Neue Ökotest-Untersuchung Obstsalat to go: Mehr Keimschleuder als Vitaminbombe

Sieht hübsch aus, ist aber nicht unbedingt ein Geschmackserlebnis: Obst im Becher. Foto: dpa

Die Tester der Zeitschrift Ökotest finden in den Mitnehmbechern Schimmelpilze und nur wenige Vitamine.

 

München - Ein Ananas-Speitel, ein Stückchen Melone, Banane und vielleicht noch etwas Kiwi, ganz praktisch, handlich verpackt in einem Plastikbecher. Gesunde Ernährung soll handlich sein. „To go“ eben, zum Mitnehmen. Deshalb findet man die mit buntem Obst befüllten Becher heute in Supermärkten, Cafés oder beim Bäcker um die Ecke. Doch Ökotest warnt: Die praktischen Vitaminbomben sind oft reine Keimschleudern.

Zwölf Obstsalate zum Mitnehmen hat Ökotest im Labor und von ausgebildeten Sensorikern testen lassen. Untersucht wurden jeweils drei Chargen des Produkts. Das ernüchternde Ergebnis: Wer sie kauft, bezahlt mehr, bekommt aber weniger Vitamine und Frische. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.

Wie schnitten die Salate im Test ab?

Das Ergebnis war durchwachsen. Produkte von Rewe und Real bekamen ein „sehr gut“, Le Crobag hingegen ist lediglich „ausreichend“, der Obstsalat von Coffee Fellows und der Feigensalat von Kaiser’s sind sogar „ungenügend“.

Wie frisch ist gekaufter Obstsalat?

Nicht so frisch wie selbst gemachter. Sobald Obst angeschnitten wird, wird es anfällig für Keime. Waschen, Schnippeln, Verpacken, das sind alles Schritte, bei denen in das Obst Keime geraten können. Steht der Salat ein paar Tage, vermehren sich die Bakterien.

Welche Keime fand Ökotest?

Nur einer der untersuchten Obstsalate (Fresh for you von Real) überschritt in keiner der untersuchten Chargen die Richtwerte der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie für Hefen, Schimmelpilze und Enterobakterien, die Darmkrankheiten auslösen können. Einige getesteten Salate von Coffee Fellows und der Feigensalat von Kaiser’s wiesen eine erhöhte Belastung mit Enterobakterien und Hefen auf. Im Obstsalat von Le Crobag fanden die Tester bei allen drei Tests erhöhte Schimmelpilzwerte. Salmonellen oder andere Keime fanden die Tester nicht.

 

Wie viel Pestizide sind in den Salaten?

Hier hätten die Tester mit schlimmeren Werten gerechnet. In zehn der zwölf Salaten wurden Spuren gefunden. Jedoch nur in den Salaten von Mc Conell’s, Yorma’s und Edeka mehr als fünf Spuren, was negativ in das Endergebnis einfloss.

Wie gut schmecken die getesteten Obstsalate?

Zwei der getesteten Salate fanden die Tester schon bei der reinen Betrachtung und einem Geruchstest so abstoßend, dass sie sie gar nicht probieren wollten. Die Sensoriker stellten beim Salat von Coffee Fellows bei einer Charge einen alkoholischen, gärigen und verdorbenen Geruch fest. Eine weitere Charge testeten die Sensoriker auf den Geschmack. Die Melone und Ananas waren wässrig und fad. Ähnlich vernichtend das Urteil bei Kaiser’s Feigensalat: Zwei der drei Chargen wurden nicht geprüft, weil die Feige verdorben war und der Salat säuerlich roch.

Wie vitaminreich sind die Salate?

Gemessen wurde der Vitamin- C-Gehalt. Mit 8 Milligramm pro 100 Gramm war der Salat von Fruit King am Vitamin-C-ärmsten, derjenige von Hit mit 32,5 mg der vitaminreichste. Die Werte lagen laut Test jedoch unter dem, was man bei einem frischen Salat erwarten kann.

Wie hoch ist der Aufpreis?

Ökotest hat nachgeschnippelt und kam für eine 250-Gramm-Portion eines Salats mit Melone, Banane, Apfel und Trauben auf 95 Cent – weniger als die Hälfte dessen, was die meisten Kaufsalate kosten.

Was sagen die Hersteller?

Coffee Fellows hat den Salat vorerst aus dem Sortiment genommen, Le Crobag hat beim Salathersteller Nachbesserungen eingefordert. Der Hersteller von Kaiser’s Feigensalat sieht die Schuld jedoch nicht bei sich, sondern beim Transport.

Alle Ergebnisse im Detail finden Sie im März-Heft von Ökotest.

 

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