Neu im Kino "Doctor Sleep": Dämonen von damals

Ewan McGregor hat die Gabe des Shining. Foto: Warner

40 Jahre nach Kubrick wird "Shining" mit "Doctor Sleep" fortgesetzt.

 

Da kommen kurze Nostalgie-Momente auf: Die ersten Klänge der Titelmelodie, das einprägsame Teppichmuster, die angeschimmelte Untote in der Badewanne. Sie sind aber eben nur kurz. Dann wird einem wieder bewusst, dass man in Mark Flanagans "Doctor Sleep" sitzt, und nicht in Kubricks "Shining".

Flanagan verfilmte hier Stephen Kings Romanfortsetzung seines modernen Horrorklassikers. Danny (Ewan McGregor) hat seine Dämonen zwar sicher in imaginäre Kisten gesperrt, den Anschluss ans Leben aber trotzdem verpasst. Als Alkoholiker tingelt er durch die Gegend, bis er Billy (Cliff Curtis) trifft, der ihm Obdach und Freundschaft gibt. Die erste Stunde beschäftigt sich vor allem mit Dannys Wandel vom Alkoholiker zum Sterbebegleiter, der es mit der Gabe des Shinings schafft, den Patienten die Angst vor dem Ableben zu nehmen.

"Doctor Sleep": nicht durchgehend Spannungs-Schocker

Mit Abra (Kyliegh Curran) tritt ein junges Mädchen mit den gleichen Fähigkeiten in sein Leben, die Dannys "telepathische Freundin" wird. Doch da gibt es noch die bestialische Sekte um Rose the Hat (Rebecca Ferguson), die sich vom Shining von Kindern ernährt, das sie ihnen durch einen möglichst schmerzhaften Tod entziehen. Bei einer Laufzeit von 150 Minuten ist "Doctor Sleep" nicht durchgehend ein Spannungs-Schocker. Trotzdem stecken in ihm keine allzu quälenden Längen. Und es wäre unfair, den Film direkt mit "Shining" zu vergleichen. Das Problem ist nur, dass er das selbst macht. In Rückblenden kopiert Flanagan haargenau Kubricks Setting, auch als es wieder ins Overlook Hotel geht, hält er sich an sein Vorbild.

Das erstaunt nur kurz. Schnell merkt man, dass sich Flanagan in diesen Momenten zu sehr auf den Wiedererkennungswert verlässt. Einen eigenen Stil kann "Doctor Sleep" nicht vorweisen. Dämonen mit bleichen Augen, Bösewichte, die einfach nur böse sind und paranormale CGI-Stürme. Dazwischen eine besonders brutal geratene Kindertötungsszene, die in ihrer Drastik nicht ins Gesamtkonzept passt.

Und doch ist Flanagans Film kein komplettes Desaster. Er ist nicht herausragend, aber solide Unterhaltung mit ein paar Abstrichen: Der größte davon ist, dass er nicht nur eine Verfilmung von Kings Roman, sondern auch eine Fortsetzung von Kubricks Film sein will. Wenn Jack Torrence oder die unheimlichen Zwillinge aus dem Original auftauchen, wirkt das wie ein schlechter Traum. Zum richtigen Alptraum fehlt dann doch die Atmosphäre.


Kino: Cinemaxx, Mathäser (auch OV) sowie Cinema und Museum(OV)
R: Mike Flanagan (USA, 152 Min)


 
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