Niedrige Zinsen So machen Sie im Alter das Beste aus Ihrem Geld

Lothar Brosig von den "Alten Hasen", einem Beraternetzwerk ehemaliger Banker. Foto: von Loeper

MARCO L.: Ich habe 1999 eine Lebensversicherung abgeschlossen, mit einem Garantiezins von vier Prozent, die bis 2017 läuft. Soll ich die jetzt beitragsfrei stellen?

LOTHAR BROSIG: Eine Garantieverzinsung von vier Prozent ist sehr gut. Heute würde ich Lebensversicherungen niemandem mehr empfehlen, die Garantiezinsen sind verdammt niedrig. Und die Provisionen gehen von Ihrer Rendite weg. Aber mit Ihrem Altvertrag können Sie froh sein. Ich hoffe nicht, dass die Versicherungsgesellschaften irgendwann Probleme bekommen, ihre Altverträge zu bedienen. Wenn die Zinsen so niedrig bleiben, müssten die Zinssätze heruntergesetzt werden. Aber gehen wir mal nicht von diesem schlimmsten Fall aus, und wenn Sie bei einer ordentlichen Gesellschaft sind, würde ich Ihnen empfehlen, ihre Lebensversicherung so beizubehalten und nicht beitragsfrei zu stellen – zumal sie nur noch bis 2017 läuft.

WILHELMINA W.: Mein Ex-Mann hat 1994 eine Rentenversicherung für mich abgeschlossen, die zum Januar 2014 fällig wird. Soll ich jetzt eine Einmalzahlung von 35000 Euro wählen oder eine monatliche Auszahlung von 144 Euro?

LOTHAR BROSIG: Sie müssen sich halt vorher überlegen, dass die 144 Euro Zeit Ihres Lebens gleich bleiben werden. Und durch die Geldentwertung wird diese Summe immer weniger wert. Deshalb empfehle ich Ihnen, das Geld in Sachwerte zu stecken. Sie könnten zum Beispiel einen Sparplan abschließen und monatlich etwa 100 Euro in einen so genannten Aktien-ETF anlegen, einen Indexfonds.

ELEONORE R.: Ich bin 66 Jahre alt und erwarte 30 000 Euro aus einer Lebensversicherung. Daneben habe ich 50000 Euro auf einem Tagesgeldkonto. Pro Monat brauche ich, um trotz meiner schmalen Rente über die Runden zu kommen, etwa 400 bis 500 Euro. Was raten Sie mir?

HANSWOLFRAM DANN: Nüchtern betrachtet wird Ihr Geld nicht lange reichen. Die 50000 Euro sind genug für rund zehn Jahre, und wenn Sie an die 30000 rangehen, sind Sie noch einmal für rund fünf Jahre abgesichert. Sie sollten das Geld im Moment auf dem Tagesgeldkonto lassen, damit Sie Ihre monatlichen Raten jederzeit problemlos zur Verfügung haben, und, wenn es wieder ein wenig höhere Zinsen gibt, in Teilen längerfristig anlegen. Für eine Übergangszeit empfehle ich Ihnen kostenfreie Anlagen mit einem Banksparbrief oder Festgeld mit einer Laufzeit von zwei bis vier Jahren – kein Wertpapierdepot oder Ähnliches, denn das würde die ohnehin schmale Rendite durch die Depotgebühren und An-und Verkaufsspesen noch weiter vermindern.

NADJA S.: Ich habe 20000 Euro übrig. Jetzt sitzt mir die Bank im Nacken und drängt mich, das Geld neu anzulegen. Ich bin mir unsicher, wie. Aktien sind nichts für mich, denn ich habe mit ihnen bereits einmal Geld verloren. Und ich möchte bei Bedarf gerne schnell ans Geld rankommen.

