Not-Ration für den Katastrophenfall Im ewigen Eis lagert eine riesige Saatgut-Sammlung

Der Eingang sieht unscheinbar aus. Ein viereckiger Beton-Tunnel führt hinein in einen Berg aus Schnee und Eis, irgendwo im frostigen Nirgendwo zwischen Norwegen und dem Nordpol. Doch hinter der Stahltür verbirgt sich ein wahrer Schatz. Ein Schatz, der das Überleben der Weltbevölkerung im Katstrophenfall sichern soll. Samen aus fast allen Staaten der Erde lagern hier – weit weg von Kriegen und Zerstörung in der ewigen Kälte des Permafrostbodens. Nun wurde diese Notration der Erde erstmals angezapft. Von Syrien. Das Saatgutlager liegt rund 800 Kilometer entfernt vom nördlichsten Punkt Europas auf dem polaren Inselarchipel Spitzbergen auf halbem Weg zwischen Norwegen und dem Nordpol. Insgesamt 860 000 Samenproben aus aller Welt lagern hier – 4,5 Millionen sollen es einmal werden.

 

Das Lager wird auch als Weltuntergangs-Tresor für Saatgut bezeichnet

Das Saatgut-Lager hat viele Namen. Die offizielle Bezeichnung ist: „Global Seed Vault“ (Globaler Saat Tresor). Manche sprechen auch vom „Doomsday Seed Vault“, dem „Welt-Untergangs-Saat-Tresor“. Die UN bezeichnete das ganze einmal mit folgenden Worten: „Die ultimative Versicherungspolice für die Nahrungsversorgung der Welt“. Laut einem Bericht von „n-tv.de“ ist dieser Tresor nun erstmals geöffnet worden. Der Hilferuf kam aus Syrien. Der Krieg dort zerstört nicht nur Menschenleben und Kulturgüter, sondern auch die Samenbank Aleppos, in der die Vielfalt der hitzeresistenten Saaten des Nahen Ostens aufbewahrt wird.

Das Internationale Zentrum für landwirtschaftliche Forschung in Trockengebieten (Icarda) habe deshalb Samen aus dem Lager im norwegischen Spitzbergen angefordert, sagte dessen Koordinator Asmund Asdal. Ein Sprecher des UN-Crop-Trust, der die Saatgut-Anlage unterhält, teilte mit, dass das Institut in Aleppo 130 von 325 Kisten mit insgesamt 1 160 000 Proben, die es nach Spitzbergen geschickt hat, zurückfordert, um fernab des Krieges neue Institute in Beirut und in Marokko aufzubauen.

Weizen, Gerste und Kircherbsen werden jetzt gebraucht

Jetzt werden Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um die Proben – hauptsächlich Weizen, Gerste und Kichererbsen – aus dem Berg zu holen. Die Saaten werden dann in den Libanon und nach Marokko weitergeschickt. Der brutale Krieg in Syrien sei eine der Katastrophen, für die die Anlage auf Spitzbergen aufgebaut worden sei, sagt Colin Khoury, Wissenschaftler am International Center for Tropical Agriculture. „Die wirklichen Gefahren für Saatgut-Vielfalt sind die alltäglichen Katastrophen“, so Khoury. Es müsse nicht immer der allesvernichtende Atomkrieg sein. Durch den Zugriff entsteht jetzt zunächst eine Lücke in der Sammlung. Doch die Forscher, die nun ihre Proben zurückfordern, sind dafür zuständig, diese zu vervielfältigen. Wissenschaftler schätzen, dass die Sammlung auf Spitzbergen in rund zehn Jahren wieder komplett ist.

Die wichtigsten Fakten zum "Global Seed Vault"

 Welchen Zweck erfüllt der Saat-Tresor auf Spitzbergen? Ziel der Saatgutbank ist es, die wichtigsten Nutzpflanzen vor dem Verschwinden infolge von Naturkatastrophen, Klimawandel oder Kriegen zu bewahren, um im Falle einer Katastrophe die Ernährung der Weltbevölkerung zu sichern. Eingelagert sind Samen von Getreidesorten wie Weizen, Gerste oder Reis und auch von Bohnen.

Seit wann gibt es das globale Saatgut-Lager? Der riesige Tresor aus Stahlbeton wurde in einem Berg auf Spitzbergen im Jahr 2008 erbaut. Seitdem wird dort Saatgut aus aller Welt angeliefert und eingelagert. Der Bunker reicht rund 120 Meter tief in eine alte Kohlgrube hinein.

Wie groß ist der Tresor? Der unterirdische Bunker besteht aus einem Gang, von dem aus man drei Hallen mit je 27 Metern Länge, zehn Metern Breite und sechs Metern Höhe erreicht. Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt rund 9 Millionen US-Dollar.

Wer befüllt das Saatgut-Lager? Die Samen werden von 65 Saatgutbanken in der ganzen Welt zur Verfügung gestellt, die Eigentümer der Samen bleiben und diese bei Bedarf wieder anfordern können. Im aktuellen Fall war dies das syrische Institut „Icarda“, das seine Samen jetzt wieder zurückgefordert hat.

Wie lange können die Samen dort eingelagert werden? Selbst wenn die Stromversorgung ausfallen sollte, könnte das Saatgut über 200 Jahre im ewigen Eis überstehen. Die Lagerhallen liegen 130 Meter über dem aktuellen Meeresspiegel, sollen also auch bei einem drastischen Anstieg durch den Klimawandel unversehrt bleiben.

 

2 Kommentare