Neue Talk-Sendung im Fernsehen Hannes Ringlstetter: „Ich muss die Show rocken“

Gehen neu auf Sendung: Moderatorin und Journalistin Caro Matzko mit Kabarettist Hannes Ringlstetter. Foto: Bayerischer Rundfunk/Markus Konvalin

Die neue Talk-Sendung „Ringlstetter“ ist nah an ihrem Gastgeber – und der weiß genau, wer zu Wort kommen soll.

 

Mit zwei Gästen, Musik seiner Band und der Moderatorin Carolin Matzko als Sidekick startet Hannes Ringlstetter im Bayerischen Fernsehen eine neue Late-Night-Sendung, die seinen Namen trägt. Jeden Donnerstag geht es darin 45 Minuten lang um die Themen der Woche, Politik und alles, was die Gesellschaft bewegt. Produzenten sind der österreichische Regisseur David Schalko („Braunschlag“, „Altes Geld“, „Aufschneider“) und John Lueftner von Superfilm München. In der ersten Sendung sind Sängerin Ina Müller und Schauspieler Christian Tramitz zu Gast.

AZ: Herr Ringlstetter, Ihre Talk-Sendung startet am 1. Dezember. Was erwartet die Zuschauer?
HANNES RINGLSTETTER: Es ist eine Personality-Show. Wir haben versucht, aus allem, was uns an Fernsehshows gefällt ein neues Format zu entwickeln, ohne dass man es als Blaupause sehen kann. Es soll einen eigenen Blickwinkel auf die Welt und Bayern haben, mit Gästen empathisch umgehen. Und die Elemente Musik, Talk, Humor und Weltsicht unter einen Hut kriegen. Das ist mein Anspruch. Das ist ein großer Anspruch. Vor allem soll es nicht weiter spalten. Sondern suchen, wo unsere Gemeinsamkeiten sind und wo eigentlich der Feind. Der Feind sind für mich die ganzen Wichtigmacher.

Wer sind denn diese Wichtigmacher?
In der Branche, in der wir uns bewegen, sind sie schon mal super daheim. Ich habe einfach ein Problem mit Leuten, die rausgehen vor Kameras und ständig behaupten, sie wissen wie’s läuft. Ich weiß nicht, ob die alle privat auch so sind. Ich nicht. Ich kenne mich einfach oft auch nicht aus. Also fange ich doch erst mal an zu recherchieren und dann bilde ich mir eine Meinung.

Schon. Aber wer sind die Leute, die das nicht tun?
Wenn ich zum Beispiel Unterhaltungsabende bei großen Konzernen spiele, stelle ich fest, dass wir mittlerweile eine ganz schön hohe Arschlochdichte beieinanderhaben. Von Leuten, die überhaupt keinen Anschluss mehr haben an eine Gesellschaft. Wir reden ständig über Parallelgesellschaften, aber eine der krassesten Parallelgesellschaften thematisieren wir gar nicht.

Und welche ist das?
Für mich sind es die Leute, die Politik deswegen machen, weil sie ein Egoproblem haben. Und nicht, weil sie gestalten wollen. Ein anderes Beispiel ist dieser Hype um irgendwelche Reality-Formate, in denen ja anerkannte Volltrottel mittlerweile Stars sind. Da denkt man sich: Brauchen wir entweder keine wirklichen Stars mehr, weil uns die reichen – oder haben wir eine neue Sozialpolitik erfunden, um Volltrottel übers Fernsehen und Internet durchzufüttern? Das wäre auch eine Idee. Aber dann muss man’s offen aussprechen. Darüber kann ich mich tierisch aufregen.

Damit wäre klar, wer nicht in die Sendung darf.
Die können trotzdem kommen. Ich würde mich nur gerne damit auseinandersetzen dürfen. Wenn man mir sagt, jetzt lad doch mal den Tim Wiese ein, dann würde ich ihn einladen. Weil mich das interessiert, wie man so schräg draufkommen kann.

