Neu im Kino "Bernadette": Rebellisch liebevoll

Cate Blanchett als warmherzige und sensible Mutter Bernadette Fox. Foto: Universum

Die Geschichte einer Frau, die wieder zu sich selber findet: "Bernadette" von Richard Linklater mit Cate Blanchett.

 

Sie ist immer für Überraschungen gut. Cate Blanchett überzeugt in jeder Rolle, ob als verzweifelte Alkoholikerin in Woody Allens "Blue Jasmine" oder als zärtlich-verführerische "Carol" in Todd Haynes Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen. Ihre Figuren sprengen oft den Rahmen dessen, was als gesellschafts konform galt oder gilt.

Unter der Regie von Richard Linklater verkörpert sie jetzt Bernadette Fox: eine, die auf Krawall gebürstet ist, bei den netten Nachbarinnen aneckt, organisierte Mütter durch Unordnung erschreckt und nicht in das gewünschte Raster von Bürgerlichkeit passt. Richard Linklater ("Boyhood") traute sich an Maria Semples Bestseller "Wo steckst du, Bernadette?" heran, ein Briefroman aus Briefen und E-Mails, in denen Töchterchen Bee den Aufenthaltsort ihrer Mutter herausbekommen will.

Cate Blanchett an der Seite von Billy Crudup

Der Film ist ein gelungenes Puzzle, bei dem die non-lineare Erzählstruktur in eine klassische Dramaturgie zum Verständnis von Bernadettes chaotischem Seelenleben umgewandelt wird: Bernadette war eine Star-Architektin, die dem Erwartungsdruck nicht standhalten konnte, ihre Karriere desillusioniert aufgab und mit ihrem beruflich erfolgreichen Mann (Billy Crudup) nach Seattle zog und sich dort auf die Funktion einer Gattin und Mutter reduzierte. Als Tochter Bee (Newcomerin Emma Nelson) sich als Belohnung für ihre Schulleistungen eine Antarktisreise wünscht, verschwindet Bernadette plötzlich.

Sie verkörpert den nicht seltenen Frauentyp, der bei der Konzentration nur auf Familie sich selbst abhanden kommt, sich dann der Banalität des Alltags und der Kontakte mit Psychopharmaka entzieht, die ihre Schlafstörungen und Angstattacken bekämpfen sollen.

"Bernadette": Drama oder Komödie?

Trotz aller Sensibilität für Brüche in der die Figur, muten Metaphern wie der mit Brombeeren überwucherter Garten für die an äußeren Regeln erstickende Seele etwas platt an.

Und so richtig kann sich Linklater nicht zwischen gefühlvollem Drama und zuckriger Komödie entscheiden und vermeidet wirkliche Härte und Konsequenz, setzt am Ende mehr auf familiären Wohlfühlcharakter.

Aber allein für Cate Blanchett lohnt sich der Kinobesuch. Wie sich die Oscar-Preisträgerin auf ihrem Selbstfindungstrip der schmerzvollen Realität stellt, das wirkt mal tragisch, dann wieder komisch, traurig oder herrlich ironisch.

Wenn sie nach allem Stress verkündet "Verpisst euch, denn ab jetzt kann mich nichts aufhalten", freut man sich über dieses drastische und klare Zeichen für einen möglichen Neuanfang.


Kino: City (auch OmU), Monopol (OmU) und Museum (OV)
R: Richard Linklater (USA, 111 Min.)


 
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