Neu im Online-Kino Der Film "Kopfplatzen" mit Max Riemelt

Max Riemelt als pädosexueller Architekt Markus in einer Szene des Films „Kopfplatzen“. Foto: Salzgeber/dpa

Leichten Herzens nähert sich kein Filmemacher dem Thema Pädophilie: Regisseur Savas Ceviz und Hauptdarsteller Max Riemelt liefern eine beeindruckende Innenschau

 

Was tun bei geschlossenen Kinos und angesichts der Gefahr, dass bei dem im Sommer zu erwartenden Filmstau ein „kleiner“ Film wohl schnell unter die Räder kommt? Die beste Möglichkeit: den geplanten Kinostart zum Digitalstart machen. So ist ab heute das emotional wuchtige Drama „Kopfplatzen“ für vier Wochen auf VoD erhältlich. Der neue „Salzgeber-Club“ – so der Name der Plattform des Filmverleihers – präsentiert in den folgenden Wochen jeden Donnerstag eine exklusive VoD-Premiere.

Der türkischstämmige Regisseur Savas Ceviz erzählt in seinem Spielfilmdebüt vom Innenleben eines Mannes, der zerrissen ist: zwischen seiner pädophilen Neigung und seiner moralischen Verantwortung. Markus arbeitet als arrivierter Architekt, ist beliebt und anerkannt. Dass er ein verstörendes Geheimnis verbirgt, ahnt niemand: Kleine Jungen ziehen ihn sexuell an. Er versucht, seinen Trieb zu unterdrücken, boxt wütend bis zur Erschöpfung, powert sich im Fitnessstudio aus. Wenn er im Schwimmbad Minderjährige beobachtet oder aus dem Fenster Fotos schießt, schämt er sich, was ihn aber nicht hindert, sich anschließend beim Anblick der Bilder selbst zu befriedigen.

Aus der Perspektive des Täters

Als die alleinerziehende Jessica (Isabell Gerschke) mit ihrem achtjährigen Sohn Arthur in die Nachbarwohnung zieht, spitzt sich die Situation zu. Die junge Mutter verliebt sich in den 29-Jährigen, der scheinbar ihre Gefühle erwidert. Arthur sieht ihn als Ersatzpapa, wenn sie zusammen Fahrradtouren unternehmen, Drachen steigen lassen oder Schach spielen. Während die Frau von einer heilen Familie träumt, wird Markus von Angst überrollt, wendet er alle Kraft auf, sich zu kontrollieren, platzt ihm der Kopf. Die Geschichte entwickelt sich aus der Perspektive des potenziellen Täters, der seine sexuellen Bedürfnisse kontrollieren will, zwischen Selbsthass und stummer Verzweiflung lebt.

Sensibel und bewegend verkörpert Max Riemelt diese in Trauer verlorene Figur, die vor der Tat zurückschreckt und nicht weiß, wie lange er sich noch beherrschen kann. Durch seine sympathische Art schlägt er eine Brücke zum Zuschauer, der sich ohne Vorverurteilung mit dem Tabuthema Pädophilie auseinandersetzen kann. Da passt es, dass der Arzt auf Markus‘ Problem wenig professionell reagiert: Er könne zwar nichts für seine Neigung, er könne aber was für seine Handlungen.

Aufmerksam zeichnet Ceviz die seismografischen Erschütterungen hinter der Fassade der Normalität, die seelische Abgründe eines beschädigten Menschen, seinen Schmerz, seinen Kampf um Identität. Dabei spürt er ihm in seiner Einsamkeit nach, in den alltäglichen Unwägbarkeiten und dem ständigen Schuldgefühl. Fast surreal wirkt eine Szene, in der Markus Fotos von Kindern entwickelt und nur ein rötlicher Schein sein Gesicht erhellt. Die Kamera setzt oft auf dunkle und wenig ausgeleuchtete Bilder als Spiegel der gebrochenen Psyche. Dieser Film verzichtet auf einfache Antworten oder Lösungen, ist ein Schlag in die Magengrube und tut weh. Aber man sollte ihn aushalten.

Der Salzgeber Club präsentiert immer donnerstags eine Video-on-Demand-Premiere. Die Filme sind digital für vier Wochen zu sehen. Über den integrierten Vimeo-Player kann der Film gegen eine Gebühr von 4,90 Euro ausgeliehen werden

 

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