Neuer ARD-Dokumentarfilm Franz-Josef Strauß: Der unvollendete Primus

Franz Josef Strauß auf dem Oktoberfest. Foto: dpa

Eine neue Doku über FJS lässt Freunde und Gegner zu Wort kommen. Sie zeichnet seinen Weg von der Elite-Schule bis ins Kabinett von Konrad Adenauer nach.

 

München - Sobald die Initialen "FJS" erwähnt werden, sind die Klischeebilder vom "Bayerischen Urgestein", von der rhetorischen Schärfe, den vollen Maßkrügen, den Wienerwald-Hendln, aber auch von der leidenschaftlich geführten "Stoppt Strauß"-Bewegung nicht weit.

Auch 26 Jahre nach seinen Tod polarisiert Franz Josef Strauß, der ehemalige Bayerische Ministerpräsident, Ex-Atom-, Verteidigungs- und Finanzminister sowie Kanzlerkandidat, noch immer. Vieles, was man über Strauß zu wissen glaubt, wird längst von der Legende und von der Mythenbildung überlagert.

Neue ARD-Doku "Primus - Franz Josef Strauß"

Die Beschäftigung mit dem Vollblut-Politiker, der am 15. September 100 Jahre alt geworden wäre, erinnert an eine Reise in eine Zeit, in der Parlamentsdebatten noch mit Feuer und Leidenschaft wie Schlachten geschlagen wurden. Das 70-minütige Portrait "Dokumentarfilm im Ersten: Primus - Franz Josef Strauß" versucht den "Oberbayern" nicht nur historisch, sondern auch privat einzuordnen.

Zuletzt war Strauß ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit durch den packenden ARD-Film "Die Spiegel-Affäre" (2014) zurückgekehrt, als er sich – kongenial von Francis Fulton-Smith verkörpert – eines dieser erbitterten Duelle mit dem "Spiegel"-Gründer Rudolf Augstein lieferte, die für den angriffslustigen Strauß-Stil lebenslang bezeichnend waren.

In der Sache standen sich zwei große Geister gegenüber, die sich wechselseitig hart bekriegen mussten, die sich innerlich allerdings Respekt für ihre Willensstärke und intellektuellen Brillanz zollten. Ein Konflikt, der viel über die alte Bundesrepublik, aber natürlich auch viel über Strauß und dessen immer wieder angeknackstes Ego erzählte.

Familie, Freunde und politische Gegner vor der Kamera

Der neue Dokumentarfilm des BR wird vom Strauß-Biografen und Grimme-Preisträger Werner Biermann verantwortet, der dafür viel historisches Filmmaterial sichtete, zahlreiche Prominente (Familie, Freunde, politische Gegner von Strauß) vor die Kamera brachte und Spielszenen rund um den Strauß-Darsteller Bernhard Ulrich arrangierte.

Nachgezeichnet wird dabei Dokudrama-gleich der zentrale Knackpunkt in der Vita des Berufspolitikers, als sich Strauß zu einer letztlich aussichtslosen Kanzler-Kandidatur gegen den SPD-Kanzler Helmut Schmidt hinreißen ließ und scheiterte. Seit 1980 stand fest, dass der ganz große Strauß-Traum nicht aufgehen würde. Er zog sich auf seine Heimatbühne als CSU-Landesvater und Parteichef in München zurück.

Etwas zerbrach in Franz Josef Strauß

Dabei standen zunächst alle Zeichen auf einen nahezu unbremsbaren Aufstieg: Aufgewachsenen in einfachen Verhältnissen im Schwabinger Kleine-Leute-Milieu wurde Strauß schon am Münchner Maximiliansgymnasium, das als Elite-Schule galt und vielen noch immer gilt, Klassen-Primus.

Dieser Drang, der Erste und der Beste zu sein, zog sich lange durch sein Leben. FJS machte seinerzeit das beste Abitur in Bayern, selbstverständlich auch das erfolgreichste Staatsexamen und zog als jüngster Minister in das Kabinett von Kanzler Adenauer ein. Nach seiner Logik musste er Kanzler werden. Als ihm der Sprung auf die ganz große Welt-Bühne versagt war, zerbrach etwas in Franz Josef Strauß.


ARD, Montag 27.07.2015, 22.50 Uhr

 

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