LOTHAR BROSIG: Sie könnten das Geld als Tages- oder Festgeld anlegen, die Zinsen dafür sind aber äußerst spärlich. Über 1,5 Prozent gibt es höchstens bei einer Internet-Direktbank, aber nicht bei Filialbanken. Wenn Sie es tendenziell länger anlegen, bekommen Sie dafür einen Tick mehr.

ILSE K.: Ich überlege mir, einen Teil meines Geldes in norwegische Wertpapiere zu investieren. Das Land ist schließlich stabil und hat Rohstoffvorräte. Was halten Sie davon? HANSWOLFRAM DANN: Bei Anlagen in Norwegen laufen Sie Gefahr, dass Währungsschwankungen einen Teil ihrer Gewinne auffressen. Die Frage ist, ob Sie, wenn die norwegische Krone gerade gegenüber dem Euro fällt, warten können – oder ob Sie genau zu diesem Zeitpunkt an Ihr Geld müssen. Das würde ich mir sehr gut überlegen.

RUDOLF H.: Was kann man mit 50000 Euro anstellen? Ich würde gerne die nächsten zehn Jahre davon leben.

LOTHAR BROSIG: Eine Rentenversicherung ist für Sie nicht das Richtige, weil Sie indirekt die Provision für den Versicherungsvermittler zahlen. Es gibt so genannte Auszahlungspläne von Banken – die bieten zwar keine Super-Verzinsung, aber Sicherheit für Ihre Auszahlung. Suchen Sie doch mal beim Verbraucherportal www.biallo.de nach dem Begriff „Auszahlplan“, da sehen Sie schon, welche Banken so etwas anbieten. Derzeit gibt es maximal 2,4 Prozent Zinsen. So können Sie Ihr Kapital erhalten und haben gleichzeitig Sicherheit über zehn Jahre hinweg.

ANNETTE S.: Ich habe 125000 Euro als Tagesgeld angelegt, zu 0,6 Prozent. Ich gönne mir gerne mal was Schönes, aber ich lebe auch nicht verschwenderisch. Vor dem Aktienmarkt habe ich aber Angst. Ich habe keinen Internet-Anschluss, eine Direktbank kommt also nicht in Frage. Und ich möchte meine Finanzen auch nicht aus der Hand geben. Was soll ich tun?

LOTHAR BROSIG: Die Frage ist: Wollen Sie schnell an das Geld ran, wollen Sie liquide bleiben? Gerade weil Sie sagen, Sie gönnen sich gerne mal etwas: Machen Sie das ruhig, wenn Sie das Geld nicht zum Überleben brauchen. Investieren Sie in sich, machen Sie schöne Reisen – dafür ist das Geld ja auch da. Wenn Sie trotzdem etwas mehr aus Ihrem Geld machen möchten, könnten Sie auch nur einen Teil davon länger anlegen als ein Jahr. Zum Beispiel bis zu drei Jahre, dann gibt es wenigstens etwas mehr Zinsen. Und Sie müssen sich nicht mit dem Aktienmarkt herumschlagen und können ruhig schlafen. Das ist doch auch was.

FRANZISKA B.: Meine Bank hat mein Geld bei verschiedenen Auslandsbanken in Österreich und Italien angelegt. Ich fühle mich nicht wohl dabei.

HANSWOLFRAM DANN: Sich mit den Anlagen wohlfühlen, ist das Wichtigste. Sie müssen Ihrer Bank unbedingt sagen, dass Sie sich nicht wohlfühlen mit diesen Anlagen im Ausland und dass die Bank dieses ändern soll. Ich gehe davon aus, dass die Bank Ihre Sorgen ernst nimmt und Ihrem Wunsch entsprechend handelt. Möglicherweise sind neue Anlagen nicht so hoch verzinst, wenn risikoärmer investiert wird. Der Zins ist auch ein Lohn für das Risiko.