Abgesehen davon: Wie wählen Sie die Gäste aus?
Am Anfang versuchen wir natürlich erst einmal Gäste zu haben, die man kennt und die ich kenne. Dann ist aber unser Ziel, immer einen echten A-Prominenten zu haben und einen zweiten Gast, der etwas Interessantes erzählt oder einen Bruch in der Biografie hat.

An wen denken Sie da?
Ich habe zum Beispiel über einen Mann aus England geredet, der schon als Tier gelebt hat. Er spricht die Sprache der Tiere und hat im Wald unter diesen Gruppen gelebt. Sowas finde ich interessant. Mein Ziel wäre, diese ganzen Laut-Sprecher, die es bei uns gibt, zu ignorieren, und die, denen keiner zuhört, zu heben.

Produzent David Schalko und Sie kennen sich schon seit 13 Jahren. Wie läuft die Zusammenarbeit?
Er ist ein guter Sparringspartner für konzeptionelles Denken. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber man stößt sich gedanklich an. Künstlerische Freunde ist eh immer schwierig, weil normalerweise Neid und Zwietracht herrschen. Wir haben aber vollen Respekt füreinander und eine gute Sprache zusammen. Und wir sind keine gedanklichen Chaoten.

Niederbayern und Österreich ist ja eh eine gute Kombi.
Wir stellen erstaunt fest, dass es gar nicht so ähnlich ist, wie man glaubt. Wir haben einen anderen Humor, ein anderes Timing. Das Wienerische in seiner Zerstörungslust und, wie immer gesagt wird, das Morbide, gibt es in Niederbayern genauso. Aber man sagt es anders. Und bleibt dabei ein bisschen humanistischer. Man ist total nah beieinander in der Sicht auf etwas, aber die Umsetzung ist unterschiedlich.

Und was dominiert dann in der Sendung?
Es geht nicht um Dominanz. Die Gedanken sind ja richtig. Ich bin natürlich anders in der sprachlichen Umsetzung, versuche aber den Gedanken von David und den anderen Autoren zu haben. Dabei trotzdem authentisch zu bleiben ist die eigentliche Herausforderung – wenn die Kamera angeht, muss halt jeder das Gefühl haben, dass ich das auch wirklich bin und nicht ein Sammelsurium der Gedanken von acht Menschen. Sonst wird’s unübersichtlich.

Welche Rolle hat Ihre Co-Moderatorin Caro Matzko?
Zum einen bildet sie die Welt aus der Sicht einer Frau ab, und nicht nur das Pseudo-Macho-Gedankengut von uns. Des Weiteren hat sie eine journalistische Ausbildung, was bei Recherchethemen hilft. Und ich glaube die Balance, dass man sich sehr gern hat, aber trotzdem frotzelt, wird uns gut gelingen. Was sich liebt, das neckt sich, soll’s schon auch sein.

Zum Pseudo-Macho-Gedankengut: Fehlt dieser Ausgleich denn in anderen Formaten?
Mir schon. Wir haben medial nach wie vor eine Männergesellschaft. Alles, was es an großer Unterhaltung gibt, macht halt ein Mann, wenn die Barbara Schöneberger grad keine Zeit hat. Das finde ich nicht zeitgemäß.

Bis Februar 2016 hatten Sie mit „Vereinsheim Schwabing“ ja schon eine Kleinkunstshow. Was wird anders?
Das Vereinsheim war ja in erster Linie eine Bühne für Künstler. Jetzt bin ich prominent vorne und muss natürlich so eine Show rocken, mit allem, was dazugehört: das Spielen mit den Elementen, der Band, meinem Sidekick, den Einspielern und zwei Gästen. Ich muss die ganze Klaviatur spielen.

Bekommt man also mehr von Hannes Ringlstetter zu sehen?
Natürlich. Das geht gar nicht anders. Wenn die Show so heißt wie du, musst du Farbe bekennen.

Die Show läuft ab Donnerstag wöchentlich um 22.30 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

 

2 Kommentare