Neue Details zu den Verdächtigen Polizei-Einsatz in Trudering: So kam es zu den Schüssen

Der Polizei-Einsatz in Trudering - zahlreiche Beamte sind bei der Großfahndung im Einsatz. Foto: Thomas Gaulke

Nach den Schüssen in Trudering, abgefeuert durch die Polizei, und der Großfahndung vom Mittwoch geben die Beamten jetzt neue Details zu den Verdächtigen bekannt - und wie es zu dem Einsatz kam.

 

München-Trudering - Kleine gelbe Zahlenschilder auf dem Asphalt zeugen auch Stunden später noch von den dramatischen Minuten mitten in Trudering. Die Schildchen der Spurensicherung markieren auch drei Patronenhülsen, die zwischen unzähligen Glassplittern auf der Straße liegen.

Der Bereich ist abgesperrt mit rot-weißem Flatterband, Autos und Linienbusse müssen den Tatort weiträumig umfahren. Nur wenige Meter von den Projektilen entfernt haben Mitarbeiter des Juweliergeschäfts Baier einen Zettel an die Tür gehängt. Darauf steht in Handschrift: "Aufgrund aktueller Ereignisse ist unser Geschäft am Mittwochnachmittag geschlossen."

München-Trudering - Polizist schießt auf Fluchtauto

Es war gegen 12.30 Uhr, als ein Polizeibeamter in Zivilkleidung hier auf offener Straße auf ein fahrendes Auto geschossen hat. Darin saß offenbar der Komplize eines mutmaßlichen Betrügers. Wenige Minuten zuvor soll einer der Männer versucht haben, dem Juwelier wertloses Metall als Altgold anzudrehen und dafür den aktuellen Goldpreis zu kassieren - ein klassischer Betrugsversuch, wie er häufiger vorkommt.

Schüsse in Trudering - neue Details zu den Verdächtigen

Am Donnerstag gab die Münchner Polizei zu den Verdächtigen sowie zu dem Betrugsversuch, der den Schüssen auf das Fluchtauto vorausging, neue Details bekannt: Demnach waren es zunächst "drei Täter", die dem besagten Juwelier in Trudering seit dem 19. März in bislang sechs bekannten Fällen "angebliches Zahlgold zum Verkauf" boten, heißt es in der Mitteilung der Polizei. Der Juwelier habe das Zahngold geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass es sich um echtes Zahngold handelte. Er kaufte deshalb die angebotene Ware und zahlte insgesamt etwa 10.000 Euro an die Täter. "Nachdem der Juwelier von der Firma, die das Gold einschmelzt, die Rückmeldung erhalten hatte, dass es sich nicht um Zahngold, sondern um wertloses Material handelte und sich die Täter erneut angekündigt hatten, verständigte er die Polizei", schildern die Beamten weiter, was im Vorfeld passiert ist.

Was danach passierte - und wie es zu den Schüssen durch den Polizisten auf das Fluchtauto gekommt ist, schildert die Polizei in ihrer Mitteilung am Donnerstag so: "Zivile Polizeibeamte überwachten deshalb den angekündigten Termin. Dabei hielt sich ein Beamter im Geschäft und der zweite Beamte außerhalb der Geschäftsräume auf."

Und weiter: "Nachdem ein Tatverdächtiger (ein 25-jähriger deutscher Staatsbürger mit Wohnsitz im Landkreis Eichstätt) das Juweliergeschäft am 27.03.2019, gegen 12.30 Uhr, betreten hatte, wurde er dort vorläufig festgenommen. Der zweite Beamte, der sich außerhalb des Geschäfts aufhielt, wollte einen zweiten Tatverdächtigen, der in einem BMW Pkw in der Nähe des Geschäfts geblieben war, kontrollieren. Der Tatverdächtige wollte sich mit dem Pkw entfernen und der Beamte gab daraufhin drei Schüsse auf das Fahrzeug ab, um die Flucht zu unterbinden."

Der Tatverdächtige habe trotzdem mit dem Pkw flüchten können, der am Mittwoch gegen 14.00 Uhr in Tatortnähe leer aufgefunden wurde. "Mit einem starken Kräfteansatz wurde nach dem Flüchtigen gefahndet. Die gezielte Fahndung wurde gegen 19.00 Uhr erfolglos beendet."

Dass Polizisten in solch einem Fall auf einen Verdächtigen oder deren Fluchtauto schießen, dürfte in München in den vergangenen Jahrzehnten noch nicht vorgekommen sein.
 

Polizeieinsatz in Trudering - Anwohner hörten die Schüsse

Anwohner, Passanten und Zeugen in Trudering hörten am Mittwoch, dass es draußen mehrmals knallte. "Ich dachte zuerst, dass da ein kaputter Auspuff kracht", berichtete eine Mitarbeiterin der Hypobank gegenüber.

Auch eine Angestellte aus dem Geschäft "Inneneinrichtung Kraft" nebenan dachte zunächst nicht an Schüsse. "Sie dachte, das wären Böller", berichtet ihre Chefin Gabriele Kraft der AZ. "Meine Mitarbeiterin sah, wie der eine Mann wegfuhr, der andere lief weg." Erst, als die Mitarbeiterin sah, dass der Mann seine Pistole wieder ins Holster steckte, wurde ihr klar, dass Schüsse gefallen waren.

Die Kugeln hatten mindestens eine Scheibe des Fluchtfahrzeugs zertrümmert. Ob der Fahrer verletzt worden war, blieb zunächst unklar.
 

Mit einem waghalsigen Wendemanöver flüchtete der Mann. Laut Augenzeugen fuhr er mit quietschenden Reifen in Richtung Innenstadt davon. Der BMW wurde später unweit des Tatorts gefunden. Der Fahrer konnte bislang nicht gefasst werden.

 


 

Während der Fahndung stoppte die Polizei in der Hultschiner Straße auch einen Linienbus und kontrollierte, ob sich der Verdächtige unter die Fahrgäste gemischt hatte. Doch die Suche verlief erfolglos.

Der andere Mann, der Goldbetrüger, war zu Fuß geflüchtet. Er konnte unweit des Tatorts gefasst werden.

"Über die Haftfrage bei dem 25-Jährigen wird im Laufe des Tages entschieden", teilten die Beamten am Donnerstag. "Die Ermittlungen wegen des Verdachts eines Verbrechenstatbestandes (gewerbsmäßiger Bandenbetrug) werden vom Kommissariat 65 (Trickdiebstahl) geführt und die Überprüfungen des Schusswaffengebrauchs wurden vom Kommissariat 11 übernommen."

 

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