Nordische Ski-WM Chaosspringen in Seefeld: Wetter bremst DSV-Adler aus

Er kann es selbst kaum fassen: Wind und Schneefall lassen Karl Geiger in Durchgang zwei keine Chance. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Beim WM-Springen von der Normalschanze liegt Karl Geiger erst aussichtsreich auf Platz zwei. Dann mischt das Wetter das Klassement durcheinander und statt einer Medaille gibt es fassungslose Gesichter.

 

Seefeld - Wie begossene Pudel standen Karl Geiger und Markus Eisenbichler im Schneeregen, während der völlig perplexe Weltmeister Dawid Kubacki auf den Schultern seiner Teamkollegen zur Ehrenrunde aufbrach: In dem einer Weltmeisterschaft unwürdigen Chaosspringen von der Seefelder Normalschanze sind die DSV-Adler übel ausgebremst worden und ohne Medaille geblieben.

"Gerecht war da nix mehr", sagte ein konsternierter Geiger, der nach seinem von ihm unvermeidbaren Absturz von Platz zwei auf Rang 18 Trost bei seinen Eltern Monika und Roman suchte: "Ich war hier zwei Stundenkilometer langsamer als die anderen. Das ist schon unfair. Bei dem Wetter kannst du gar nichts machen, die Spur wurde von Springer zu Springer langsamer. Aber sie wollten es unbedingt durchziehen. Was soll’s, Haken dran."

Der 26-Jährige hatte bei teils starkem Rückenwind und Dauerschneefall, der die Anlaufspur zu einer stumpfen Farce machte, wie andere Topstars nicht den Hauch einer Chance – der nach dem ersten Durchgang führende Japan-Überflieger Ryoyu Kobayashi landete auch nur auf Platz 14. Sieger Kubacki war zur Halbzeit noch 27., die nur rund 2000 Zuschauer erlebten eine schiere Lotterie statt eines fairen Springens.

Eisenbichler schafft es noch von 25 auf Platz sieben

Eisenbichler, bei den beiden Springen in Innsbruck Doppelweltmeister im Einzel und Team, war im ersten Durchgang verblasen worden, schaffte es aber immerhin noch von Platz 25 auf sieben. "Das waren schwierige Bedingungen, brutal hart. Ich hab es im ersten Durchgang vergeigt, aber bei diesen Verhältnissen war nicht mehr drin", sagte der 27-Jährige.

Kubacki setzte sich mit Sprüngen auf 93,0 und 104,5 m (218,3) knapp vor Landsmann Kamil Stoch (215,5) und Stefan Kraft aus Österreich (214,8) durch. "Damit hätte ich nie gerechnet", sagte Kubacki. Bester Deutscher war Richard Freitag als Fünfter vor Stephan Leyhe auf Rang sechs.

Getrübt war die Freude selbst bei Polens Nationaltrainer Stefan Horngacher – trotz des Doppelsiegs: "Ich hätte mir gewünscht, dass die Jury das Springen bei solchen Bedingungen auf Sonntag verlegt hätte", sagte Horngacher, Topkandidat auf die Nachfolge des scheidenden Bundestrainers Werner Schuster, im ZDF.

Hüttel: "Der zweite Durchgang war komplett irregulär"

Horst Hüttel, Sportlicher Leiter des Deutschen Skiverbandes, war richtig sauer und attackierte die Jury massiv: "Der zweite Durchgang war komplett irregulär. Wenn das nicht irregulär ist, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Dafür gibt es ein Wettkampf-Management. Die haben kläglich versagt", schimpfte der erzürnte Funktionär.

"Die Sportler Geiger und Kobayashi, die sind heute veräppelt worden", meinte auch Bundestrainer Schuster. Die hätten sich auch eine Medaille verdient." Stattdessen standen die Plätze 14 und 18 auf einem Ergebniszettel, der sich nach erstem und zweitem Durchgang komplett durchgemischt hatte. Dennoch meinte Schuster: "Wir sollten nicht zu negativ über unseren Sport sprechen, im Endeffekt sind nicht die Falschen vorne. Auch wir hatten unsere Chancen. Karl hat einen sehr guten ersten Sprung gemacht, aber im zweiten war er einfach chancenlos."

DSV-Team im Mixed-Springen großer Favorit auf Gold

Auch die deutschen Skispringer haben nochmal die Chance, ganz vorne zu sein und die gute WM mit insgesamt drei Goldmedaillen zu einem glänzenden Abschluss zu bringen. Im Mixed-Wettbewerb am Samstag (16.00 Uhr/ZDF und Eurosport) ist das DSV-Team um Eisenbichler und Vizeweltmeisterin Katharina Althaus der große Favorit auf Gold.

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