Neue Ausstellung Essen wir bald Mammutfleisch?

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Michael Apel (r.) und Michael John Gorman mit Urzuchtfleisch, das monatelang gewachsen ist. Foto: Sigi Müller

Eine Ausstellung im Museum Mensch und Natur zeigt die Zukunft des Fleischs – und die ist ganz schön gaga.

 

München - Womöglich sind Mammuts ausgestorben, weil sie so gut schmeckten", scherzt Michael Apel, Leiter vom Museum Mensch und Natur. Apel steht neben einem Dodo, beziehungsweise einem Dodo, der paniert und frittiert zu Nuggets verarbeitet wurde.

Ausgestorbene Tiere wie den Dodo zu essen ist eine der gar nicht mal so verrückten Ideen, die im Museum Mensch zur Zukunft des Essens in der Ausstellung "Meat the future – What’s on your menu 2028?" präsentiert werden. Mit Gewebeuntersuchungen und genetischen Tests könnten Wissenschaftler das ausgetrocknete Exemplar eines Dodos wieder zum Leben erwecken und dann die Zellen in einem Bioreaktor mit Nährlösung zu Fleisch züchten.

Denn so, wie wir uns gerade ernähren, das verdeutlichen Schautafeln an der Wand, kann es mit dem raschen Bevölkerungswachstum nicht weitergehen – so viele Erden haben wir nicht. Deshalb braucht’s neue Ideen.

Fleisch ist Lebensmittel mit weitestreichenden Folgen

"Die Entscheidung, was wir essen, hat weitreichende, globale Folgen. Von allen Lebensmitteln ist Fleisch das mit den weitestreichenden Folgen", sagt Michael John Gorman, Gründungsdirektor von Biotopia, dem Museum Mensch und Natur 2.0. Deshalb zeigt die Ausstellung 30 Zuchtfleischgerichte – das erste wurde sogar schon produziert. Die Produktion des "Post Burgers" war 2013 eine Sensation, vor allem, da er etwa 250.000 Euro gekostet hat.

Mark Post war somit der erste Mensch, dem es gelungen ist, Fleisch ohne Tierleid zu züchten. Prominente Rezensenten urteilten: Es ist Fleisch, aber ein bisschen trocken. Wenn Zuchtfleisch – also Fleisch, bei dem das Tier nicht leiden muss, weil es gezüchtetes Fleisch ist – bezahlbar ist, wäre auch denkbar, Mega-Steaks zu züchten. Denn Zuchtfleisch befreit von den Formen des Körperbaus des Tieres.

Festival zum Thema Ernährung in München

Aber würden Sie einen Gaumenkitzler probieren? Fleisch, das sich bewegt, weil es mit Natrium versetzt ist, das die Spannung zwischen den Zellmembranen ändern und so das Muskelgewebe zusammenzieht?

Es könnte auch bald möglich sein, Austern zu züchten oder Kaviar. "Was eine weiche Struktur hat, ist leichter herzustellen", sagt Apel. Für die Ausstellung hat das Museum mit Ingenieuren, Designern und Köchen zusammengearbeitet. Essen soll neu gedacht werden und manches ist mit einem Augenzwinkern zu sehen. Am Sonntag widmet sich ein Festival (Eintritt frei) dem Thema Ernährung.

Verstörend ist der Gedanke, eines Tages Menschenfleisch zu essen. Aber es reichen ein paar Stammzellen und schon können Sie Ihren Liebsten verspeisen – oder sich selbst.

Oder gibt es da diesen einen Promi, den Sie gerne mal vernaschen würden? Womöglich sind 2028 Selfies mit VIPs schon lange überholt, stattdessen essen wir Lady Gaga als köstlichen Leckerbissen mit einer einfachen Whisky-Glasur. Pfenningguad!


Schloss Nymphenburg, Di-Fr 9 bis 17 Uhr, Do bis 20 Uhr, Wochenende und Feiertag 10 bis 18 Uhr

Eat: Mitmach-Festival run um Ernährung

Hier können die Besucher ein Stück von der Zukunft probieren: Beim Festival "Eat – Wie schmeckt die Zukunft" am Sonntag von 10 bis 20 Uhr im Hubertussaal des Schloss Nymphenburg geht es um Ernährung, Gesundheit und Nachhaltigkeit. Der Eintritt ist frei, Besucher können zuhören oder selbst anpacken und natürlich probieren.

Einige Auszüge aus dem Programm für Groß und Klein, das den ganzen Tag in das Schloss Nymphenburg geboten ist:

  • Bienen in unseren Gärten – Nistkästen für (Wild-)Bienen bauen. Mitmachaktion mit Vanessa Engel und der #beebetter-Initiative, 10-18.30 Uhr im Orangeriehof.
  • Essen für alle oder alles für einen? Strategiespiel zur Nahrungssicherung in Krisenzeiten. Von 11 bis 16 Uhr (außer 13 Uhr) zur vollen Stunde im Orangeriehof.
  • Grüne Monster? Die Tricks der fleischfressenden Pflanzen. Von 10 bis 18.30 Uhr wird im Vorraum 1 mit Experten des Botanischen Gartens dazu geforscht.
  • Was essen Schwämme, die Staubsauger der Meere? Mit Experten vom Lehrstuhl für Paläontologie und Geobiologie wird dieser Frage von 10 bis 18.30 Uhr im Orangeriesaal nachgegangen.
  • Der Philosoph und Autor Richard David Precht spricht um 15.15 Uhr im Hubertussaal über sein Herzensthema: Tiere essen.
  • Was geht uns das Insektensterben an? Andreas Segerer von der Zoologischen Staatssammlung will diese Frage in seinem Vortrag um 11.15 Uhr im Vortragssaal vom Museum Mensch und Natur beantworten.
 

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