Neu im Kino "Die Hochzeit": Romantik und der Penisneid des Mannes

Schaffen wir es noch rechtzeitig von der Beerdigung zu seiner (Til Schweigers, hinten rechts) Hochzeit? Milan Peschel mit seiner neuen Flamme und am Steuer des gekaperten Leichenwagens: Samuel Finzi. Foto: Warner

"Die Hochzeit": Til Schweigers Komödie über Liebe, Treue, Beziehungsprobleme und Männerfreundschaft.

 

Til-Schweiger-Filme könnte man erkennen, ohne zu wissen, dass es ein Film von ihm ist. Die Dekors sind immer üppig, mit einem Hang zum Kitsch, alles ist gut ausgeleuchtet, fast ein wenig clean – ein bisschen wie wenn man den Ikea- mit dem Manufactumkatalog kombiniert und ein deutliche Prise Luxusauto-Werbung dazumischt. Und in diese Optik passt dann das, was man Zeitgeist nennt, den Til Schweiger oft sehr gut trifft, ob es um Patchwork-Situationen geht oder um die aktuelle Stärke von Frauen und Kindern.

Starbesetzung: Schweiger, Stappenbeck, Schüttler

"Die Hochzeit" ist da ein etwas konservativerer Titel. Aber weil Til Schweiger bekennt, dass er diese Institution eigentlich "nicht wirklich zeitgemäß" findet, ist es im Film auch die Frau (Stefanie Stappenbeck), die den Wunsch ihrem Lebensgefährten Thomas (Til Schweiger als Star-DJ) gegenüber äußert. Bis zum Fest werden dann noch zwei weitere Paarbeziehungen beleuchtet, die insgesamt ein weites Feld der Paarbeziehungsmodelle aufmachen: die Ehe vom guten Freund (Samuel Finzi), der erfährt, dass seine Frau (Katharina Schüttler) einen Seitensprung gemacht hat. Und der Dritte im Bunde (Milan Peschel) will nach einer Scheidung und schlechten Erfahrungen in Zukunft Frauen auf Abstand halten.

Am Ende Gleichstand zwischen Männern und Frauen

Seinen Witz bezieht die Komödie dann auch aus Verhaltensstudien und Psychogrammen, wie der Frage, wie man als Mann auf einen einmaligen Betrug reagiert: hysterisch und mit pathologischem Penisneid auf den Liebhaber: der Mann. Mit leichten Schuldgefühlen, aber auch dem Gefühl, "frischen Wind" reingebracht zu haben, was alle Freundinnen bestätigen: die Ehefrau. Eins zu Null für die Frauen. Milan Peschel wiederum spielt einen derart selbstgerechten Sexisten-Macho, dass man versteht, warum ausnahmslos alle Frauen beim Speed-Dating-Fragebogen in allen Kategorien "Nein" ankreuzen. Zwei zu Null für die Frauen.

Til Schweiger ist zwar im Film kein Frauenversteher, sondern ein vom Kritikern gekränkter Star-DJ, weil sein neues Album zu kitschig ist. Aber er hat es eben doch raus, auf die Wünsche seiner Partnerin einzugehen und trotzdem ein lässiger Mann zu bleiben und guter Freund seiner Freude. Und weil hier auch die Stärke von Männerfreundschaften gefeiert wird, herrscht am Ende doch fairer Gleichstand zwischen Männern und Frauen.

"Die Hochzeit": konservative Komödie

Schweiger hat in die Handlung, in der eine Beerdigung eines vierten zweifelhaften Freundes als Störfeuer eingebaut ist, auch originelle Nebenthemen eingestreut, wie den Umgang mit Kritik. Und das kann er auch bei diesem Film gleich wieder üben: Denn einerseits bewundert man den natürlichen Dialogwitz, andererseits vermasselt sich Schweiger wieder auch Vieles durch häufige, sinnlose Vulgarität, Viagrawitze und echte Geschmacklosigkeit. Am härtesten fällt da ein plumper Penisvergleich aus – mit einer Leiche, wozu der Sarg des ehemaligen Konkurrenten geöffnet wird. Mäßig witzig ist dann auch die allzu klassische Tortenschlacht noch vor der Hochzeitszeremonie.

Kurz darauf aber haben dann doch alle Drei die passende Frau neben sich: die frisch Angetraute, die liebenswert gewohnte Ehefrau und - beim "Verweigerer" - eine nette Neue. Denn wir sind ja in einer Komödie, einer letztlich konservativen.


Kino: Cinemaxx, Mathäser, Royal
B&R: Til Schweiger (D, 119 Min.)


 
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