Neue CD und Tournee: "Weltenbrand" Konstantin Wecker wird symphonisch

Konstantin Wecker lässig, aber ernsthaft engagiert und ein großer Musiker. Foto: dpa

Die neue Doppel-CD „Weltenbrand“ von Konstantin Wecker, der mit der Bayerischen Philharmonie nun im Gasteig spielt

 

Wer Konstantin Wecker einmal im Konzert erlebt hat, weiß, dass er das Publikum geradezu braucht – und das Publikum ihn: Es schwärmt mit ihm, lacht, empört sich, und wird so für einen Abend zu einer verschworenen Gemeinschaft. Da überrascht es im Rückblick, dass der Münchner Liedermacher einst, vor bald 50 Jahren, mit einer ganzen Reihe von im Studio produzierten Alben an die Öffentlichkeit getreten ist: Debütiert hatte er mit schwarzhumorigen bis düsteren „Sadopoetischen Gesängen“, zu denen die sonnig-alberne Platte „Ich lebe immer am Strand“ dann einen Kontrast setzte.

Klassiker diesmal klassisch 

Erst Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre legte Wecker zwei Doppelplatten mit Live-Aufnahmen vor. Doch auch danach folgten immer wieder Studioproduktionen, die förmlich als Konzept-Alben angelegt waren, etwa die schlicht „Wecker“ genannte LP von 1982, die auf ihrem Cover den Poeten beim Komponieren am Flügel zeigte.

Die neue Veröffentlichung „Weltenbrand“ versammelt auf zwei CDs nun wieder Mitschnitte von Konzerten, die im vergangenen Sommer in Baiersbronn, Linz und Tulln stattgefunden haben. Wenn gerade an ein halbes Jahrhundert Liedermachergeschichte erinnert wurde, dann einerseits deshalb, weil Wecker in seinem aktuellen Programm auch ältere Nummern singt, unter anderem die „Ballade vom Puff, das Freiheit heißt“ oder das geradezu hymnische Lied „Nur dafür lasst uns leben“, beide aus dem eben genannten alten Album „Wecker“.

Zum anderen aber dürften gerade solche Klassiker bei vielen Hörern nostalgische Erinnerungen hervorrufen: zum Beispiel an selbst aufgenommene Musikkassetten mit Lieblingsliedern, mit deren Inhalten man sich im Jugendalter noch distanzlos identifizieren konnte. Das ist bis heute das Wesen von Weckers Kunst, dass seine Songs handfeste moralische Botschaften transportieren, dies aber mit künstlerischem Anspruch.

Greta Thunberg wird jubeln Christian Lindner heulen 

Es frappiert, dass sein Anliegen, der Kampf gegen die Unmenschlichkeit, in den letzten Jahren unbestreitbar an Dringlichkeit gewonnen hat. Einen Song wie „Die Weiße Rose“ hört man nicht ohne Beklommenheit, weil Wecker eine einfache Botschaft so entwaffnend authentisch vermittelt, dass die Gefahr des Moralkitschs nicht nur vermieden wird, sondern nicht einmal denkbar scheint. Wecker wäre nicht er selbst, wenn er die aktuellen Bezüge, zumal in den Zwischentexten, nicht auch einmal übertreiben würde: wenn er in einer altbackenen Polemik die Umweltaktivistin Greta Thunberg vor dem Politiker Christian Lindner in Schutz nimmt.

Die Bayerische Philharmonie unter Mark Mast ist kammermusikalsich dabei 

Bereits Anfang der 90er Jahre hatte Wecker auch mit Orchesterbesetzungen experimentiert, die seinen an der klassischen Musik orientierten Gesängen gut anstanden: „Den Parolen keine Chance“ etwa beruht auf Beethovens Neunter, ohne, dass die Anleihen größer als Zitat wirken würden, im titelgebenden Stück „Weltenbrand“ finden sich passenderweise Anklänge an Gustav Mahlers apokalyptische Visionen aus dessen „Auferstehungs“-Symphonie.

Die Bayerische Philharmonie unter Mark Mast ist nicht allzu üppig besetzt, eher eine farbige kammermusikalische Unterstützung als luxuriöser Teppich. So steht Konstantin Wecker auf gebührende Weise im Mittelpunkt – und kann ungestört mit seinem Publikum spielen.     


CD: Konstantin Wecker: „Weltenbrand“, Bayerische Philharmonie, Mark Mast (Sturm & Klang)
„Weltenbrand“-Tour: Konstantin Wecker und das Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie, 29. und 30. Oktober, 20 Uhr, Philharmonie im Gasteig, Karten: Telefon 54 81 81 81 oder unter www.muenchenticket.de

 

 

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