Neuer Prozess, alter Gutachter Fall Peggy: Schock-Nachricht für Ulvi K.

Mordfall Peggy: Heute sagt Gutachter Hans-Ludwig Kröber aus. Er soll beurteilen, wieglaubhaft ein Geständnis von Ulvi K. aus dem Jahr 2002 war. Foto: dpa

Im neuen Peggy-Prozess wird Ulvi K. vom selben Psychiater bewertet wie beim letzten Mal. Die Entscheidung sorgt für Ärger

Bayreuth -  Hans-Ludwig Kröber (62) ist einer der bekanntesten deutschen Psychiater und in vielen spektakulären Kriminalfällen als Gutachter aufgetreten. Eines seiner Gutachten war die Grundlage dafür, dass der behinderte Gastwirtsohn Ulvi K. (34) unter fragwürdigen Umständen für den Mord an der kleinen Peggy (9) aus Lichtenberg (Oberfranken) zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Peggys Leiche wurde bis heute nicht gefunden. Es gibt nun einen neuen Prozess – und Kröber wurde vom Bayreuther Landgericht erneut zum Gutachter bestimmt.

Ein Skandal?

Für die Jugendkammer des Landgerichts, wo der neue Prozess gegen Ulvi im April starten wird, stellt der Berliner Universitätsprofessor als Gutachter kein Problem dar. „Er hat den gerichtlichen Auftrag bekommen, sein früheres Gutachten zu ergänzen“, erklärt Behördensprecher Thomas Goger die juristische Ebene.

Irgendwelche Interessenskonflikte oder mögliche Befangenheitsgründe sind für ihn nicht erkennbar: „Er hat damals sein Gutachten auf der Grundlage objektiv unzureichender oder falscher Vorgaben gemacht und kann das jetzt berücksichtigen.“

Für Rechtsanwalt Michael Euler, der Ulvi K. vertritt und den neuen Prozess durchgesetzt hat, stellt sich die erneute Beauftragung Kröbers als Gutachter wesentlich komplizierter dar. „Mein erster Gedanke war, sofort einen Befangenheitsantrag zu stellen, als ich das gehört habe“, sagt Euler.

Nach der Schock-Nachricht will er seinen Worten zufolge erst einmal abwarten, zu welchen Ergebnissen der psychiatrische Sachverständige diesmal kommt -  und erst dann entscheiden, wie es weiterläuft.

Skeptisch, sagt Euler, bleibe er auch deshalb, weil er Zweifel an der handwerklichen Qualität des ersten Gutachtens bestünden. Er könne dies auch belegen.

Während der Frankfurter Anwalt berufsbezogene Zurückhaltung übt, hat die Nachricht von Kröbers erneuter Verpflichtung schon die sozialen Medien erreicht. Dort gibt es viele Plattformen, wo sich Kritik, Wut und Schimfkanonaden über den Psychiatrie-Professor ergießen.

Sehen Sie hier: Polizei sucht Peggys Leiche - die Bilder

Dort ist Kröber ein Feindbild – und nicht nur bei Ulvi-Befürwortern. Der Herausgeber des „Handbuchs der Forensischen Psychiatrie“ hat sich auch bei der Mollath-Gemeinde keine Freunde geschaffen, um es ganz vorsichtig zu formulieren.

Sein Gutachten, in dem er „eindeutig feststellt“, dass Gustl Mollath an einer „wahnhaften Störung leidet“ wurde schon tausendfach kommentiert. Vor allem der Umstand, dass Kröber seine Expertise nach Aktenlage anfertigte und Mollath nie sah, erhitzt die Gemüter.

Viel Ehr, viel Feind: Ist es das, was Kröber zur gern benutzten Zielscheibe macht? Auch im Kachelmann-Prozess geriet er bei der Diskussion zwischen die Mühlsteine der Meinungsmacher im Netz. In diesem Fall waren es seine gutachterlichen Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Kachelmanns Ex-Freundin, die zum virtuellen Schlagabtausch führte.

Professor Hans-Ludwig Kröber bleibt trotz aller Anfeindungen äußerlich ganz gelassen und scheut keineswegs das Licht der Öffentlichkeit. Bei TV-Talkrunden ist er ein gern gesehener Gast. Nur einmal ging ein Event tüchtig daneben. Da wollte er seine Sicht als Gutachter zur Causa Mollath in einem Seminar darstellen und sprach auf einer öffentlich verbreiteten Einladung von „Unser Gustl“, was nicht nur von Mollath-Fans als Taktlosigkeit empfunden wurde. Das Seminar wurde abgesagt.

 

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