Nigeria Nigeria: Millionen streiken gegen Benzinpreiserhöhung

Nigeria kommt nicht zur Ruhe: Nachdem zahlreiche blutige Anschläge in der vergangenen Woche Dutzende Todesopfer gefordert hatten, legt nun ein landesweiter Streik gegen die erhöhten Benzinpreise das Land lahm.

 

Addis Abeba/Abuja - Zu dem Ausstand hatten mehrere Gewerkschaften aufgerufen, nachdem die Regierung Anfang Januar alle Treibstoffsubventionen abgeschafft hatte. Das hat zu einer Verdoppelung der Benzinpreise geführt. Bei Zusammenstößen mit der Polizei sollen in der Wirtschaftsmetropole Lagos bereits mindestens drei Menschen ums Leben gekommen sein.

Medienberichten zufolge beteiligten sich bereits am Montag mehrere Millionen Menschen an dem Ausstand. Wie lange der Streik fortgeführt werden soll, war unklar. Ein Gewerkschaftssprecher erklärte: "Der Streik muss weitergehen, bis die Regierung ihre Entscheidung widerruft." Es wird erwartet, dass nicht nur Angestellte der Ölindustrie, sondern auch Mitarbeiter zahlreicher anderer Branchen die Arbeit niederlegen werden. Der britische Sender BBC berichtete, dass sich unter anderem auch Anwälte und Studenten an den Protesten beteiligen wollten. Obwohl der Krisenstaat das größte Öl-Förderland Afrikas ist, leben die meisten Menschen weiter in bitterster Armut.

Präsident Goodluck Jonathan hatte am Wochenende versucht, den Streik in letzter Minute abzuwenden und eine Kürzung der Gehälter aller hochrangigen Politiker und Spitzenbeamten um 25 Prozent angekündigt. Er appellierte an die Bürger, den Frieden im bevölkerungsreichsten Staat Afrikas zu bewahren: "Ich möchte jedem Nigerianer versichern, dass der derzeit gefühlte Schmerz nur vorübergehend ist." Alle müssten Opfer bringen, um Nigeria zu einem besseren Ort zu machen, erklärte er.

Die Sicherheitsvorkehrungen in den großen Städten des westafrikanischen Staates wurden verschärft. "Die Polizei setzt Tränengas ein und es gibt viele Verletzte", sagte ein Augenzeuge der Zeitung "The Vanguard". Die sonst überfüllten Straßen in der Hauptstadt Abuja waren am Montag weitgehend leer, der Flughafen wurde geschlossen. Demonstranten versammelten sich auf Plätzen und in den örtlichen Parks. In Lagos schoss die Polizei Berichten zufolge auf Menschen, die sich in einem Fußballstadion versammelt hatten. Dabei wurden drei Demonstranten getötet. Zudem kam der öffentliche Verkehr zum Erliegen, da die Busfahrer ebenfalls ihre Arbeit niedergelegt hatten.

Jonathan beharrt jedoch auf seiner Entscheidung. Um die angespannte Lage zu beruhigen versprach er, die Infrastruktur anzukurbeln. In Abuja sollten 110 neue Busse ihren Dienst aufnehmen. Beobachter meinen jedoch, in einem Land mit 160 Millionen Einwohnern sei dies nur "wie ein Tropfen im Ozean".

Nigeria ist seit Wochen ein Pulverfass. Bei Anschlägen von Islamisten auf Christen waren am Wochenende erneut zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden machen die radikalislamische Sekte Boko Haram für den Terror verantwortlich. Diese hatte die Christen in der vergangenen Woche ultimativ aufgefordert, binnen drei Tagen den islamisch geprägten Norden zu verlassen, und ihnen weitere Gewalt angedroht.

 

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