Neuer Löwen-Trainer Alexander Schmidt: Sehnsucht Dortmund

Die Bilder vom ersten Training unter dem neuen Löwen-Coach Alexander Schmidt am Montagvormittag. Foto: dpa

Der neue Löwencoach Alexander Schmidt verrät am seinem ersten Arbeitstag, dass Meister Borussia Dortmund das Vorbild für 1860 werden soll

 

München - Seine ersten Worte am ersten Arbeitstag mit der neuen Mannschaft fielen ihm alles andere als leicht. Gerade hatte Alexander Schmidt, seit Sonntag neuer Trainer des TSV 1860, am frühen Morgen die Kabinenräume an der Grünwalder Straße betreten, da stand auf einmal sein Vorgänger Reiner Maurer vor ihm. „Ich habe ihn ein bisschen trösten müssen, weil er natürlich sehr niedergeschlagen war”, erzählte Schmidt. „Aber unter Trainerkollegen weiß man ja, wie es ist. Heute ist man ganz oben, in einem halben Jahr kann es schon wieder ganz anders aussehen. Reiner Maurer ist erfahren genug, um die Sache einordnen zu können.”

Tag eins bei den Löwen begann also recht emotional für den 44-Jährigen, der am Wochenende vom U21-Coach zum Profitrainer befördert worden war – und gewissermaßen ganz oben ist jetzt. Sechs Spiele (fünf in der Liga und eins im Pokal) hat der Schwabe nun Zeit, sich nachhaltig als Cheftrainer zu beweisen. In der Winterpause wollen die Bosse Bilanz ziehen. Schmidt sei aber „keine Notlösung”, versicherte Präsident Dieter Schneider, „wir sind uns bei ihm einig, dass er der richtige Trainer ist.” Und um diese Annahme zu bestätigen, legte Schmidt gleich mit viel Tatendrang los: Bevor er die Mannschaft zur ersten von zwei Einheiten auf den Platz schickte, hatte er ihr noch seine taktischen Vorgaben mit auf den Weg gegeben. „Er will, dass wir schnell nach vorne spielen. Es ist viel Zug drin”, erkannte Kapitän Benny Lauth und erkannte gleich: „Der Trainer hat viele Ideen.”

Schmidts Vorstellungen kommen nicht von ungefähr. Der Trainer ist ein großer Bewunderer des Spielstils von Borussia Dortmund unter Erfolgscoach Jürgen Klopp. Schmidt sprach sogar davon, sich den Meister zum Vorbild nehmen zu wollen und begründete: „Ich finde es super, wie Dortmund mit so einer jungen Mannschaft spielt, die sehr viel Druck auf den Ball macht. Die Mannschaft agiert immer und muss nicht reagieren.” Dabei sei es ganz egal, wer der Gegner sei. „Das hat man ja jetzt auch in der Champions League gegen Real Madrid gesehen”, so Schmidt, der aber auch relativierte auch: „Aber das kann man natürlich noch nicht vergleichen. So etwas muss wachsen, und das braucht Zeit.”

Dennoch: Schmidt weckte gleich am ersten Tag die Sehnsucht Dortmund an der Grünwalder Straße. Nach erfolgreichem, begeisterndem und schönem Fußball. Überhaupt: Die Namen Klopp oder auch Thomas Tuchel (Trainer von Mainz 05) sind derzeit oft zu hören in Giesing. Auch Schmidt wird von den Bossen als jung und modern beschrieben. Präsident Schneider sagte dazu: „Auch Klopp und Tuchel haben mal mit ihren Erfolgen angefangen. Jeder braucht eine Chance. Vor zehn Jahren hat auch keiner den Tuchel gekannt. Ich hoffe, so etwas können wir auch mal über unseren Trainer sagen. Ich bin mir sicher, dass unser Trainer die Chance nutzen wird”, sagte Schneider.

Nun will Schmidt einen ähnlich erfolgreichen Weg im Profifußball bestreiten wie die Vorbilder. Die Parallelen sind unverkennbar. Klopp wurde einst vom Spieler zum Cheftrainer gemacht, Tuchel vom langjährigen Jugendtrainer.
Schmidt wird sich in den nächsten Wochen mühen, die Erwartungen zu erfüllen. Leicht wird es nicht. Schon am ersten Tag merkte er: „Die Mannschaft ist noch gehemmt. Es wird noch nicht so viel gelacht. Aber die Spielfreude kommt, da bin ich mir sicher. Aber die nötige Power ist schon jetzt auf dem Platz.” Power, er hat es benutzt, dieses Klopp-Wort.

 

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