Neuer Löwen-Trainer Bierofka Nach Braunschweig-Sieg: Glücksgefühle und ein Bier

Der neue Löwen-Trainer Daniel Bierofka (l.) und Sportchef Oliver Kreuzer jubeln nach dem Sieg gegen Eintracht Braunschweig. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Das Zweitliga-Debüt von 1860-Ikone Bierofka ist geglückt. "Es hat etwas gedauert, das ganze Adrenalin abzubauen", sagt der Trainer.

 

München - Montag, Grünwalder Straße, 10 Uhr. Das Wetter spielt verrückt. Erst ist es trist und bewölkt, und als Daniel Bierofka einen Teil seiner Mannen über den Rasen scheucht (der Rest schwitzt im Kraftraum), setzt dichtes Schneetreiben ein. Als Bierofka nach der Einheit mit seinen Ausführungen über seine Premiere als Cheftrainer des TSV 1860 im Löwen-Stüberl endet, ist keine Spur mehr von Schnee, die Sonne strahlt wieder über Giesing. Auch Bierofka kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Löwen wieder auf Relegationsrang 16

"Bierofka! Bierofka! Bierofka!", hallte es tags zuvor durch die Allianz Arena. Der Mann, den die Löwen-Fans in der Nordkurve feierten, hatte den TSV 1860 in seinem ersten Trainer-Spiel im Profi-Fußball zu einem 1:0-Sieg gegen Eintracht Braunschweig geführt. Wenn man so will, ließe sich der Auftritt der Löwen, bei dem auch ein kurzes Schneetreiben eingesetzt hatte, mit der Wetterlage vergleichen: Triste Aussichten vor dem Duell am 31. Spieltag. Einsetzender Trommelwirbel, kämpfende Löwen, die immer verzweifelter anrennen, das Tor einfach nicht treffen – und am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf.

"Es hat ein bisschen gedauert, das ganze Adrenalin abzubauen", sagt Bierofka nach dem überlebenswichtigen Sieg, "ich habe sehr gut geschlafen, aber nach einem Erfolg schläft man immer besser." Debüt geglückt, die Löwen auf Relegationsrang 16 geführt, den Anschluss an die Tabellenplätze 15 und 14 wieder hergestellt: Es war ein Top-Einstand für den 37-Jährigen.

Vor sieben Tagen noch wäre Bierofka als Trainer-Novize in der viertklassigen Regionalliga durchgegangen, wo er als U21-Trainer noch keine ganze Saison absolviert hat. Nach Benno Möhlmanns Rauswurf wurde der frühere Publikumsliebling zu seiner eigenen Überraschung zu den Profis beordert. Wie früher Vater Willi, früher ebenfalls Spieler und Trainer der Sechzger. Und selbstverständlich in der Arena zugegen. "Ich denke, bei meinem Vater war es wie bei mir und allen anderen: Da ist ein Riesen-Stein vom Herzen gefallen, das war schon eine gewisse Erlösung", erklärt Bierofka, schiebt im Stile eines alten Trainerfuchses hinterher: "Wir haben aber noch nix gewonnen. Das war fast ein Pflichtsieg, die Pflicht haben wir erfüllt."

Ein Bier zur Belohnung

Zum Lohn gab’s laut Bierofka "Glücksgefühle" und "ein Bier – aber nur eins", sowie zahlreiche Glückwünsche von "vielen alten Kollegen wie Torben Hoffmann, Michi Hofmann, auch einiger Regionalliga-Trainer wie Stefan Leitl." Sie gratulierten Bierofka nicht nur zum ersten 1860-Dreier seit fünf Spielen, sondern auch zu einem starken Auftritt: 20:8 Torschüsse, 69 Prozent gewonnene Zweikämpfe (Saisonbestwert!) – nicht nur der erste Blick, sondern auch die Fakten attestieren eine überzeugende Leistung.

"Die Mannschaft hat meine Vorgaben sehr gut umgesetzt. Die Zweikampfstatistik lügt nicht: Wenn du zwei von drei Zweikämpfen gewinnst, hast du gute Chancen, das Spiel in den Griff zu bekommen", so Bierofka, der sich nicht scheute, sein 4-3-3-System ohne große Vorbereitungszeit spielen zu lassen.

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Vor allem die schnellen Flügelspieler Valdet Rama und Daylon Claasen brachten Schwung ins zuletzt eher lahme Löwen-Spiel. Bierofka über Ramas wundersame Wandlung: "Ich habe ihm gesagt: Wenn er den Ball hat, soll er sich die letzten 30 Meter vor dem Tor was trauen. Das ist seine Stärke."

Kaum ist das Braunschweig-Spiel rum, gelten Bierofkas Gedanken dem nächsten Gegner. Am Freitag geht’s zu St. Pauli. "Kann sein, dass ich genauso spielen lasse oder das System ändern werde, das werde ich mir in aller Ruhe überlegen", sagt er. Ganz ohne Adrenalin.

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