Neuesten Werk "Opus" Christopher von Deylen: Kompliment für Anna Netrebko

Schiller profitiert von seinem Mix verschiedener Genres Foto: Deutsche Grammophon

Seit über 15 Jahren steht Schiller für elektronische Musik. Kaum ein Produzent dieses Genres ist so erfolgreich wie er. Mit seinem neuesten Werk "Opus" hat Schiller alias Christopher von Deylen Geschichte geschrieben.

 

Berlin - Seit dem 30. August steht Schillers "Opus" in den Läden, seither hat das Album Rekorde gebrochen und Platz eins der Album-Charts erreicht. Auf "Opus" vereint Elektro-Star Christopher von Deylen klassische Musik mit dem typischen Schiller-Sound. Wie genau diese beiden contrairen Genres zusammenpassen, hat von Deylen der Nachrichtenagentur spot on news erzählt.

Wieso wollten Sie für "Opus" bekannte Klassik-Stücke neu aufnehmen?

Christopher von Deylen: Es gab schon immer Berührungspunkte mit diesem Genre. Diese sind mir in den früheren Momenten nur selbst gar nicht so bewusst aufgefallen. Dabei habe ich schon immer auf ganz organische Art und Weise bestimmte klassische Elemente mit der Musik von Schiller verwoben. Die Single "Ein schöner Tag", die vor über zehn Jahren erschien, basiert auf einer Arie von Puccinis "Madame Butterfly". Ein paar Jahre später habe ich mit dem klassischen Pianisten Lang Lang zusammen gearbeitet. Bei "Opus" habe ich mich danach gefühlt, diese Musik als Überschrift für ein ganzes Album zu wählen. Es sollte aber kein Coveralbum werden, sondern ein Album, das von klassischen Melodien inspiriert ist - aber eben auch von der generellen klassischen Kompositionsweise.

Für "Opus" haben Sie mit Klassik-Stars wie Anna Netrebko oder auch wieder Lang Lang zusammengearbeitet. Fällt es Ihnen nicht schwer, sich immer wieder auf Persönlichkeiten einzustellen, die aus einer anderen Musikrichtung kommen als Sie selbst?

Von Deylen: Es macht mir großen Spaß, immer wieder neuen Menschen zu begegnen. Ich bin auf der einen Seite sehr gerne alleine mit mir und meiner Musik. Das ist eine sehr hohe Form der Freiheit, die ich mir über viele Jahre erarbeitet habe. Dann aber wiederum immer wieder diese Komfortzone zu verlassen und mich auf völlig fremde Menschen einzustellen, das ist sehr spannend. Man kann so gemeinsam etwas gestalten, wozu man alleine nicht in der Lage wäre. Der Lohn für diesen Mut ist, dass am Ende etwas herauskommt, was man alleine niemals erreicht hätte.

Konnten Sie bei den Aufnahmen denn auch etwas voneinander lernen?

Von Deylen: Ich weiß natürlich nicht, ob Anna Netrebko etwas von mir gelernt hat. Sie hat aber vermutlich etwas über sich und ihre eigene Stimme erfahren, nämlich, dass diese nicht nur in der Klassikwelt funktioniert. Ihre Stimme kann auf eine ganz andere Weise, aber doch mindestens genauso emotional funktionieren, wenn sie sich auf die "Schillerinsel" begibt. Ich selbst segle ja schon immer ständig zwischen den Genres hin und her. Für andere Künstler ist das sicher nicht so einfach.

Für Ihr vorletztes Album waren Sie am Polarmeer. Haben Sie für "Opus" auch wieder abgelegene Orte besucht?

Von Deylen: Ich habe mit "Opus" in Berlin angefangen. Dabei habe ich aber bemerkt, dass Berlin als Stadt vielleicht nicht das Richtige ist. Berlin ist sehr groß, sehr abwechslungsreich und ständig im Wandel. Das alles hat mich dann zu sehr abgelenkt. Es war zu viel Lärm. Ich hatte das Gefühl, dass gerade diese epischen, zeitlosen und fast schon monumentalen Melodien besser in der Natur aufgehoben sind. Ein Tal, umgeben von Bergen, wie man es jetzt auch auf dem Cover sieht, erschien mir als der passende Rahmen für "Opus".

Suchen Sie in Ihrem Leben nach der Ruhe?

Von Deylen: Ruhe, sowohl akustisch als auch energetisch ist etwas, was wohl jeder Mensch von Zeit zu Zeit braucht. Dabei frage ich mich selbst manchmal, warum ich in Berlin lebe. Ich weiß es gar nicht genau. Vielleicht ist es das Gefühl, dass man jederzeit etwas machen könnte, das mich dort hält. Man hat dort so viele Möglichkeiten, aber komischerweise nutzt man sie nicht.

Warum bleiben Sie dann noch in Berlin?

Von Deylen: Im Moment nehme ich es gar nicht so wahr, dass Berlin mir eigentlich zu laut ist. Ich wohne seit zehn Jahren dort, aber ich weiß nicht, ob es noch zehn weitere Jahre werden.

Sie waren in den letzten Monaten viel mit Ihrer Klangwelten-Tour unterwegs. Ist "Opus" also eher nebenbei entstanden?

Von Deylen: Nebenbei hört sich so beiläufig an, aber das war es nicht. Ich habe das Album ganz bewusst kreiert. Wenn man zu mir sagt: "Sie sind doch jetzt Jahre im Geschäft, da müssen Sie doch wissen wie es geht", kann ich nur sagen: "Nein, nichts weiß ich. Ich fühle mich noch immer ganz am Anfang." Ich fange bei jedem Song und jedem Album immer wieder von vorne an. Natürlich habe ich meinen Stil und der wird sich auch nicht grundlegend ändern. "Opus" hat sich für mich sehr organisch ergeben. Es war kein langgehegter Plan, das Album zu machen, es kam aber eines zum anderen - wie ein Beutel mit Puzzlestücken, die man auf einen Tisch wirft und anfängt, sie zusammenzusetzen.

Sie selbst bezeichnen "Opus" als Ihr emotionalstes Album, warum?

Von Deylen: Das liegt überwiegend an den Melodien. Die Melodie vom Schwanensee zum Beispiel hat jeder von uns schon wirklich oft gehört. Ich habe versucht, die Genialität dieser Komposition zu verstärken. Ich wollte die Emotionalität erhöhen. Es wäre sicherlich falsch, jetzt zu sagen, dass ich von meinem eigenen Werk gerührt bin, aber es gibt einige Stellen, bei denen ich eine Gänsehaut bekomme und mich auch gar nicht dagegen wehren kann. Für mich ist es eher ein Gänsehaut- als ein Partyalbum.

 

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