Neu im Kino / "Skyfall" 50 Jahr, blondes Haar

Verführerisch: Berenice Marlohe als Bond-Girl Sévérine. Foto: Sony

Daniel Craig und Javier Bardem liefern sich in „Skyfall” ein packendes Duell auf Augenhöhe

 

Wenn sich das Böse rar macht, wird es besonders gefährlich. Bereits in „Alien” hat sich das schleimige Ungetüm lange Zeit gelassen, um seinen Terror zu verbreiten. Und auch im neuen Bond „Skyfall” dauert es eine gute Stunde, bis sich Silva, dieses geheimnisumwitterte Computergenie, endlich zeigt. Der erste Auftritt des menschlichen Monsters kann sich in Sachen Unheimlichkeit aber durchaus mit dem Bauchdecken-Ausbruch des „Alien” messen.

Silva kommt ganz langsam auf Bond zu, der auf einem Stuhl gefesselt dazu verdammt ist, seinem Peiniger zuzuhören. Und der blondierte Bösewicht foltert 007 mit einer Waffe, die ihn sichtlich aus der Fassung bringt: seiner Männlichkeit. Wie Javier Bardem sich verbal aufplustert, während er ganz vorsichtig Bonds Adamsapfel befingert und Craigs Schenkel anfasst, das gehört auch dank der sensationell überzogenen Performance der spanischen Naturgewalt zu den besten des neuen Films.

Denn hier wird nicht nur mit dem Leben einer 50-jährigen Leinwandikone gespielt, sondern auch seine Hardcore-Hetero-Attitüde hinterfragt. Dazu passt, dass Bond im neuen Film kaum Gelegenheit hat, die holde Weiblichkeit um seine Walther PPK zu wickeln. Die erste Frau, die ihm begegnet, Eve, ist weniger Eva als eine taffe Agentin, die 007 in einer Drucksituation vom Zugdach schießt, und ihm einmal den Rasierschaum abkratzen darf. Bond-Girl Sévérine darf mit 007 auf einem Segel-Turn zwar die Dusche zur Liebeskabine umfunktionieren, weckt vor lauter Angst vor Silva aber mehr seinen Beschützerinstinkt.

Sam Mendes („American Beauty”) will in „Skyfall”, der sich inszenatorisch stark an Christopher Nolans „Batman”-Trilogie orientiert, aber nicht mit allen Bond-Markenzeichen brechen. Im Gegenteil. Ihm gelingt ein kluger, selbstironischer und exzellent fotografierter Mix aus Nostalgie und Moderne. Am besten personifiziert diesen Brückenschlag Q. Ben Whishaw („Das Parfüm”) macht aus dem legendären Tüftler einen Computernerd, der Bond technisch meilenweit voraus ist, aber dennoch weiß, was 007 und seine Fans lieben, wenn er ihm in der Londoner National Gallery eine personifizierte Walther PPK überreicht.

Was „Skyfall” aber zu etwas ganz Besonderem in der Bond-Geschichte macht, ist der Showdown. Über eine halbe Stunde verbarrikadieren sich M, Bond und ein Weggefährte aus seiner Kindheit in einem schottischen Herrenhaus, um den Angriffen von Silva, der nicht nur Cyber-Terrorist ist, sondern auch persönliche Rachegefühle hegt, zu trotzen. So einfach, aber auch spannend kann großes Actionkino sein.

Kino: Astor, Cadillac, Cincinnati, Cinema (OV), CinemaxX, Gabriel, Leopold, Mathäser, Mü. Freiheit, Mus. Lichtspiele (OV), Neues Gabriel, Neues Rex, Rio, Royal, Sendlinger Tor, Solln
R: Sam Mendes (GB, 143 Min.)

 

0 Kommentare