Neubiberg Frau erstochen: Mordprozess gegen Ex-Mesner

Neubiberg, 20. Februar 2012: Bestatter bringen die tote Simone R. aus der Kirchenwohnung zum Leichenwagen. Foto: Nina Job

Vor einem Jahr erstach Christian R. in Neubiberg seine Frau Simone († 35). Sie wollte sich scheiden lassen. Der Sohn (7) musste die Bluttat mit ansehen. Am Montag beginnt der Prozess

 

München/Neubiberg - Die Bluttat vor fast genau einem Jahr erschütterte ganz Neubiberg im Landkreis München: Der Mesner Christian R. stach in einer Kirchenwohnung über 20 Mal mit einem Küchenmesser auf seine Frau ein. Die 35-jährige Kindergärtnerin versuchte noch zu fliehen, doch sie schaffte es nicht einmal bis zur Haustür. Zwischen Küche und Flur, vor den Augen des gemeinsamen, sieben Jahre alten Sohnes Niclas, verblutete sie. Nachdem ihr Ehemann von ihr abgelassen hatte, ging der Bub zu seiner sterbenden Mutter. Wenig später kam auch noch sein kleiner Bruder Pascal (damals 3) dazu.

Das blutige Ehedrama erschütterte den Pfarrer, die Mitglieder der Kirchengemeinde, Nachbarn, behandelnde Ärzte sowie Gemeindepolitiker umso mehr, als viele von den massiven Problemen und der zerrütteten Ehe gewusst hatten. Der Mesner war bei einem Psychiater in Behandlung, nahm Medikamente wegen Depressionen. Die Trennung von seiner Frau hätte für ihn auch den Verlust seiner Arbeit bedeutet.

2001 waren Simone und Christian R. in die kleine Gemeinde gezogen, wo er die 39-Stunden-Stelle als Mesner und Hausmeister annahm.
Der Mann hatte ursprünglich Tischler gelernt, er galt als streng gläubiger Katholik. Christian R. kümmerte sich auch um den Garten des nur 100 Meter entfernt wohnenden Pfarrers.
Am 20. Februar 2012 hatte Christian R. seine Frau noch einmal um eine Aussprache gebeten. Sie fand im ersten Stock der Kirchenwohnung statt. Offenbar hatte er sich bereits zuvor ein Messer zurecht gelegt.

Als Christian R. seine Frau nicht davon abbringen konnte, sich von ihm zu trennen, drehte er durch. Er schubste die zierliche Frau die Treppe zum Erdgeschoss hinunter, holte sich das Messer und stach wie von Sinnen auf Simone R. ein.

Nach dem Mord rief der Mesner seinen Therapeuten und den Pfarrer an. Der Geistliche traf als Erster in dem Haus ein. Christian R. öffnete ihm mit dem blutigen Messer in der Hand die Tür. Der Pfarrer packte die beiden kleinen Buben und wartete vor dem Haus auf die wenig später eintreffende Polizei. Christian R. ließ sich von den Beamten widerstandslos festnehmen.

Heute beginnt vor dem Schwurgericht München I der Prozess gegen den 37-Jährigen. Für die Verhandlung wurden 15 Sitzungstage angesetzt. Als Zeugen sollen auch Erzieherinnen des städtischen Kinderheims angehört werden, in dem die Kinder des Mesners seit dem Mord an ihrer Mutter untergebracht sind. Christian R. sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen aus. Sie sieht es als erwiesen an, dass Christian R. aus Angst vor drohenden Unterhaltszahlungen seine Frau tötete. Außerdem soll er befürchtet haben, seine umfangreiche Video-Sammlung zu verlieren.

 

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