Neue Regelungen Immer enger für Autos: Radler auf die Straße!

Lichtet für Radler den Schilderwald: KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle. Foto: Gregor Feindt

Radler dürfen eigentlich genauso auf der Straße fahren wie Autofahrer. Es wissen nur die Wenigsten. Mit neuen Schildern will die Stadt das ändern: Die Pflicht für Radfahrer, den Radlweg zu benutzen, wird damit aufgehoben

 

MÜNCHEN Donnerstag, 11 Uhr. Noch gebietet an der Ecke Lindwurmstraße/ Goethestraße das blaue Schild mit dem weißen Fahrrad drauf allen Radlern, den Radweg zu benutzen. Und nicht auf der Straße zu fahren. Dann zieht es KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle mit einer zackigen Bewegung weg, und – Tataa! – ein neues Schild kommt zum Vorschein. Es besagt: Radler müssen hier nicht mehr den Radweg benutzen. Sie haben jetzt die Wahl und dürfen auch auf der Straße strampeln.

„Für viele ist die Grundregel des Straßenverkehrs verblüffend: Die Straße ist für alle da“, sagt Blume-Beyerle, und erläutert, dass es eigentlich die Ausnahme sei, wenn Radler auf den Radweg verwiesen würden. Ist dem so, signalisiert das eines der drei blauen Schilder „Sonderweg Radfahrer“, „Gemeinsamer Fuß- und Radweg“ oder „Getrennter Fuß- und Radweg“. Auf der Straße ist es dann zu gefährlich für Radler.

Kein Schild bedeutet also: Die Radler dürfen sich die Straße mit den Autofahrern teilen. „Doch das ist nicht drin in den Köpfen der Verkehrsteilnehmer.“

Das soll sich ändern. Im Sommer 2010 hat das KVR angefangen, alle Münchner Radwege auf ihre Verkehrssicherheit zu prüfen. Und hat festgestellt: Viele Schilder, die das Fahren auf dem Radweg gebieten, können weg.

In insgesamt 54 Straßen wurde die Radwegbenutzungspflicht deshalb aufgehoben, rund 370 benutzungspflichtige Radwegabschnitte werden noch geprüft. Doch im Unterschied zur Ecke Lindwurmstraße/ Goethestraße wird nicht überall, wo die Benutzungspflicht aufgehoben wurde oder wird, künftig das neue Infoschild stehen – die Stadt hat nur 15 von ihnen bestellt. „Wenn sich an einem Ort die veränderte Verkehrssituation eingeprägt hat, wird das Schild woanders aufgestellt“, so Blume-Beyerle.

In Köln habe man mit den Schildern gute Erfahrungen gemacht: „Die Autofahrer wissen: Die Radler dürfen das, auf der Straße fahren“. Streitigkeiten nähmen ab. Wo kein Infoschild aufgestellt wird, werden einfach die alten blauen Verkehrsschilder mit dem weißen Fahrrad entfernt.

Demnächst stellt die Stadt neun weitere Schilder auf:

  • Pelkovenstraße (Nordseite westlich Hanauer Straße, Südseite östlich Feldmochinger Straße)
  • Luisenstraße (Ostseite nördlich Sophienstraße, Westseite südlich Brienner Straße)
  • Goethestraße (Ostseite nördlich Lindwurmstraße, Westseite südlich Bayerstraße)
  • Ottobrunner Straße (Ostseite nördlich Schmidtbauerstraße, Westseite südlich Innsbrucker Ring)
  • Domagkstraße (Nordseite westlich Ungererstraße)

Mit dem Aufheben der Radweg-Benutzungspflicht reagiert die Stadt auf die Tatsache, dass Radler laut Unfallstatistik auf der Straße häufig am sichersten fahren. Zudem wird ihrem wachsenden Anteil am Verkehrsaufkommen gerecht.

Dieser ist in der selbst ernannten „Radlhauptstadt“ durchaus gewünscht: In München wurden bereits 2011 fast 18 Prozent aller zurückgelegten Wege mit dem Rad gefahren – zwei Prozent mehr, als Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in seinem „Nationalen Radverkehrsplan 2020“ im September als Zielvorgabe für den städtischen Radverkehr ausgegeben hat.

 

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