Neu im Kino "Alles außer gewöhnlich": Nur wer mitlacht, lacht am Besten

Vaterfigur und Sozialarbeiter Bruno (re., Vincent Cassel) mit seinem Schützling (Benjamin Lesieur), der gerne mal in Zügen die Notbremse zieht. Foto: Prokino/Carole Bethuel

Die Macher von "Ziemlich beste Freunde" verfilmen erneut eine wahre Geschichte. Vincent Cassel und Reta Kateb sind dabei die Helden des Alltags in der dramatischen Komödie "Alles außer gewöhnlich".

 

Bruno und Malik leiten zwei Einrichtungen, in denen sie sich um autistische Jugendliche kümmern: kein besonders sexy Thema für einen Film, der populär sein will. Aber aus dieser Grundgeschichte macht das Regieteam Eric Toledano, Olivier Nakache ("Ziemlich beste Freunde") eine dramatische Komödie, die bewegend, dynamisch und tragikomisch und damit sehr unterhaltsam erzählt ist.

Dabei kommen auch brisante Themen ins Spiel: dass der Staat einerseits pädagogische Ausbildungen und Ausstattungsstandards verlangt, die die Arbeit von den beiden in die Illegalität treibt, aber gleichzeitig besonders schwierige Fälle, "Systemsprenger", aus dem Sozialstaatsraster rausfallen lässt. Aber mit Humanität, Humor und eisernen Nerven gelingt es, aus vielen Persönlichkeiten eine Gemeinschaft zu formen: gelebte Inklusion! "Alles außer gewöhnlich" ist konsequent aus der Sicht der Helden gedreht, die wirklich welche sind.

"Alles außer gewöhnlich": Vincent Cassel und Reta Kateb

Was fehlt, ist die Frage, was die Motivation oder der Auslöser ist für ein Leben für andere und gegen jede Chance auf staatliche Unterstützung. Und der hohe Preis des Dauerengagements besteht im Verzicht auf ein Privatleben. Der Film nutzt das als ein "Running Gag", weil Bruno (Vincent Cassel) von Bekannten und Kollegen ständig zum Dating gehievt wird. Sein muslimischer Kollege Malik (Reta Kateb) nennt das dann lässig "koscheres Dating", denn Bruno ist Jude – mit Kippa unter der Baseball-Mütze. Was aber außer Foppereien keine weitere Rolle spielt.

"Alles außer gewöhnlich": Film beantwortet die Frage nach dem Sinn des Lebens

Wenn man "Alles außer gewöhnlich" gesehen hat, erübrigt sich auch die Frage nach dem Warum. Denn bei allem Wahnsinn beantwortet sich die Lebens- und Arbeitssinnfrage von selbst: Der Einsatz für andere Menschen ist einfach sinnstiftend.

So ist der Film nicht nur durch die beiden Hauptfiguren optimistisch, was das Miteinander und Inklusion anbelangt. Er endet auch noch mit einem befreienden multikulturellen Lachen.


Kino: Cinemaxx, City, Rex
sowie Monopol (auch OmU)
und Theatiner (OmU)

B&R: Eric Toledano, Olivier Nakache (F, 115 Min.)


 
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