Neues Buch Julian Assange: Jetzt verrät ihn der beste Freund

Sein früherer Sprecher schreibt ein Buch mit unschönen Details. In Schutz nimmt er ihn nur beim Thema Frauen.

Berlin - „Julian ist zu dem geworden, was er immer verachtet hat”: Beim Enthüllungsportal Wikileaks geht es jetzt zu, wie so oft, wenn sich die Wege einst enger Gefährten trennen. Wikileaks-Gründer Julian Assange wird von seinem Ex-Sprecher Daniel Domscheit-Berg frontal angegangen. Der stellte gestern in Berlin sein heute erscheinendes Buch vor mit dem etwas reißerischen Titel „Inside Wikileaks – meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt”.

„Kein Abrechnungsbuch” mit dem Freund, der zum Gegner wurde, solle das sein, versprach Domscheit-Berg zwar. Aber Abrechnungen mit dem „verrückten Australier” finden sich in dem 300-Seiten-Buch genügende. Da ist etwa die Sache mit dem Leberkäs: „Gab es vier Scheiben Leberkäse, aß er drei und ließ mir nur eine, wenn ich zu langsam war”, klagt der Deutsche Domscheit-Berg, der in seiner Wiesbadener Wohnung früher mit Assange zusammenwohnte. Paranoid sei sein Exkumpel Julian, schreibt Domscheit-Berg: Er habe sich geweigert, gemeinsam das Haus zu verlassen, tagelang dieselben Kleider getragen und sei sowohl „freigeistig und genial” wie auch „machtversessen und größenwahnsinnig”.

Eine Mischung aus Faszination und Respekt war es wohl, die Domscheit-Berg an der Seite von Assange hielt. Beide führen das Leben von Online-Nomaden, treffen sich konspirativ, bauen ihr Enthüllungsnetz auf, träumen von großen Dingen: von einer Welt ohne Hierarchien und ohne Geheimnisse. Dann kommt es irgendwann zum Bruch. Assange verdächtigt seinen Freund, genau das getan zu haben, wovon Wikileaks eigentlich lebt: interne Geheimnisse an Journalisten verraten. Domscheit-Berg schreibt ihm noch, er solle sich nicht aufführen wie ein Sklavenhalter. Assange schmeißt ihn einfach raus.

Ob Domscheit-Berg darüber schon hinweg ist, ist die Frage. Stellenweise lese sich das Werk wie „die Enthüllungen eines verlassenen Liebhabers”, spottete „Spiegel Online”. Das wird gestützt durch Domscheit-Bergs eigene Fantasien: „Manchmal hasse ich ihn so sehr, dass ich Angst habe, ich könnte körperliche Gewalt ausüben, sollte er mir noch einmal über den Weg laufen.”

Assange und die Frauen

Vorerst aber kommunizieren die beiden Online-Spione nur noch auf dem Rechtsweg: Assange hat einen Anwalt eingeschaltet und fordert von seinem Ex-Sprecher Hard- und Software und verschiedene Dokumente zurück. Die hatte Domscheit-Berg bei seinem Ausstieg mitgehen lassen – und sie „an einem neutralen Ort zwischengelagert”. Assange selbst sei nämlich nicht mehr dazu in der Lage, mit brisantem Material verantwortungsvoll umzugehen, giftet der Freund von einst.

Und die Frauen? Assanges Verhältnis zu ihnen beschäftigt die Welt, seitdem Schweden ihn wegen sexueller Vergehen verurteilen will. Domscheit-Berg nimmt ihn ein einziges Mal in Schutz: Assange sei Frauen gegenüber nicht so plump aufgetreten wie oft behauptet. Und dann legt er doch wieder nach: „Für Julian war das Kriterium, das eine Frau in seinen Augen begehrenswert machte, recht einfach: Sie sollte jung sein. Und ihm war wichtig, dass sie ihn nicht in Frage stellte.”

 

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