Negativzinsen Stadtsparkasse: Trifft's jetzt die Privatkunden?

Der Sparkurs der Stadtsparkasse könnte bald auch den kleinen Sparer treffen. Foto: imago

Die Bank hat Negativzinsen für ihre Firmenkunden angekündigt. Jetzt wird deutlich, welche bitteren Pillen auch auf Münchner Kleinanleger zukommen könnten.

 

München - Die Schlinge zieht sich immer enger. Das klassische Geschäftsmodell bei Banken und Sparkassen funktioniert durch die niedrigen Zinsen nicht mehr – und die legen ihre gestiegenen Kosten zunehmend auf die Kunden um. Als die AZ im Dezember enthüllte, dass die Stadtsparkasse erstmals Negativzinsen erheben will, schlug das hohe Wellen. Privatkunden nahm die Sparkasse von dem Modell aber aus. Noch. Denn jetzt wird konkreter, dass der Sparkurs der Stadtsparkasse bald auch den kleinen Sparer treffen könnte. Der Vorstandsvorsitzende Ralf Fleischer äußert sich zu den Überlegungen.

2016 zahlte Stadtsparkasse zehn Millionen Euro Strafzinsen an EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt von Banken 0,4 Negativzins – diese 0,4 Prozent gibt die Stadtsparkasse ab April an Firmenkunden weiter, die mehr als 250.000 Euro eingelegt haben. Fleischer stellt die Situation der Stadtsparkasse problematisch dar. „Wir haben 14,5 Milliarden Einlagen – mit denen wir voraussichtlich ab 2018 nichts mehr verdienen werden“, sagt er. 2016 habe die Stadtsparkasse zehn Millionen Euro Strafzinsen an die EZB gezahlt – „die wir nicht an die Kunden weitergegeben haben.“ Man verzeichne weiterhin ein ordentliches Wachstum im Kundengeschäft. „Und verdienen trotzdem weniger Geld.“ Fleischers Botschaft ist klar: Die Stadtsparkasse mache einen guten Job, der aber kaum noch rentabel ist. „Wir beschäftigen uns permanent damit, Kosten zu senken und Erträge zu steigern“, sagt er.

Und deutet an, welche Folgen auf die Privatkunden zukommen könnten:

Negativzinsen: Offenbar könnte es schon bald Privatkunden treffen. Fleischer klingt zumindest pessimistisch. Er sagt: „Wir wollen Negativzinsen für Privatkunden so lange vermeiden, wie es irgendwie geht.“ In dem Moment, in dem das erste große Institut sie einführt, werde es aber „nicht mehr anders gehen“.

Filialschließungen: Dieser Schritt steht wohl noch nicht kurzfristig an – bleiben die Zinsen so niedrig, wird aber auch diese Debatte Stadtsparkassen-intern konkret. Fleischer nennt Filialschließungen in einem Atemzug mit höheren Kontogebühren. Beides sei zwar „aktuell kein Thema“, könne aber auch „nicht ausgeschlossen werden“. Das klingt wenig beruhigend.

Stellenabbau: Die Sparkasse geht offenbar davon aus, viele Arbeitsplätze streichen zu müssen. Fleischer verspricht, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. „2020 werden wir nicht mehr so viele Mitarbeiter haben. Aber wir werden das über die Fluktuation und das Ausscheiden älterer Mitarbeiter hinbekommen.“ Beobachter betonen, dass andere Banken ihre gestiegenen Kosten noch stärker an Kunden weitergegeben haben als die Stadtsparkasse – etwa, indem Privatkunden mit hohen Einlagen schon heute Strafzinsen zahlen.

Andererseits erklärt etwa Merten Larisch von der Verbraucherzentrale, dass Stadtsparkasse-Kunden schon heute zum Beispiel bei Tagesgeldkonten Zinssätze unter der Inflationsrate bekommen – im Gegensatz zu manchen anderen Banken.

 

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