Neu im kino: "Irre sind männlich" - die AZ-Kritik "Irre sind männlich": Die wunderliche Welt der Psychositzungen

Daniel (Fahri Yardim) leidet unter Liebeskummer, Kumpel Thomas (Milan Peschel) versucht zu helfen. Foto: Constantin

„Irre sind männlich“: Eine Komödie über Beziehungen und Therapiewahn
Komödien können – gerade durch ihre grellere Zeichnung – aktuelle Rollenbilder besonders gut einfangen. Wenn das so ist, dann sind nicht mehr die selbstbewusst modernen Frauen lästige Kletten, sondern die Männer. Denn der bewegte Mann Daniel (Fahri Yardim) ruft dauernd bei seiner Freundin (Josefine Preuß) an. Später wird er sogar eine Freundin-Ortungs-Spy-App auf sein Handy herunterladen... Das alles ist so neurotisch, dass Daniel von ihr zur Therapie geschickt wird. Und eine Komödie über die Psycho-Pathologisierung unserer Gesellschaft ist ein wunderbares Thema.

 

Viel zu brav und ohne Tempo

Nur, dass „Irre sind männlich“ als Komödie nicht richtig zündet, viel zu brav und bieder ist, Durchhänger hat und kein Tempo. Das beginnt schon mit der klassischen Buddy-Besetzung. Denn Daniels Kumpel, dem Muskelmann Thomas (Milan Peschel), nimmt man den machistischen Daueraufreißer-Vierziger mit Hang zu jungen Frauen nicht ab. Und seine bindungs-folgenschwere Affäre mit einer Psycho-Sitzungs-Reisenden (Marie Bäumer) ist im Film völlig unmotiviert. Thomas’ Idee dagegen, sich unter falscher Identität in Psycho-Kurse einzuschmuggeln, um Frauen aufzureißen, ist die originelle Basis der Filmidee von „Irre sind männlich“. Aber auch hier spielt der Film die Sitzungen (mit einem unbeholfenen Herbert Knaup als familienaufstellender Pseudo-Hellinger) zu oft mit der gleichen Masche durch. Der Film ist zu wenig dicht.

Wo bleiben tiefere Gesellschaftseinsichten, die so nahe gelegen hätten

Relativ lose ist noch ein medien-kritischer Nebenstrang angehängt – mit Peri Baumeister als Hochglanzmagazin-Star. Sie ist in einer Glamour-Beziehung gefangen, die nur für die Medien aufrecht erhalten wird. Das wäre ein Aspekt gewesen, aus dem man bissige Funken hätte schlagen können. Aber auch dafür ist „Irre ist männlich“ viel zu brav. Und vielleicht hätte auch die Frage, warum wir uns alle meinen, therapieren zu müssen, zu der tieferen Frage geführt, ob unsere Gesellschaft nicht im Optimierungswahn gefangen ist.

 

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