Neuer Bayern-Trainer Dejan Radonjic: Der Tänzer im Hotel

Dejan Radonjic: der neue Basketball-Trainer des FC Bayern gestikuliert an der Seitenlinie. Foto: dpa

Dejan Radonjic, der neue Coach der Basketballer des FC Bayern, wollte eigentlich in die USA. In der Heimat hat er sogar einen eigenen Fanclub.

München - Gegen ratiopharm Ulm feierte Dejan Radonjic am Mittwoch ein gelungenes Debüt (der Bericht über den 100:77-Sieg) als Trainer des FC Bayern Basketball. Am Samstag gastieren nun die Gießen 46ers um 18 Uhr im Audi Dome. Training, Spiel, Training, Spiel. Der Terminkalender des 48-jährigen Montenegriners ist prall gefüllt. Am Freitag nahm er sich dennoch 45 Minuten Zeit, sich vorzustellen.

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Dejan Radonjic: Seine Ziele mit dem FC Bayern

Für Radonjic gehe es in dieser Phase der Saison nicht um einen spektakulären Basketball, nicht um revolutinäre Änderungen am Reißbrett. Es geht – ganz pragmatisch – um Siege. Und was man nicht vergessen dürfe, "das Team hat bislang eine ausgezeichnete Saison gespielt": Pokalsieg, historischer Halbfinaleinzug im Eurocup, Erster in der Liga – der Status quo passe also. "Jetzt wollen wir uns Selbstbewusstsein für die Playoffs holen, da bleibt wenig Zeit", sagte Radonjic.

Seine Marschroute: Von Spiel zu Spiel denken. Das Einzige, das er verbessern wolle, sei das Defensivverhalten. "Da haben wir noch Potenzial, da muss jeder mehr Verantwortung übernehmen", sagte Radonjic. Ganz nach der Devise: Das Gute übernehmen, das Mittelmäßige überdenken, das Schlechte verbessern.

Dejan Radonjic: Sein Engagement in München

"Ich hatte andere Pläne. Ich wollte nach Amerika. Das war eigentlich schon fix", sagte Radonjic. Dann kam plötzlich die Offerte des FC Bayern. Für ihn sei der Anruf von Bayerns Geschäftsführer Marko Pesic völlig überraschend gewesen. "Doch wir haben uns sehr schnell geeinigt", sagte er. Der FC Bayern München – seine erste Station außerhalb Serbiens und Montenegros. "Das war meine Ambition, ich wollte raus aus Serbien", sagte er. Von 2006 bis 2013 trainierte er KK Buducnost Podgorica; von 2013 bis 2017 KK Roter Stern Belgrad.

Gegenwärtig lebt er noch im Hotel, doch er denkt intensiv darüber nach, bald eine Wohnung in München zu beziehen. "Warten wir mal ab", sagte der frühere Point Guard. Radonjics Kontrakt läuft zunächst nur bis zum Saisonende.

Dejan Radonjic: Seine Vergangenheit

Die Bayern-Spieler Maik Zirbes und Stefan Jovic kennt er bereits aus der gemeinsamen Zeit in Belgrad. Ein Triumvirat, das damals harmonierte – und das sich auch heute noch sehr schätzt. Doch Vorteile würden für die beiden daraus freilich nicht resultieren. "Ich kenne auch die Charakteristika der anderen Spieler. Zum Beispiel von Anton Gavel, um nur einen zu nenne. Ich habe ihn nämlich als Trainer in Belgrad oft studiert, meine Spieler auf ihn vorbereitet. Ich weiß also, wie er tickt", sagte er.

Dejan Radonjic: Sein Führungsstil

"Ich rede überhaupt nicht gerne über mich. Das überlasse ich anderen", antwortete er auf die Frage, ob er ein Trainer mit autoritärer oder lockerer Attitüde sei. Was sich aber schnell herauskristallisiert: Radonjic ist ein harter Arbeiter. Was er auch vom Team erwartet. Im Klartext: Training, Training, Training.

"Wir schuften jeden Tag, um uns auf die Playoffs vorzubereiten", sagte der Basketballlehrer, der sogar einen eigenen Fanclub besitzt. Der Grund: Radonjic ist an der Seitenlinie sehr energisch, gestikuliert viel und wild, tänzelt ab und an. "Doch ein guter Tänzer bin ich deswegen nicht", sagte er. Wenn er nach den Spielen Videos von sich selbst sehe, schäme er sich mitunter. "Es werden Videos von mir auf Youtube hochgeladen, Bewegungen imitiert", sagte er über sein Leben als "Popstar".

Dejan Radonjic: Seine Familie

Vor 40 Tagen starb Radonjics Mutter. Ein harter Schicksalsschlag. "Danach gab es eine Trauerfeier. Das war natürlich nicht einfach“, sagte er. In den neun Monaten ohne Trainer-Engagement habe er viel Zeit mit seiner Frau, seinem 21-jährigen Sohn und seiner 23-jährigen Tocher verbracht. "Meine Frau wird zu mir nach München kommen und auch bei mir bleiben", sagte er.

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