Neuer München-"Tatort" 14-jähriger Junge betreibt Pädophilen-Website

Seit 1991 ermitteln Udo Wachtveitl (l.) und Miroslav Nemec als Kommissare Leitmayr & Batic im Münchner "Tatort" Foto: BR/hager moss film GmbH/Bernd Schuller

In ihrem neuen Fall "Das verkaufte Lächeln" tauchen die Münchner "Tatort"-Ermittler Leitmayr und Batic tief ein in eine Welt, in der Teenager viel mehr verkaufen als nur ihr Lachen.

München - Als Timm Thaler sein Lachen verkaufte, hatte er keine Vorstellung davon, wie sehr es ihm einst fehlen würde. Autor Holger Joos könnte diese Geschichte im Kopf gehabt haben, als er das Buch für den neuen München-"Tatort" schrieb. Der Titel: "Das verkaufte Lächeln".

An der Isar in der bayerischen Landeshauptstadt wird die Leiche des 14-jährigen Tim (Justus Schlingensiepen) gefunden. Der Junge wurde aus nächster Nähe erschossen, Anzeichen für einen Raub oder sexuellen Missbrauch gibt es nicht. Das Motiv liegt völlig im Dunkeln.

Erst als die Ermittler Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) Tims Computer unter die Lupe nehmen, tun sich wahre Abgründe auf. Denn der Junge saß nicht etwa den ganzen Tag vor dem Bildschirm, um Apps zu entwickeln, wie seine Eltern glauben - er betrieb eine Website, auf der er sich für pädophile Männer auszog.

Einer seiner Kunden ist der sympathische Familienvater und engagierte Fußballtrainer Guido Buchholtz (Maxim Mehmet, "Männerherzen"), der nicht nur mit Tim, sondern auch mit dessen Freund Florian (Nino Böhlau) gechattet hat und schnell ins Visier der Ermittler gerät.

Batic hält Buchholtz ohne Zweifel für den Täter - Leitmayr ist skeptisch. Ohnehin scheint er sich angesichts der abgebrühten Teenager, die sich nicht scheuen, sich für ein neues, teures Handy vor der Webcam auszuziehen, die Frage zu stellen, wer hier überhaupt Täter ist und wer Opfer.

Der dritte und letzte München-"Tatort" dieses Jahres nach dem Film "Am Ende des Flurs" (in dem Leitmayr am Ende tot zu sein schien) und der an den Aufenthalt des Gaddafi-Sohnes erinnernden Groteske "Der Wüstensohn" taucht tief ein in die Abgründe von Internet und Teenie-Welt, wo die Beinahe-noch-Kinder mehr verkaufen als nur ihr Lächeln. Sie bieten ihre Jugend zum Kauf, ein Stück ihrer Kindheit. Das zeigt vor allem das graue, freudlose Gesicht von Tims Freund Florian, der mit tiefen Augenringen durch diesen "Tatort" läuft. Im Gegensatz zu Timm Thaler bekommt er sein Lachen nicht zurück.

"... und die Eltern haben keine Ahnung", sagt Leitmayr. Sowohl die wohlhabende Mutter der hübschen Hanna (Anna-Lena Klenke), als auch die arme, alleinerziehende von Florian und die hart arbeitenden Eltern von Tim ahnen monatelang nicht, was ihre Kinder am Computer so treiben.

Nach dem eher unterhaltsamen als nervenaufreibenden "Wüstensohn" ist "Das verkaufte Lächeln" mal wieder ein wirklich spannender, düsterer, abgründiger Münchner "Tatort" mit unerwarteten Wendungen geworden.

 

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