Norbert Haug "Allein der Sound ist das Eintrittsgeld wert"

Norbert Haug ist der Mister DTM. Hier spricht  der Mercedes-Sportchef über das Rennen im Olympiastadion, den Unterschied zur Formel 1 – und das Tourenwagen-Comeback von BMW.

 

AZ: Herr Haug, in der Formel 1 finden dieses Jahr 19 Rennen statt, Sie sind als Mercedes-Sportchef mindestens von März bis Dezember ständig unterwegs. Dennoch sind Sie auch bei nahezu jedem DTM-Rennen vor Ort dabei. Können Sie nicht delegieren – oder ist Ihnen die DTM so wichtig?

NORBERT HAUG: Die DTM ist sogar ausgesprochen wichtig und wir verfügen dort über erstklassige Mitarbeiter, die ganz sicher auch ohne mich zurecht kommen würden. Aber ich möchte nie an der falschen Stelle sein, sollte unser Team mich in einer schwierigen Situation brauchen. Ich trage unserem Vorstand und der Öffentlichkeit gegenüber die Verantwortung für unsere Motorport-Einsätze und ich finde, da gehört es sich auch, stets präsent zu sein."

Was macht für Sie den Reiz der DTM aus?

Die DTM ist sehr populär und sehr beliebt, sie ist greifbar, preiswert, hat das beste Preis/Leistungsverhältnis im gesamten weltweiten Motorsport. Alle DTM-Befürworter sind sehr stolz auf diese Serie. Und: Die DTM bietet besten Sport und beste Spannung.

Was kann die Formel 1 möglicherweise von der DTM lernen?


Kooperation führt weiter als Konfrontation. Aber die Formel 1 ist hier auf einem guten Weg und professionelle Formel-1-Vertreter haben großen Respekt vor dem, was in der DTM geleistet wird und was der DTM gelungen ist.

Sie haben früher einmal gesagt, dass deutlich mehr silberne Mercedes-PKW verkauft würden seit der Mercedes-Rückkehr in die Formel 1. Wie würden Sie die Bedeutung der DTM im Produktmarketing für Daimler bewerten? Werden mehr C-Klassen verkauft, wenn Mercedes die DTM gewinnt?


Das ist schwer zu messen, und anstatt das für viel Geld zu tun freuen wir uns, dass die C-Klasse ein absoluter Bestseller ist und an diesem großen Erfolg haben die DTM-Erfolge von Mercedes-Benz auch ihren Anteil.

Sie kennen die alte DTM, die von den alten Haudegen Klaus Ludwig, Strietzel Stuck, Frank Biela und Co. dominiert wurde und sind nun auch bei der neuen DTM, die doch deutlich professioneller auftritt, einer der Protagonisten. Welche DTM entspricht eher Ihrem Naturell?

Damals war damals, heute ist heute. Heute würde es ohne damals nicht geben. Aber heute das Damals zurückholen zu wollen wäre falsch – ich denke aus voller Überzeugung, dass wir heute die beste DTM aller Zeiten haben und alle Beteiligten hart arbeiten, um morgen eine noch bessere DTM dazustellen. So und nicht anders lautet die gemeinsame Zielsetzung.

Können Sie eine Anekdote erzählen, die die Faszination DTM erklärt?


DTM geht als Familienausflug. Nicht selten kommen vier - oder fünfköpfige Familien und haben durchweg strahlende Gesichter, bei der Unterhaltung mit Fahrern, beim Autogrammsammeln, beim Fotografieren. Mich freuen solche Begegnungen ganz enorm – was gibt es Schöneres als Spaß und Freude zu bereiten?

Kommen wir zur Veranstaltung in München: Im Olympiastadion hat noch nie hat ein Rennen stattgefunden. Was erwarten Sie?

Ein großartiges Spektakel, bei dem bestimmt nicht um die Goldene Ananas gefahren wird, sondern um den historischen Titel des ersten DTM-Indoor-Champions. Teams und Fahrer werden ehrgeiziger denn je sein und wer noch kein Ticket hat, sollte sich nach meiner Einschätzung schnellstens eines besorgen.

Die Strecke ist die engste und die kürzeste im Kalender. Wo liegt für die Fahrer der Reiz, ständig nur im 1. Oder 2. Gang zu fahren?


Sie werden es erleben, genauso wie rund 50 000 Besucher am Samstag und Sonntag. Dazu gibt es im Olympiastadion eine Woche vor dem Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring Demonstrationsrunden von Nico Rosberg im Formel 1-Silberpfeil – alleine das Sounderlebnis im Stadion wird das Eintrittsgeld wert sein.

Die Veranstaltung in München ist zunächst nur ein Show-Rennen. Der Olympiapark wünscht sich, dass das Event in den regulären Rennkalender aufgenommen wird. Was muss am Wochenende passieren, damit das geschieht?

Die Chancen sind gut, im nächsten Jahr wird es die DTM-Veranstaltung in München auch geben und im Rennkalender der DTM befindet sie sich bereits in diesem Jahr.

Im kommenden Jahr kehrt BMW zurück in die DTM. Hand aufs Herz: Wurde der ewige Zweikampf mit Audi Ihnen nicht langsam etwas langweilig?

Dieses Duell war stets und ist immer noch hochklassig. Aber Konkurrenz war uns immer willkommen und BMW hätte gerne früher antreten können – aber jetzt sind sie ja da.

BMW stellte an diesem Freitag das Concept Car für die kommende Saison vor. Wie weit fortgeschritten sind die Entwicklungen bei Mercedes?

Wir lassen uns noch etwas Zeit und sind sehr gut im Zeitplan.

BMW braucht natürlich auch Fahrer. Sind Sie besorgt, dass die Konkurrenz Ihnen Fahrer wegschnappen könnte? Es gibt Gerüchte über den aktuell Führenden Bruno Spengler.


Ich würde mich wundern, wenn unsere neuen Konkurrenten unseren Mercedes- Fahrern keine Angebote machen würden.

 

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