Neue Studie Münchner Umland droht Wohnungsmangel

Es wird zu wenig gebaut: Immobilien werden deshalb in der Boom-Region München immer teurer. Foto: dpa

Eine neue Studie zeigt: Auch in den Kreisen rund um München wird zu wenig gebaut. Noch geht’s, aber: Die Miet- und Kaufpreise steigen

 

München - Die Deutschlandkarte ist ein blauer Fleckerlteppich. Das Blau bedeutet Bevölkerungsschwund – vor allem im Norden und Osten. Tief im Süden sticht eine große rote Region hervor. Rot, das ist Bevölkerungswachstum. Und auf der Karte der Immobilienexpertin Heike Piasecki ist das die Region rund um München.

„Die Region wächst“, sagt Christian Breu vom Regionalen Planungsverband München, „und zwar wächst das Umland von ganz alleine“.

In München wohnen heute schon mehr als 1,4 Millionen Menschen. Im Umland sind es 1,3 Millionen. Bis zum Jahre 2030 wird das Umland nach den Prognosen von heute auf 1,45 Millionen Einwohner angewachsen sein.

Der Raum München ist für Firmen und für Fachkräfte eine harte Währung: Sie brauchen und suchen sich gegenseitig.

Dass so ein Wachstum auch Schattenseiten hat, lässt sich in München mit steigenden Preisen und den größer werdenden Engpässen auf dem Wohnungsmarkt längst beobachten.

Probleme, die nicht an der Stadtgrenze Halt machen. Auch im Umland müsste mehr gebaut werden, wenn die Gemeinden einen Wohnungsmangel verhindern wollen.

Eine aktuelle Studie der Marktforscher von Bulwien Gesa zeigt die Dimensionen: Im Landkreis München werden heute 1720 Wohnungen im Jahr gebaut. Bis 2020 müssen es aber 2400 im Jahr werden. Danach bis zum Jahre 2030 noch 1600.

Im Flughafen-Landkreis Freising werden heute 910 Wohnungen im Jahr gebaut. Bis zum Jahre 2020 müssten es aber jährlich 1000 sein.

Ähnlich die Situation in Ebersberg.

Bis 2020 fehlen in München rund 3300 Wohnungen

Noch düsterer sieht es in München selbst aus. Gebraucht werden bis zum Jahre 2020 jährlich 8800 Wohnungen – fertig werden im Moment aber nur rund 5500.

Anders das Bild in Dachau, Erding und Landsberg. Dort wurden in den letzten Jahren etwas mehr Wohnungen gebaut, als in Zukunft nachgefragt werden.

„Ja, es gibt Probleme, aber keine Wohnungsnot“, heißt es aus dem Landratsamt Ebersberg. Die Preise für Immobilien steigen, vor allem an den begehrten S-Bahn-Lagen. Dort kostet die Miete in einem Neubau mittlerweile auch schon bis zu 12 Euro je Quadratmeter. Der Kaufpreis liegt bei 3500 Euro je Quadratmeter.

Außer in Landsberg und in Erding gehen die Prognosen von deutlich steigenden Mieten und Kaufpreisen aus.

Exportiert München seine Probleme ins Umland? Alois Meusel, zuständig für die Wirtschaftsentwicklung im Kreis Ebersberg, plädiert dafür, nicht schwarz-weiß zu sehen: „München kann nicht wachsen ohne das Umland, und das Umland nicht ohne München.“ Sie bräuchten sich gegenseitig.

Ähnlich sieht das auch Münchens Stadtbaurätin Elisabeth Merk: „Es reicht nicht mehr, nur in München Maßnahmen gegen Wohnungsmangel zu ergreifen. Ohne das Umland geht es nicht.“ Überall müsse mehr gebaut werden. Alle müssten gemeinsam planen.

Der Landrat von Fürstenfeldbruck, Thomas Karmasin, warnt: Das Umland zuzubauen sei für sich allein keine Lösung: „Wir sind kein weiterer Speckgürtel von München.“ Wenn die Stadt schon am Rand des Umlandes wachse, wie in Freiham, dann müsse man sich auch um die Folgen kümmern. Es könne nicht sein, dass München dann auf Schulen seiner Nachbargemeinden zurückgreife.

Ein Blick auf die Karte genügt: Manche Regionen würden München um diese Probleme beneiden.

 

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