Nicht nur Autos und Bier Auch bei der OP-Technik ist München Weltspitze

Wo auch immer auf der Welt operiert wird – die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Medizintechnik aus München verwendet wird. Foto: dpa

München ist vor allem für Autos und Bier bekannt. Aber auch bei der Medizintechnik haben Weltmarktführer hier ihren Sitz.

 

München - Chirurg muss früher ein furchtbarer Job gewesen sein. Einträglich vielleicht, aber dieses ständige Bücken über den Patienten: Für den geschundenen Doktorenrücken war das gar nicht gut. Die Ärzte mussten aufpassen, nicht bald selbst unter dem Messer zu liegen. Bei dieser Dauerkrümmung war der nächste Bandscheibenvorfall nämlich quasi vorprogrammiert.

Der Chirurg heutiger Prägung hat es da deutlich besser. Dank moderner Medizintechnik kann er in aufrechter Haltung arbeiten. Er muss bei Operationen nicht mehr gebeugt durchs Okular schauen. Wo er gerade herumgeschnippelt, das kann er bequem in Augenhöhe auf einem großen Bildschirm beobachten.

In Bayern setzt die Branche 15 Milliarden Euro um

Einer der renommiertesten Hersteller solcher digitalen OP-Mikroskope ist Arri. Eigentlich ist die alteingesessene Münchner Firma bekannt für ihr Filmequipment, mit Arri Medical hat das Unternehmen vor knapp zwei Jahren aber einen Ableger für Medizintechnik gegründet. Noch sind es gerade mal 14 Mitarbeiter, die an neuen Klinik-Technologien forschen. Nicht ausgeschlossen aber, dass es bald schon mehr werden.

Die Medizintechnik ist eine deutsche Boombranche. Bayernweit erwirtschaftet dieser High-Tech-Sektor einen Jahresumsatz in Höhe von 15 Milliarden Euro. Das ist mehr als etwa in ganz Frankreich oder in ganz Italien in diesem Bereich umgesetzt wird. Doch trotz dieser Marktmacht: Wirklich wahrgenommen hat man die in dieser Sparte tätigen Unternehmen bislang eher weniger.

Münchens Wirtschaftsreferent Josef Schmid (CSU) spricht deshalb auch von sogenannten „hidden champions“, von Firmen, deren Erfolge bislang eher im Verborgenen geblieben sind. An diesem Zustand möchte Schmid nun aber etwas ändern.

Die Medizintechnik nehme in der Münchner Wirtschaft bislang „nicht die prominente Rolle ein, die ihr als Innovationstreiber eigentlich zukommt“, sagte Schmid gestern. Sein Wirtschaftsreferat hatte da gerade eine Studie zur Medizintechnik fertiggestellt. Und die hatte durchaus erstaunliche Ergebnisse zu Tage gefördert.

Neben Arri Medical tummeln sich in München demnach noch etwa 350 andere Betriebe in diesem Bereich, unter anderem das Unternehmen LivaNova. 1940 von einem Münchner als kleine Garagenfirma für chirurgisches Besteck gegründet, beschäftigt die Firma in Freimann mittlerweile 300 Leute.

Aushängeschild der Firma sind Herz-Lungen-Maschinen. Von denen baut LivaNova im Jahr etwa 700 Stück. Das klingt nicht nach viel, auf dem Weltmarkt werden davon aber auch nicht besonders viel mehr gebraucht. Zudem hat so ein High-Tech-Spielzeug auch seinen Preis. Um die 250 000 Euro muss man für eine Herz-Lungen-Maschine hinlegen. Damit lässt sich schon ein ganz ordentliches Auskommen gestalten.

Neben München gibt es in Deutschland nur noch wenige andere Standorte, die für die Branche interessant sind. Die Region Nürnberg-Erlangen ist so eine, auch in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gibt es einige Medizintechnik-Zentren. Für die Zukunft am besten aufgestellt hält Frank Miermeister vom Forum MedTech Pharma aber immer noch den Großraum München.

Miermeister ist Chef eines Netzwerks, das bei Messen, Kongressen und Tagungen versucht, die verschiedenen Parteien aus der Gesundheitsbranche zusammenzubringen. Er hat den Überblick über die Wirtschaftslage und kann aus seiner Erfahrung sagen: München mit seinen Hochschulen und Top-Universitäten ist aufgrund seiner Innovationskraft für die Medizintechnik ein hochattraktiver Standort.

Für Wirtschaftsreferent Schmid ist damit klar: München kann nicht nur Auto und Pharma, München kann auch OP-Technik.

 

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