MARIA H.: Ich bin über 80 Jahre alt, aber noch fit. Damit ich meiner Tochter nicht zur Last falle, wenn ich einmal ins Heim muss, habe ich ein wenig Geld auf ein Konto bei der Santander Bank gelegt. Auch bei der ING-Diba habe ich ein Konto. Kann ich mich darauf verlassen, dass das Geld sicher ist, wenn die Banken pleite gehen sollten?

HANSWOLFRAM DANN: Bis jeweils 100000 Euro ist Ihr Geld durch die öffentliche Einlagensicherung gedeckt, darüberhinausgehende Summen bei den allermeisten Banken durch die Einlagensicherung des Bankenverbandes. Sie können die genaue Höhe der Sicherung bei Ihrer Bank erfragen und sich gegebenenfalls schriftlich bestätigen lassen.

RUDI R.: Ich tue mich mit der Geldanlage zurzeit sehr schwer. Die Zinsen sind ja so niedrig! Was können Sie mir raten? Welche Anleihen soll ich kaufen?

HANSWOLFRAM DANN: Sie bekommen mit Anleihen bis zu zwei Prozent im Jahr, dann wird die Luft dünn und risikoreich. Die von Ihnen gewünschten drei Prozent sind eher bei italienischen Anleihen zu erzielen. Ich denke, dass die Zinsen noch etwa zwei Jahre niedrig bleiben werden und würde deswegen mein Geld für zwei Jahre auf einem Tagesgeldkonto parken – vielleicht bei der 1822direkt, die der Frankfurter Sparkasse gehört, oder bei der ING Diba – und erst, wenn die Zinsen wieder steigen, eine Entscheidung über die endgültige Anlage treffen.

FRANZ L.: Mir hat meine Bank gegen eine Einmalzahlung eine Sofortrente mit Beitragsrückgewähr empfohlen. Was halten Sie davon?

HANSWOLFRAM DANN: Sie können das Geld genauso gut selbst anlegen. Dann sparen Sie sich die Kosten, die mit der Rentenversicherung einhergehen. Die Rentenversicherung rechnet sich für Sie ab Ihrem 90. Lebensjahr, wenn das Kapital, das Sie anfangs investiert haben, in Form von monatlichen Rentenbeträgen an Sie zurückgezahlt wurde. Der Vorteil ist die Sicherheit der monatlichen Zahlung bis ans Lebensende, der Nachteil sind die Kosten und der Umstand, dass Sie nicht nach Belieben an Ihr Geld ran können.

OTTO W.: Ich bin 75 Jahre alt, verheiratet und kann mit meiner Frau gut von unserer Rente leben. Demnächst wird mir eine Lebensversicherung über 50 000 Euro ausgezahlt. Dazu kommen noch Mieteinnahmen. Wie sollte ich das Geld anlegen?

HANSWOLFRAM DANN: Ich verstehe Sie so, dass Sie das Geld eigentlich nicht brauchen und Ihren Kindern hinterlassen wollen. Dann sollten Sie auf jeden Fall 30 bis 40 Prozent in Aktien investieren, beispielsweise einen ETF kaufen, also einen börsennotierten Fonds. So vermeiden Sie Gebühren, die bei anderen Fonds die Rendite schmälern. Kaufen Sie beispielsweise einen ETF auf deutsche oder europäische Aktien, aber keinen spezialisierten ETF. Das übrige Geld sollten Sie auf dem Tagesgeldkonto liegen lassen und erst dann wieder längerfristig anlegen, wenn die Zinsen am Kapitalmarkt ein wenig gestiegen sind.

Interessieren Sie sich auch für Geldanlage im Alter? Die AZ und die „Alten Hasen“, erfahrene Ex-Banker, laden am 6. November um 15.30 Uhr zum Vortrag in den Räumen der Abendzeitung. Anmeldung erforderlich unter 089/ 12028108 Email: Brosig@diealtenhasen.de oder 089/ 30780024 Email: Dann@diealtenhasen.de

 

2 Kommentare

Kommentieren

  1. null