Neuer Zugang zum Englischen Garten Streit um Abriss der Tierklinik - ist das Kulturvandalismus?

Wird abgerissen: die gelbgestrichene Tierklinik an der Königinstraße. Foto: Bernd Wackerbauer

Neuer Zugang zum Englischen Garten über einen lockeren Physik-Campus: Dafür wird die charmante Tierklinik abgerissen – Bürger protestieren.

München - Heu und Stroh sind immer angeliefert worden – für die Pferde und Kühe in den Ställen der Tierklinik in der Königinstraße. Diese Art von Lieferverkehr fällt bald weg. Die Veterinärmedizin-Studenten und ihre Institute ziehen ja bereits sukzessive nach Oberschleißheim.

Damit die LMU neben der Geisteswissenschaft auch Naturwissenschaft im Herzen der Stadt behält, wird auf einem neu gebauten "Campus Königinstraße" die Physik zentralisiert. Laserphysik, Biophysik, Astrophysik oder Meteorologie wird in Zukunft direkt am Englischen Garten gelehrt – mit Blick ins Grün. Das erfahren rund 40 Bürger am Dienstagabend bei einer Infoveranstaltung von Freistaat, LMU und Stadt im Uni-Hauptgebäude.

Neuer Eingang in den Englischen Garten

Positiv für die Stadtgesellschaft: Das Ex-Areal der Tiermediziner wird zum Englischen Garten hin geöffnet. Die Mauer zum Park fällt. Über die Schackstraße und einen "lockeren Campus" wird es für alle Münchner einen neuen Eingang in den Park geben.

Ein Schock für viele ist aber, wie radikal dieser exponierte Ort umgestaltet wird: Das Kultusministerium errichtet für die Physiker sieben Neubauten: funktionale Kuben mit Flachdach, die Forschern adäquate Labore und Arbeitsbedingungen bieten sollen. "Wir wollen konkurrenzfähig sein", erklärt Physik-Professor Ralf Bender. Er freut sich über den "Ort für Innovation".

Bürger kritisieren nüchterne Optik der neuen Unigebäude

Vom neuen Campus steht bereits das 20 Meter hohe "Nano-Institut" für Energieforschung. Ende 2018 ist es fertig. Bürger beschimpfen es bei der Diskussion als "üblen Klotz", "Fremdkörper", "abweisenden Blockbau", oder "Gebäudemaschine". Die weiteren Unigebäude werden in einem ähnlichen Stil gebaut.


Das Nano-Institut neben der Tierklinik ist schon fertig. In diesem Stil werden hier weitere Häuser gebaut. Foto: Bernd Wackerbauer

Maxvorstädter kritisieren, dass die nüchterne Optik in zu hartem Kontrast zu den Giebeldächern und historischen Fassaden auf der anderen Seite der Königinstraße stehe. Die neuen Physik-Bauten würden das "verspielt Münchnerische" am Englischen Garten kaputt machen.

Teile der Tierklinik gelten als denkmalwürdig, sind aber nicht geschützt

"Sachlich bleiben", werden erhitzte Diskutanten ermahnt. Nicht allen Denkmalschützern fällt das leicht. "Für uns ist die Tierklinik das wichtigste Projekt seit Jahren", sagt Florian Grüning von den Altstadtfreunden. Er will kämpfen. Denn: Bis auf das denkmalgeschützte Tor, den Schlangenbrunnen und den Bibliotheksbau mit Dachlaterne wird die charmante gelbgestrichene Tierklinik an der Königinstraße komplett abgerissen. Teile gelten zwar als denkmalwürdig, stehen aber nicht unter Schutz.

2.500 Physik-Studenten und Hochschulmitarbeiter sollen sich auf dem Campus im grünen "Hanggarten" mit Treppen und Bäumen erholen können. Eine neue Tiefgarage soll bis zu 130 Plätze bieten, sie bleiben aber für die LMU reserviert.

Auf der Bürgerversammlung Maxvorstadt hat 2015 ein Saal mit 100 Leuten für den Erhalt der Tierklinik-Bauten gestimmt, drei waren dagegen. Florian Grüning: "Die CSU hat im Land nicht mehr die Mehrheit. Wir prüfen eine zweite Petition."

AZ-Kommentar zum Thema: Es ist noch nicht zu spät

 

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