Notstand ausgerufen Jahrhunderthochwasser in Venedig: 80 Prozent der Stadt unter Wasser

Passanten laufen nahe der Rialto-Brücke durch das Hochwasser. Die Flut erreichte am Dienstag um 10:35 Uhr einen Höchststand von 127 cm. Foto: Luca Bruno/AP/dpa

Nach einem Unwetter ist die Stadt Venedig komplett überschwemmt. Der Markusplatz steht unter Wasser, mindestens zwei Menschen kamen ums Leben. Der Bürgermeister hat den Notstand ausgerufen.

 

Venedig – Ein verheerendes Unwetter hat die Stadt Venedig in Italien komplett überschwemmt. Ein Jahrhunderthochwasser hat im historischen Zentrum der Stadt massive Schäden angerichtet. Am Dienstag erreichte das Hochwasser vorläufig einen Höchststand von 127 Zentimetern, für den Abend wurden 140 Zentimeter prognostiziert. Bürgermeister Luigi Brugnaro sprach von einer "Katastrophe" und kündigte via Facebook an, am Mittwoch den Notstand auszurufen.

Venedig: Wasser stieg auf 187 Zentimeter

Gepeitscht von starkem Wind und nach Dauerregen stieg das Wasser bis kurz vor Mitternacht dann auf rekordverdächtige 187 Zentimeter über dem Meeresspiegel an - der höchste Wert seit 1966. "Wir haben es mit apokalyptischen Zerstörungen zu tun", sagte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia. 

Besonders hart wurde der Markusplatz mit dem Markusdom getroffen. Im Gotteshaus stand das Wasser bis zu 110 Zentimeter hoch. Die Krypta glich einem Schwimmbad. "So etwas habe ich noch nie gesehen, (auf dem Markusplatz) waren Wellen so hoch wie an der Meeresküste", sagte der Patriarch von Venedig, Francesco Moraglia. "Wir haben verzweifelte Menschen gesehen. Venedig ist eine verletzte Stadt, die nicht jedes Jahr wieder verletzt werden kann." Laut Luca Zaia seien 80 Prozent der Unesco-Welterbestadt unter Wasser, es gebe unvorstellbare Schäden.

Bürgermeister meldet Schäden von "Hunderte Millionen Euro"

Laut Bürgermeister Luigi Brugnaro gingen die Schäden - unter anderem am Markusdom - in die "Hunderte Millionen Euro". Es sind erschreckende Bilder: Wasserbusse schleuderte der starke Wind ans Ufer und versenkte einige, mindestens 60 Schiffe wurden beschädigt. Gondeln und Boote wurden aus Vertäuungen gerissen und trieben durch Kanäle. Menschen kämpften in reißendem Wasser gegen den starken Wind. Hotels wurden überschwemmt. Auch das Opernhaus "La Fenice" stand laut Medien in Teilen unter Wasser.

Hochwasser in Venedig: Mindestens zwei Tote

Ein Mensch starb beim Versuch, als er versuchte, die Entwässerungspumpe in seinem überfluteten Haus wieder in Gang zu setzen, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. Ein weiterer Bewohner sei tot in seinem Haus gefunden worden; eine natürliche Todesursache werde aber nicht ausgeschlossen.

Rekordhochwasser: Klimawandel schuld?

Bürgermeister Brugnaro ist wütend. Wütend und besorgt, dass die Stadt den Wassermassen bald nicht mehr gewachsen sein wird. Er spricht von "einer Wunde, die dauerhaft Zeichen hinterlässt" und fordert die italienische Regierung zum Handeln auf. Er machte den Klimawandel für die sich häufenden Überschwemmungen verantwortlich. "Venedig wurde in die Knie gezwungen. Der Markusdom hat schwere Schäden abbekommen, genauso wie die ganze Stadt und die Inseln", sagte er. "Hier geht es nicht nur darum, die Schäden zu beziffern, hier geht es um die Zukunft der Stadt." Viele Menschen würden wegziehen, weil die Lebensumstände immer schwieriger würden.

Wissenschaftler warnen seit langem vor den Folgen des Erderwärmung für die Welterbestadt, die in einer Lagune an der Adria liegt. Schmelzen Eis und Gletscher, so erhöht sich der Meeresspiegel. Je mehr der Meeresspiegel steigt, desto höher ist das Risiko von Überflutungen.

Forscher: "Venedig wird künftig unter dem Meeresspiegel liegen"

Auch sackt der Boden in Venedig ab. Ein Großteil der Gebäude wurde auf Pfählen gebaut. Ebbe und Flut und Wellenbewegungen durch Schiffe nagen an den Bauten. Kritiker machen zudem das Ausbaggern von Fahrrinnen für große Schiffe für das Absacken verantwortlich.

"Was wir definitiv wissen: Ereignisse wie jetzt in Venedig werden durch die Klimaerwärmung verstärkt", sagte Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung der dpa. "Wenn sich Ozeane erwärmen, verdunstet mehr Wasser in die Atmosphäre und das muss wieder raus. Dadurch entsteht mehr Niederschlag für den ganzen Globus. Gleichzeitig häufen sich Starkregenereignisse." Durch den CO2-Ausstoß werde Venedig künftig unter dem Meeresspiegel liegen. "Deshalb ist es entscheidend, was wir jetzt und in der Zukunft dagegen unternehmen."

Umwetter "Detlef" wütet auch im Rest Italiens

Auch in anderen Teilen Italiens macht das Unwettertief "Detlef" den Menschen zu schaffen. In den Dolomiten herrscht heftiger Schneefal und im Süden des Landes verwüsteten Schlammlawinen die Stadt Matera.

 

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