Neue Siemens-Zentrale Nackte Ziegel: Das halbfertige Palais

Bis neue Decken eingezogen sind, werden die Mauern gestützt: Thomas Braun von Siemens auf der Baustelle, die man so nur schwer als das Innere des Palais Ludwig Ferdinand erkennt. Foto: Daniel von Loeper
 

Siemens baut sich eine neue Zentrale. 2016 ist der edle Bau fertig. Die AZ war auf der Baustelle

Maxvorstadt - Sie haben Leo von Klenze umgeben, genauso wie die Prinzen Alfons und Ludwig Ferdinand von Bayern. Sie haben Bomben getrotzt, sich von einer Gräfin namens Finy die Würde zurückgeben und sich vom Adel an einen Konzern vermieten lassen. Jetzt streichelt Thomas Braun über die 188-jährigen Ziegelsteine, als könne man an ihnen die Geschichte spüren.

Es sind ja auch ein bisschen seine Ziegel. Zwar ist Thomas Braun kein Wittelsbacher, aber er ist Projektleiter der Siemens Hauptzentrale, die seit etwa einem Jahr umgebaut wird.

Zwischen Oskar-von-Miller-Ring und dem Wittelsbacherplatz entsteht eine Immobilie, die der Manager einen „lichten, luftigen, lebendigen Innenstadt-Campus“ nennt. Die neue Konzernzentrale für rund 1200 Mitarbeiter soll Anfang 2016 fertig sein, der Neubau kostet einen dreistelligen Millionenbetrag. Vor rund vier Jahren hat Siemens seine Baupläne kundgetan, es gab einen Architektenwettbewerb, im Jahr 2011 stand dann der Siegerentwurf fest: Ein moderner, glasiger Gebäudekomplex, der sich an die historischen Bauten anschmiegt, ohne sie aufzufressen.

Denn der Konzernsitz hat eine architektonisch sehr sensible Stelle: das Palais Ludwig Ferdinand am Wittelsbacher Platz. Der klassizistische Bau, den Leo von Klenze 1825/26 errichten ließ und danach bewohnte, ist ein Schmuckstück der historischen Maxvorstadt, des hellenischen Traums König Ludwig I.

Knapp 200 Jahre späte soll es der Traum eines Konzernsitzes für Siemens werden. Ausgeschaut hat es bisher schon so, das Palais hatte seit 2008 eine frisch sanierte Fassade, am Wittelsbacher Platz konnte man wichtige Gäste mit großen schwarzen Wagen vorfahren lassen und einen roten Teppich bis in den edlen Eingangsbereich mit Marmorwänden rollen. Das war schon nett.

Aber unterm Putz sah es an vielen Teilen des Gebäudes nicht so prächtig aus. Das Palais war im Zweiten Weltkrieg aus der Luft bombardiert worden. Die Bomben rissen das Dach, Mauern und Decken ein. In den 1950er-Jahren wurde das Palais wieder aufgebaut, allerdings mit den damaligen Mitteln. Verbaut wurden zum Beispiel Decken aus eher schmächtigen Stahlbetonrippen oder Holzbrettern. Die werden nun zum größten Teil ausgetauscht oder verstärkt. An vielen Stellen im Gebäude sieht man sie jetzt noch, etwa in dem Büro, in dem früher die Siemens-Vorstände saßen. Die werden nicht hierher zurückkehren, sondern künftig im modernen Teil der Zentrale arbeiten.

Das Palais Ludwig Ferdinand wird für Veranstaltungen und Besprechungen dienen sowie temporäre Arbeitsplätze für Siemens-Mitarbeiter auf Besuch in München bieten, sagt Thomas Braun. In die alten Kellergewölbe sollen „Sozialräume“. Etwa ein Weinkeller? „Eher nicht, aber sicher was Schönes“, sagt der 49-Jährige und lacht.

Dass bei der Renovierung behutsam gearbeitet wird, ist klar. Schließlich steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Künftig wird das Palais als Denkmal um eine Schicht reicher sein: Der moderne Glanz gesellt sich zum Nachkriegs-Flickwerk und der historischen Substanz.

Das Palais und der moderne Gebäudekomplex dahinter sollen dann nicht nur die repräsentative Machtzentrale des Weltkonzerns sein, sondern auch ein „offenes Stadtquartier“. Thomas Braun sagt: „Wir hoffen, dass die Münchner bei uns vorbeischauen, wenn die neue Zentrale fertig ist.“ Die untere Etage und die Höfe des Neubaus seien offen für alle. Erst darüber beginne dann der Sicherheitsbereich.

 

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