Neues Buch von Wolf Schneider Denkt endlich an die Enkel

Hier lächelt Wolf Schneider noch. Foto: dpa

Der Journalist Wolf Schneider erteilt vor dem Untergang der Welt seinen Enkeln noch eine letzte Warnung

 

Kassandra hat (wieder mal) Konjunktur. Wer als Warner und Mahner vor dem drohenden Weltuntergang durch den Klimakollaps gehört werden will, muss schreien. Und zwar so laut als möglich. „Eine letzte Warnung, bevor alles zu spät ist“, brüllt einem der Untertitel entgegen, während das Buch selbst etwas leiser mit „Denkt endlich an die Enkel“ überschrieben ist.

Wolf Schneider ist der Autor dieser großväterlichen Wutrede. Der 94-jährige Journalist, „Sprachpapst“ und langjährige Leiter der Henri-Nannen-Schule hat – neben der Kritik am „Gender-Unfug“ – eine große Leidenschaft: die Warnung vor der Überbevölkerung. Den ersten Artikel zu diesem Thema schrieb er bereits 1958 anlässlich der dritten Menschheitsmilliarde für die „Süddeutsche Zeitung“, wie das Nachwort stolz vermeldet.

Erstaunlicherweise hat sich der Mahner trotz seiner eigenen Warnung durchaus fruchtbar vermehrt: Er scharte wie ein biblischer Patriarch (laut Widmung) 14 Enkel und Urenkel um sich, die er nun in knappen Sätzen holzschnittartig belehrt.
Schneider fängt zwar nicht bei Adam und Eva, aber beim Homo erectus an und erzählt auf 80 Seiten noch einmal die Geschichte der Menschheit. Dabei gerät ein vernünftiges Anliegen leicht außer Blick: Schneider plädiert für ein begrenztes Wachstum und für einen vernünftigen Umgang mit Ressourcen. Denn er fragt sich zu Recht, wieso der Mensch heute mit 200 PS über den Irschenberg nach Italien brettert, obwohl er mit 27 PS auch drübergekommen ist.

Er läuft und läuft und läuft

Schneider hält nicht viel von Elektromobilität. Er scheint mit einem bedingungslosen Grundeinkommen zu liebäugeln, führt das aber kaum aus, weil ihn eine Philippika gegen den Massentourismus mehr reizt und er ohnehin kaum einen Gedanken differenziert zu Ende denkt.

Schneiders Pamphlet ist zwar im Vergleich zu Stéphane Hessels überaus erfolgreichem Altersgrimm „Empört euch“ (2010) ein dicker Wälzer, aber noch weniger originell.

Weil Mahnungen und Warnungen so gerne gedruckt werden, wird auf Schneiders letzte noch eine allerletzte und eine allerallerletzte Warnung folgen. Und womöglich endet alles wie beim Verbrennungsmotor, dessen Ende Schneider schon 1966 in der „Süddeutschen Zeitung“ gefordert hat. Mit der Wirkung, dass er weiter läuft und läuft und läuft.

Wolf Schneider: „Denkt endlich an die Enkel. Eine letzte Warnung, bevor alles zu spät ist“ (Rowohlt, 80 Seiten, 8 Euro)

 

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