"Nigeria-Connection" Prozess: Freisingerin von Betrüger um 130.000 Euro gebracht

Ein Betrüger zockte einer Freisingerin 130.000 Euro ab. Jetzt steht er vor Gericht. Foto: dpa

Prozess um Herzensbrecher: Freisingerin lieh sich Geld von ihren Kindern.

Landshut - Warum überlassen Frauen Bekanntschaften aus Singlebörsen, die sie noch nie im Leben gesehen haben, all ihr Geld ? Eine Freisingerin hat so knapp 130.000 Euro verloren - und ihre Kinder angepumpt.

Die von Staatsanwältin Jaqueline Wallinger vertretene Anklage dem mutmaßlichen Internet-Herzensbrecher Muyiwa F. versuchten banden- und gewerbsmäßigen Betrug in drei Fällen mit banden- und gewerbsmäßigen Betrug in 15 Fällen zur Last.

Der 24-jährige Nigerianer soll im Auftrag der sogenannten Nigeria-Connection in Online-Singlebörsen Frauen betrogen haben. "Romance Scamming" nennt sich diese Betrugsmasche.

Trotz Handyauswertungen und Kontobewegungen, die gegen ihn sprechen, bestritt Muyiwa F. die Vorwürfe zu Prozessbeginn. Am dritten Verhandlungstag sagten nun die geschädigten Frauen aus.

Fotos, Chat, Skype

Beide gaben an, dass Bill Turner - unter diesem Pseudonym soll sich Muyiwa F. in ihr Vertrauen geschlichen haben - Kontakt aufgenommen habe. Man habe einander Fotos geschickt, geschrieben und über Skype telefoniert. Relativ schnell hatte der angeblich in der Türkei arbeitende Australier aber ein Problem: Sein Bankkonto sei gehackt worden.

Sie habe sich zunächst geziert, sagte eine 42-jährige Sekretärin. Nach zwei Wochen habe er dann geschrieben, er habe nichts mehr zu essen. "Das hat mein Herz erweicht." 10.700 Euro hat sie insgesamt überwiesen. Dafür musste sie einen Kredit aufnehmen, den sie heute noch abbezahlt.

Noch schlimmer hat es eine 53-jährige Freisingerin getroffen. Sie wirkt vor Gericht wie eine Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Dennoch hat "Bill" ihr 129.870 Euro aus der Tasche gezogen. "Der Damm" sei gebrochen, als er 5.000 Euro für die Reparatur seiner Maschinen wollte. Es sollte schnell gehen. Nach einer schlaflosen Nacht sei sie zur Bank. Groß zum Nachdenken sei sie nicht gekommen.

Was dann folgte, bezeichnete die Freisingerin als "Spirale". Sie überwies "Bill" - "ich fühlte mich verantwortlich für ihn" - ihre letzten 10.000 Euro. Sie lieh sich weiter Geld von ihrem Ex-Mann, von ihren Eltern. Selbst ihre Kinder bat sie um Geld, auch eine Freundin. Sie habe allen erzählt, sie wolle sich beruflich neu orientieren. "Ich habe alle angelogen." Am Ende hat die Freisingerin auch "Bill Turner" angelogen. Nachdem sie im August Anzeige erstattet hatte, war sie von der Kripo gebeten worden, den Kontakt für die Ermittlungen zu halten. Bis zum 30. September habe sie ihm versprochen, weiter Geld zu organisieren. Doch Muyiwa F. war bereits am 3. September festgenommen worden.

Bis zum nächsten Verhandlungstag am 4. September sollen diese Details aufgeklärt werden.

 

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