Neue Studie Was Facebook mit unserem Gehirn macht

 Der „Gefällt mir“-Button bei Facebook belohnt Nutzer – wie gutes Essen, Geld und Sex. Für eine Studie schoben Wissenschaftler Probanten in die MRT-Röhre.

 

München - Die Facebook ruft bei Nutzern ähnliche Hirnaktivitäten hervor, wie gutes Essen oder Sex. Das haben Forscher der Freien Universität Berlin (FU) herausgefunden. Sie konnten nach Messungen der Gehirnaktivität voraussagen, ob jemand Facebook intensiv nutzt oder nicht. Doch nicht nur die Hirnforscher untersuchen, was Facebook mit uns macht. Wissenschaftler haben auch herausgefunden, dass das Netzwerk Neid und Frust beim Nutzer auslösen kann.

Bei der neuen TU-Studie stand besonders das Belohnungssystem des Gehirns im Fokus. Die Probanten kamen dazu in den Magnetresonanztomografen (MRT). Untersucht wurde besonders der „Nukleus accumbens“. Das ist die Region, die im Vorderhirn für die Verarbeitung von Belohnungen zuständig ist. Dort laufen Reize auf wie sie Geld, Sex, gutes Essen oder auch das eigene Ansehen hervorrufen.

Auf letzteres zielt der „Gefällt mir“-Button von Facebook. Wer ein Foto oder einen Spruch postet und dafür viele Klicks bekommt, fühlt sich bestätigt. Soziale Netzwerke spielen heute in Sachen Reputation für viele Menschen eine wichtige Rolle, sagen Wissenschaftler. „Man kann sich dort präsentieren und von der Öffentlichkeit auch bewerten lassen“, so Forscher Dar Meshi.

Die Ergebnissen aus dem Tomografen verblüffen: „Wir konnten durch die Art der Verarbeitung sozialer Anerkennung im linken Nucleus accumbens voraussagen, wie intensiv die Menschen Facebook nutzen“, sagt Meshi. Alles weitere sei aber Spekulation. Ob Facebook auch Strukturen im Gehirn verändern kann, dafür gebe es noch keine Belege. Im Scanner zeigte sich auch: Das virtuelle Lob für Freunde spielte keine Rolle. Aktiv wurde das Gehirn nur dann, wenn das eigene Ego gestreichelt wurde.

Facebook kann aber nicht nur für Lob und Anerkennung sorgen, sondern auch für dicken Frust. Das gilt hauptsächlich für User, die nicht aktiv sind und sich nur die Seiten anderer anschauen. Und das ist die Mehrheit: „Über zwei Drittel“, schätzt Helena Wenniger von der Uni Darmstadt. Sie hat mit Kollegen entdeckt, dass passive Nutzer oft Neid entwickeln. Weil sie dort Fotos aus dem Traumurlaub der Bekannten sehen. Oder bemerken, wie beliebt andere sind.

Das Problem dabei: „Über Facebook bekommt man diese Infos geballt – und das täglich. „Das hat bei im Schnitt 200 Freunden pro Nutzer ungeahnte Ausmaße“, so Wenninger zur AZ. Sie spricht deshalb von einer „Neidspirale“. Depressionen und negative Emotionen können die Folge sein. Doch auch deprimierte Menschen könnten von Facebook profitieren. Wenn sie sich beispielsweise selbst zum Joggen aufraffen, weil gerade ein Bekannter seine Bestzeit gepostet hat.

 

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