur so viel: Die NSA mag es gar nicht, wenn sie selbst ausspioniert wird.

 

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