Neue Straßennamen Eine Ingenieurin und Bayerns erste Fliegerin

Die Ingenieurin Ilse Essers im Jahr 1941. Nach ihr wird jetzt im Münchner Norden eine Straße benannt. Foto: Wikipedia/Familie Essers, Peter F. Selinger

Zwei neue Straßen auf dem ehemaligen Knorr-Bremse-Gelände werden nach einer Naturwissenschaftlerin und einer Fliegerin benannt. 

Milbertshofen-Am Hart - Auf dem ehemaligen Areal der Knorr-Bremse-AG im Münchner Norden werden zwei neu entstehende Straßen nach Ilse Essers und Christl Marie-Schultes benannt. Das hat der Kommunalausschuss des Stadtrats am Donnerstag einstimmig beschlossen.

Mit dem vor Ort vorhandenen Straßennamen „Am Oberwiesenfeld“ wird an den ersten Münchner Verkehrsflughafen erinnert, der von 1925 bis 1939 in Betrieb war. In dem Bestreben, bei der Straßenbenennung einerseits thematische Zusammenhänge zu schaffen und zudem verstärkt Frauen zu berücksichtigen, schlug das städtische Vermessungsamt daher mit Ilse Essers und Christl Marie Schultes zwei weibliche Persönlichkeiten vor, die eng mit der Luftfahrt verbunden sind.

Die Ilse-Essers-Straße verläuft im 11. Stadtbezirk Milbertshofen – Am Hart nördlich der Moosacher Straße von der Lerchenauer Straße inwestliche Richtung zur Straße „Am Oberwiesenfeld.“

Beim Christl-Marie-Schultes- Weg handelt es sich um einen kombinierten Geh- und Radweg im 24. Stadtbezirk Feldmoching – Hasenbergl, der von der Straße „Am Oberwiesenfeld“ in nördliche Richtung zur Wilhelm-Reichard-Straße verläuft.

Die Naturwissenschaftlerin Ilse Essers, wurde am 24. September 1898 in München geboren und starb am 14. Februar 1994 in Aachen. Sie studierte an der TH München Technische Physik und wechselte nach dem Vordiplom nach Aachen, in das Fach Maschinenbau. Seit 1926 arbeitete sie bei der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Berlin. Dort entwickelte sie den „Massenausgleich an Flügelklappen und -rudern“ gegen gefährliche Flügelschwingungen. 1929 promovierte sie als erste Frau an der Fakultät Maschinenwesen der TH Berlin. Nach ihrer Heirat und der Geburt von vier Kindern widmete sie sich weiterhin der Lösung verschiedener technischer Probleme und schrieb außerdem mehrere Biografien über bedeutende Flieger und Erfinder.

Die Fliegerin Christl-Marie-Schultes, wurde am 6. November 1904 in Waldmünchen geboren und starb am 9. März 1976 in München. Sie interessierte sich von Kindesbeinen an für Maschinen und träumte davon, selbst zu fliegen. 1928 ging sie nach Berlin, nahm dort Flugstunden und kaufte 1929 ihr erstes Flugzeug. Im Mai 1931 stürzte sie zu Beginn eines geplanten Fluges um die Welt bei Passau ab und verlor dabei ihr linkes Bein. Ab 1934 geriet Christl-Marie Schultes durch ihre Gesinnung in den Fokus der NSDAP. Sie emigrierte deshalb 1934 in die Schweiz, ab 1936 hielt sie sich in Spanien, Portugal und Frankreich auf. 1941 wurde sie in Frankreich wegen ihres Engagements für Verfolgte interniert und ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert. Der überraschenden Freilassung folgte 1944 die erneute Festnahme, diesmal wegen „wehrkraftzersetzender Äußerungen“. Einer Hinrichtung in München-Stadelheim entging sie nur durch den Einmarsch der Amerikaner am 1. Mai 1945. Nach dem Krieg engagierte sie sich weiterhin humanitär.

 

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