Neuzugang beim EHC München Yasin Ehliz: Zurück in der Heimat - Ex-Klub Ice Tigers tritt nach

Nationalspieler mit türkischen Wurzeln: Yasin Ehliz vom EHC München Foto: Imago/Tomi Hänninen

Neuzugang Yasin Ehliz vom EHC München stammt aus Bad Tölz. "Die Mama freut sich, dass ich näher an der Heimat bin", sagt der DEL-Rückkehrer. Der Ex-Klub Nürnberger Ice Tigers tritt derweil nach.

München - Die Mama, das ist sein Glücksbringer, betont Yasin Ehliz gerne. Bei seinem NHL-Abenteuer im kanadischen Calgary war die Mama nicht dauernd dabei – und das Glück hatte den deutschen Eishockey-Nationalspieler, der bei Olympia in Pyeongchang noch einer der umjubelten Silberhelden war, verlassen. Der 25-Jährige beendete seinen Eishackler-Bewerbungsversuch in der besten Liga der Welt nach nur wenigen Monaten, ohne dort auch nur ein Spiel absolviert zu haben, und kehrte in die DEL zurück.

"Ich habe dort nie eine Chance bekommen, das Wieso und Weshalb werde ich wohl nie erfahren", sagte Ehliz, der aufgrund eines grippalen Infekts nicht am Spiel der Nationalmannschaft beim Deutschland-Cup gegen Russland teilnehmen konnte, der AZ. (Lesen Sie hier das ausführliche AZ-Interview mit EHC-Neuzugang Yasin Ehliz)

Er ist wieder da – aber nicht in Nürnberg, wohin er 2010 als 17-Jähriger gewechselt war und wo er einen Vertrag bis 2021 unterschrieben hatte, ehe das Angebot aus Calgary kam und er von seiner Ausstiegsklausel für die NHL Gebrauch machte. Ehliz hat in München, beim Triple-Meister, unterschrieben. "Selbstverständlich freue ich mich auch darüber, dass ich zukünftig ganz nah an meiner Heimat Bad Tölz spielen kann – das freut auch die Mama", erklärte Ehliz.

Nürnberg wirft Ehliz Wortbruch vor

Eine Darstellung, die man in Nürnberg so nicht stehen lassen will. Der Verein sah sich zu einer Stellungnahme gezwungen: "Wir bedauern außerordentlich, dass Ehliz es nach fast acht Jahren bei den Ice Tigers nicht für nötig gehalten hat, uns persönlich von seiner Entscheidung, nach München zu gehen und nicht zu seinem Wort zu stehen, zu unterrichten, sondern nur noch durch seinen Spieleragenten mit uns kommuniziert hat." Ehliz habe sein Wort gegeben, nach seiner Rückkehr wieder für Nürnberg aufzulaufen.

Zurück zu Ehliz. Mama Semral brachte Yasin am 30. Dezember 1992 in Bad Tölz zur Welt – die örtliche Zeitung veröffentlichte ein Bild von dem Fast-Neujahrs-Baby und der Mama. Im Alter von drei Jahren ging es auf die Schlittschuhe und damit aufs Eis. "Meine Eltern haben mich einfach raufgeschoben", sagte Ehliz, "dafür muss ich immer noch jeden Tag Danke sagen." Denn Yasin war sogleich mit dem Eishockey-Virus infiziert. In Bad Tölz durchlief er alle Juniorenteams.

Die Mama war nicht nur Glücksbringer, sondern auch Chauffeur. "Dem Eishockey wird in unserer Familie alles untergeordnet", sagte Yasins Papa Abdullah der "Bild", "meine Frau hat bestimmt so viele Kilometer zurückgelegt, dass es einmal um die Welt reicht." Yasins Opa war in den 60er Jahren aus der Türkei nach Deutschland ausgewandert, Yasin schaffte es als zweiter türkischstämmiger Spieler (nach Sinan Akdag) in die deutsche Nationalmannschaft. "Ich bin sehr stolz darauf", sagte Ehliz der AZ, "und ich bin sehr stolz, der Mannschaft angehört zu haben, die in Pyeongchang Silber geholt hat. Das ist unvergesslich."

EHC war schon vor Jahren hinter Eliz her

Ehliz mag das Rampenlicht nicht. Er ist ein Kämpfer, einer, der auf dem Eis immer alles gibt. München hatte nach AZ-Informationen schon vor ein paar Jahren ein begieriges Auge auf das stürmende Ausnahmetalent geworfen, doch Nürnberg-Besitzer Thomas Sabo öffnete dann seine Schmuckschatulle noch ein bisschen weiter. Eine Szene ist exemplarisch für den unbändigen Willen, den Kampfgeist von Ehliz.

In den Playoffs der Vorsaison gegen Augsburg traf ihn ein Schlagschuss ungebremst am Ohr, das dann in Fetzen hing. "Das war heftig. Ich wusste in dem Moment überhaupt nicht, was passiert ist", sagte Ehliz, "ich hatte aufgrund des Adrenalins kaum Schmerzen, die Spritzen im Krankenhaus waren am übelsten. Zum Glück ist nichts zurückgeblieben." Ehliz wurde in der Klinik mit 20 Stichen genäht, nur ein Spiel später stand er wieder auf dem Eis.

Jetzt also München, der Meister. Neuer Verein, neues Glück, neues Trikot. Ehliz sammelt alle Jerseys, hat daheim eine Art Trikot-Schrein. "Ich habe extra eine Galerie gebaut. Aber jetzt habe ich keinen Platz mehr", sagte Ehliz und fügte lachend an: "Ich glaube, ich muss jetzt anbauen."

 

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