Neue Skisprung-Hoffnung Andreas Wellinger: Unbekanntes Flugobjekt

Andreas Wellinger. Foto: AZ Sportredaktion

Der deutsche Springer Andreas Wellinger ist die Überraschung der Saison. „Seine Stärke ist das Unverbrauchte”, sagt der Bundestrainer.

 

Sotschi/Leipzig Andreas – wer? Ungläubig staunten Skisprung-Experten, als am 24. November Andreas Wellinger nach dem ersten Durchgang in Lillehammer in Führung lag. Eiligst wurden Mannschaftsbücher gewälzt – vergeblich. Das Internet konnte auch nur wenig Informationen über den 17-Jährigen ausspucken. Nur einer grinste genüsslich in sich hinein: Bundestrainer Werner Schuster. Dem österreichischen Coach war Wellinger im Sommer bei einem Trainingslehrgang aufgefallen.

„Andi ist ein hochinteressanter Mann. Er hat mich mit seinen Qualitäten überzeugt. Seine Stärke ist das Unverbrauchte”, beschreibt Schuster sein neues Juwel, das bei drei Einzelstarts in diesem Winter zweimal Fünfter wurde und einen 17. Platz holte. Für das Springen in Sotschi am Wochenende gehört er deshalb zum Kreis der zehn Vorqualifizierten.

Mit sieben Jahren begann Wellinger in Ruhpolding mit der Nordischen Kombination. Acht Jahre quälte sich der begeisterte Springer in der Loipe, dann hatte er genug von der Rennerei. „Ich war einfach nicht motiviert für das Laufen, das machte mir keinen Spaß. Aber das Springen war toll”, erzählt der Schüler des Skigymnasiums Berchtesgaden. Also wechselte er im Februar 2011 ins Lager der Spezialspringer.

Podestplätze und Siege im Deutschland- und Alpencup verhalfen dem jungen Mann aus Weißbach ins Aufgebot für die Olympischen Jugendspiele in diesem Jahr in Innsbruck. Dem vierten Platz im Einzel ließ er den Sieg im Mannschaftsspringen folgen. Dann kam der Sommer und mit ihm der steile Aufstieg ins deutsche A-Team.

„Das ist was völlig Anderes als in den Nachwuchsklassen. Zwar schaut jeder auf sich, aber doch herrscht ein tolles Klima. Ich bin jedenfalls nicht derjenige, der für die Etablierten die Skisäcke tragen muss.” Wellinger ist zu bescheiden, um sich schon jetzt als Star zu fühlen. Er nimmt mit, was sich ihm bietet. „Es wäre schön, wenn ich noch eine Weile im Weltcup mitspringen könnte”, sagt er.

 

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