Geplanter Pächter springt ab TSV 1860: Fragwürdige Vertragsklauseln - Löwenstüberl bleibt dicht!

, aktualisiert am 17.07.2019 - 14:33 Uhr
Bleibt vorerst geschlossen: Das Löwenstüberl. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Das Löwenstüberl auf dem Vereinsgelände des TSV 1860 bleibt weiterhin geschlossen. Der geplante neue Pächter ist abgesprungen und hat den Sechzgern abgesagt – unter anderem wegen kuriosen Vertragsklauseln.

 

München - Der TSV 1860 muss weiter ohne das Löwenstüberl auskommen – und zwar auf unabsehbare Zeit.

Wie die AZ erfuhr, hat der geplante neue Pächter der Kult-Kneipe den Sechzgern nun doch abgesagt. "Beim Löwenstüberl sind wir sehr weit. Der 1. Juli ist das Ziel", hatte Geschäftsführer Michael Scharold noch vor einigen Wochen erklärt.

Löwenstüberl-Absage: Was hat Ismaik damit zu tun?

Passiert war seitdem nicht viel und schon gar nichts Offizielles: Allein die ausbleibenden Renovierungsarbeiten deuteten vielmehr darauf hin, dass sich die Wiedereröffnung verzögern wird. Für eine Stellungnahme war Scharold auf AZ-Nachfrage nicht zu erreichen.

Kurios: Wie aus Vereinskreisen zu hören ist, sollen neben wirtschaftlichen Gründen auch strikte Vorschriften seitens Investor Hasan Ismaik ein Grund für die Absage des Pächters gewesen sein: Ismaiks Statthalter Anthony Power soll dabei auf einige zusätzliche, anfangs nicht besprochene Vertragsklauseln wie ein Veranstaltungsverbot für Fan-Gruppierungen wie die "ARGE", "Freunde des Sechz'ger Stadions" und "Pro1860" bestanden haben.

Anthony Power will fragwürdige Vertragsklauseln

Zudem hätten unliebsame Äußerungen gegen Ismaik mit einem Hausverbot bestraft werden sollen. Daraufhin habe der vorgesehene Neu-Wirt - aus mehreren Gründen wie einem alternativen Angebot einer anderen Wirtschaft - abgesagt.

Der Pachtvertrag von Ex-Wirtin Christl Estermann war Ende 2018 ausgelaufen, seitdem steht die Wirtschaft leer. Ursprünglich hätte das Stüberl nur für wenige Wochen geschlossen bleiben sollen. Jetzt sind es schon knapp sieben Monate, auch wegen schier aberwitzigen Bedingungen, die der Pächter erfüllen müsste und sich dabei teils der eigenen Kundschaft berauben soll.

Die AZ meint: Trotz der enormen Spaltung der Sechzger-Fans zwischen Anhängern und Kritikern von Ismaik, zwischen Befürwortern und Gegnern des Konsolidierungskurses unter Präsident Robert Reisinger sollten in einer Vereinsgaststätte alle Ansichten ausgetauscht werden dürfen. Mit dem nötigen Respekt sollte auch nach Herzenslust gegrantelt werden dürfen – erst recht im kultigen Löwenstüberl, das nicht zuletzt eigentlich genau dafür da ist.

1860 verschickt Richtigstellung

Am Nachmittag verschickten die Sechzger eine Richtigstellung, in der man "der heute veröffentlichten Darstellung" über das Löwenstüberl "mit aller Vehemenz" widerspreche. Der geplante Pächter sei aufgrund "vieler Kleinigkeiten" abgesprungen. Um welche Gründe es sich handelte, ließ der Klub jedoch dahingestellt. Der Inhalt im Wortlaut.

RICHTIGSTELLUNG ZUM SACHVERHALT LÖWENSTÜBERL

"Mit aller Vehemenz müssen wir der heute veröffentlichten Darstellung widersprechen. Es ist richtig, dass sich ein potentieller Pächter und der TSV 1860 in sehr fortgeschrittenen Gesprächen befanden, es aber nicht zu einem Vertragsabschluss kam. An den Vertragsverhandlungen waren lediglich der potentielle Pächter sowie der Kaufmännische Geschäftführer der KGaA, Michael Scharold, beteiligt. Schlussendlich führten viele Kleinigkeiten im Rahmen der Gespräche in der Summe dazu, dass der Pächter Abstand vom Abschluss des Vertrages nahm. Der TSV bedauert dies sehr und wird mit großer Intensität an einer alternativen Lösung arbeiten."

Lesen Sie auch: Löwenstüberl-Wirtin Christl Estermann im großen Abschiedsinterview

 

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