Neuturmstraße Mietvertrag nicht verlängert: "Atomic-Café" muss raus

Das Atomic Café neben einem Lacoste-Laden. Foto: Feindt

Der Mietvertrag für den Club läuft aus. Der „Cord Club” macht dicht und den „Platzhirsch” gibt’s auch nicht mehr.

MÜNCHEN - Von Jan Delay bis „Wir sind Helden” – die Liste der Musiker und DJs, die in den vergangenen Jahren im „Atomic Café” aufgetreten sind, ist lang. Sehr lang. Seit 1997 gibt es den Club, der vor allem Fans von Indie-Musik anzieht, in der Neuturmstraße 5 – also mitten in der Altstadt. Doch demnächst braucht das „Atomic Café” eine neue Bleibe.

Ende nächsten Jahres läuft der Mietvertrag aus – und verlängern will ihn der Vermieter nicht. „Wir wollen aber nicht jammern. So ist das eben bei Gewerbe-Mietverträgen”, sagt Roland Schunk, der mit Partner Christian Heine hinter dem Atomic steckt. Zumal die beiden noch Hoffnung haben, zumindest im selben Gebäude bleiben zu können. „Wir sind in Verhandlungen, ob wir eine Etage tiefer ziehen können”, berichtet Schunk. Im Herbst bekämen sie Bescheid, ob’s klappt. Dort war zeitweise der „Crown’s Club” untergebracht – jetzt stehen die Räume leer. Auch ein hausinterner Umzug würde das „Atomic Café” verändern – schon deshalb, weil der Laden im Keller eineinhalbmal so groß wäre wie der jetzige. „Da werden keine Bands vor 100 Leuten mehr spielen können”, sagt Schunk. Die Bühnenkapazität sei auf bis zu 600 Leute ausgerichtet.

Und wenn nichts daraus wird? Ebenso zentral gelegene Ersatz-Flächen sind rar. „Einfach wird das nicht”, weiß auch der Geschäftsführer, „aber man muss halt die Augen aufsperren.” Was passiert mit den bisherigen Räumen des Szene-Clubs? „Für einen Münchner Einzelhändler ist die Lage wohl zu teuer”, meint Schunk und mutmaßt, dass „irgendein Filialist” sich dort niederlassen wird – eine Klamotten-Kette vielleicht.

Einen anderen Anlaufpunkt verliert die Münchner Indie-Szene ganz. Der „Cord Club” in der Sonnenstraße bittet schon am 25. August zum letzten Abrocken, dann schließt er. Das Konzept hätte sich überholt, meinen die Betreiber. Indiemusik sei keine Nische mehr.

Live-Musik abseits des Mainstreams legten auch die DJs auf, die sich im Platzhirsch an die Plattenteller stellten. Früher noch im ersten Stock über dem Viktualienmarkt, seit diesem Winter am Oberanger. Wirt Tchisi hat seine Kneipe vor einem Monat zugesperrt. „Ich hatte keine Lust mehr auf das Abendgeschäft und wollte mehr Café-Betrieb”, sagt er. „Aber das hat nicht so funktioniert.” Einen neuen Platzhirsch wird’s nicht geben, er verlässt die Stadt. Still und leise, wie wenn der letzte Song verklungen ist.

 

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