Neuer Samstagskrimi "München Mord" im ZDF Bernadette Heerwagen: "Keine Krimi-Komödie mit Schenkelklopfer-Humor"

Angelika Flierl (Bernadette Heerwagen) beim Vorsingen im Krimi "München Mord" Foto: ZDF/Jürgen Olczyk

Zahlreiche Auszeichnungen weisen Bernadette Heerwagen als hervorragende Schauspielerin aus. Was sie selbst von den Preisen hält, das hat sie spot on news im Interview verraten. Erzählt hat die Wahl-Bayerin auch, wer ihr Talent entdeckt hat und wie es ist, im Winter nackt in einen Fluss zu springen.

 

So etwas ähnliches wie der Oscar-Fluch hat auch Bernadette Heerwagen (36) vor ein paar Jahren erwischt. Ausgezeichnet mit dem Bayerischen und dem Österreichischen Fernsehpreis für "Der Schandfleck" (2000), je einem Adolf-Grimme-Preis für "Grüße aus Kaschmir" (2005) und "An die Grenze" (2008) sowie einer Nominierung für den Deutschen Filmpreis für "Die kommenden Tage" (2011) blieben die spannenden Rollenangebote plötzlich aus. Glücklicherweise hat sich das Blatt gewendet und so ist die charmante Schauspielerin am Samstag zusammen mit ihren Kollegen Alexander Held und Marcus Mittermeier in einem charmanten Krimi zu sehen.

In "München Mord - Wir sind die Neuen" (20.15 Uhr, ZDF) lösen die drei eigentlich aufs Abstellgleis geschobenen Polizisten einen Mordfall im Erdinger Land. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news hat die gebürtige Bonnerin verraten, wer sie entdeckt hat, und was ihre Eltern zu den Berufswünschen der Heerwagen-Geschwister - Schauspielerin und Fußball-Profi - gesagt haben.

"München Mord" heißt die neue Samstagskrimireihe. Noch eine, könnte man denken, doch der Pilotfilm macht richtig Lust auf mehr. Was ist für Sie das Besondere daran?

Bernadette Heerwagen: Es ist weder eine Krimi-Komödie mit Schenkelklopfer-Humor noch ein besonders schwerer Film. Skurril mit vielen Wahrheiten, trifft es vielleicht am besten. Die Autoren haben sehr viel recherchiert und die Figuren sehr ernst genommen - und wir Schauspieler auch. Da passt einfach ziemlich viel, vor allem sind wir dieselbe "Witz-Gruppe", wie ich es nenne.

Der erste Fall der Reihe "München Mord" spielt gar nicht in München. Wird es auch München-Fälle geben?

Heerwagen: Der erste Fall spielt im Umland. Den zweiten haben wir letztes Jahr im November und Dezember in München gedreht. Aber ich glaube, wir werden ganz Bayern unsicher machen.

Wie gut kennen Sie Bayern?

Heerwagen: Ich bin zwar in Bonn geboren, hab meine Kindheit aber in Niederbayern verbracht. Als ich 10 war, sind wir dann nach München gezogen. Mit 20 bin ich nach Berlin und inzwischen lebe ich wieder in Bayern. Bayern ist etwas ganz eigenes und der bayerische Humor sowieso.

Im Film geht es auch um den Bayerischen Verdienstorden. Sie haben zwei Grimme-Preise und einen Bayerischen Fernsehpreis bekommen. Was bedeuten solche Auszeichnungen für Sie und für Ihre Arbeit?

Heerwagen: Für die Arbeit bedeutet es, dass man erst mal keine Jobs mehr bekommt. So eine renommierte Auszeichnung ist eher eine Bremse, ein bisschen vergleichbar mit dem Oscar-Fluch. Die Verantwortlichen denken dann oft, dass man dieses und jenes nicht mehr spielen würde oder dass man plötzlich zu teuer ist. Dem ist nicht so... Andererseits freue ich mich natürlich sehr, wenn meine Arbeit anerkannt wird.

Ist eine Nominierung für einen wichtigen Preis dann vielleicht sogar besser, als die Auszeichnung tatsächlich zu bekommen?

Heerwagen: Nein. Es ist schon sehr schön, den Preis zu bekommen, wenn man schon mal nominiert ist.

Ihre Eltern werden sich darüber auch sehr gefreut haben. Wie war es denn für die beiden, wenn die Tochter Schauspielerin werden will und der Sohn Fußball-Profi?

Heerwagen: Das hat sich einfach so ergeben und unsere Eltern haben uns keine Steine in den Weg gelegt. Im Gegenteil, sie haben uns dazu ermutigt, das zu machen, woran wir Spaß haben. Durch dieses Vertrauen konnten wir uns auch so gut weiterentwickeln. Das wäre wahrscheinlich nicht so gewesen, wenn sie gesagt hätten: "Macht lieber etwas Gescheites!" Aber gut, was ist denn "etwas Gescheites"? In unserer heutigen Gesellschaft ist alles so unsicher, dass man auch nach einem Pharmazie- oder Germanistik-Studium, was mich interessiert hätte, keine Job-Garantie hat.

Der von ihnen gespielten Figur der Polizistin Angelika Flierl wird nach einem kurzen Ukulele-Auftritt "Kein Talent für Kleinkunst" attestiert. Sie haben Talent. Wer hat es bei Ihnen zuerst erkannt?

Heerwagen: Bei den Bavaria Filmstudios konnten Schulklassen einen kleinen Film drehen. Meine Klasse hat auch mitgemacht und der Kameramann des "Filmenden Klassenzimmer", Miguel Alexandre, hat mich dann zwei Jahre später angerufen und gefragt, ob ich in seinem Abschlussfilm an der Münchener Filmhochschule die Hauptrolle spielen will. Ich wurde quasi mit 15 entdeckt, habe dann mit 17 meinen ersten Film gedreht und bin Miguel bis heute dankbar - außer vielleicht, wenn ich im Winter nackt in irgendeinen Fluss springen muss, dann verfluche ich es schon ein bisschen.

Flierls freundliche Antwort, obwohl sie denkt, dass sie musizieren kann: "Danke für die Kritik!" - Wie würden Sie regieren?

Heerwagen: Ich würde mich bemühen, freundlich zu bleiben, und auch tapfer "Danke für die Kritik!" sagen. Denken würde ich mir aber etwas ganz anderes.

An einer anderen Stelle sagt sie: "Wenn ich etwas anfasse, wird es schlecht" - Jeder zweifelt mal. Was hilft Ihnen in solchen Phasen?

Heerwagen: Wenn ich drehen gehe, denke ich vor dem ersten Drehtag jedes Mal: "Hoffentlich kann ich es noch!" In diesem Fall war das Gefühl besonders stark, weil die Rolle so anders ist, als das, was ich bisher gespielt habe. Die Angelika Flierl ist eine liebenswerte, ehrliche und intuitive Person und nicht so ernst, dramatisch und eher ungeschminkt wie viele andere meiner Rollen. Und Dialekt habe ich auch schon lange nicht mehr gespielt.

Eine lustige Szene zum Schluss: Der Chef bestellt "noch ein Plunderhörnchen" und noch eins und noch eins. Was mussten Sie beim Drehen schon mal besonders oft essen?

Heerwagen: Hauptkommissar Ludwig Schaller (Alexander Held) will sich halt ganz besonders intensiv in das Opfer hineinversetzen, weil er seine Fälle induktiv löst. Ich musste für eine Szene mal 20 Döner essen. Danach habe ich ein halbes Jahr lang keinen mehr angerührt.

 

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