Neuer Nebenkläger Muss der LKA-Prozess neu aufgerollt werden?

Mario W. (r.) mit seinem Anwalt Alexander Schmidtgall. Foto: dpa

23 Verhandlungstage sind schon vorbei. Doch jetzt könnte das Verfahren gegen die sechs Beamten von vorne beginnen.

 

Nürnberg - Über die Hälfte der geplanten Verhandlungstage im Nürnberger Prozess um sechs Beamte des Landeskriminalamts sind schon vorbei. 17 weitere sind bis Ende Juli bereits fest eingeplant. Doch jetzt droht der Mammut-Prozess zu platzen.

Das Zünglein an der Waage, das darüber entscheidet, ob der Prozess noch einmal komplett neu aufgerollt werden muss, ist das Oberlandesgericht (OLG).

Ex-V-Mann Mario W., der in dem Verfahren eine zentrale Rolle spielt und die LKA-Beamten erst in die Bredouille brachte, möchte als Nebenkläger zugelassen werden. Das Landgericht hat es abgelehnt, nun muss das OLG entscheiden.

In der kommenden Woche läuft die Frist für die Beteiligten ab

Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall, der den ehemaligen V-Mann vertritt, geht davon aus, dass sein Mandant als Nebenkläger zugelassen werden muss.

"Die Argumente, die dafür sprechen, sind nicht vom Tisch zu wischen", sagt er überzeugt. Er glaubt, entsprechende Signale in diese Richtung wahrgenommen zu haben.

Die Frist für Stellungnahmen der Prozessbeteiligten läuft in der kommenden Woche ab.

Das mit der Nebenklage-Zulassung verbundene Problem, das auf das Landgericht zurollt: Jedem Nebenkläger steht das Recht zu, den gesamten Prozess zu begleiten und alle Zeugen hören und befragen zu können.

Rechtsanwalt Alexander Schmidtgall hegt starke Zweifel, ob sich der entgangene Wissensrückstand und die fehlenden Befragungsmöglichkeiten der Zeugen durch die vorhandenen Sitzungsprotokolle aufholen lassen. Kompromissbereit sei er trotzdem, erklärte er. Allerdings: "Wäre mein Mandant gleich als Nebenkläger zugelassen worden, wie ich es beantragt habe, könnten wir uns dieses Problem sparen."

Mario W., der als V-Mann des LKA jahrelang die Rockgergang "Bandidos" ausforschte, hatte zum ersten Mal von Tricksereien und kriminellen Handlungen des LKA erzählt. Da stand er wegen Drogen vor Gericht, wurde als unglaubwürdig hingestellt und erhielt fast zehn Jahre Haft.

In einem zweiten Prozess, der die Ermittlungen gegen die LKA-Beamten auslöste, wurde seine Strafe reduziert. Mario W. fühlt sich selbst als Opfer der Behörde.

 

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