Nationalspielerin Kim Kulig Eine unendliche Leidensgeschichte

Kim Kulig muss um die Fortsetzung ihrer Karriere bangen. Am Dienstag wurde die 23-Jährige zum dritten Mal am rechten Knie operiert. Ein vierter Eingriff steht bereits fest.

 

FRANKFURT In diesen Tagen des Leidens und der Ungewissheit wird sich Kim Kulig sicher das ein oder andere Mal wünschen, an jenem 9. Juli 2011 in Wolfsburg nicht in dieses verfluchte Kopfballduell gegangen zu sein. Seit die Fußball-Nationalspielerin in der 3. Minute des WM-Viertelfinals gegen Japan (0:1 n.V.) wieder auf dem Boden landete und das Kreuzbandriss riss, wird die mittlerweile 23-Jährige vom Verletzungspech verfolgt.

Anstatt mit der deutschen Auswahl demnächst um die Titelverteidigung bei der EM in Schweden (10. bis 28. Juli) zu kämpfen, muss die Mittelfeldspielerin des 1. FFC Frankfurt um die Fortsetzung ihrer Karriere bangen. Derzeit sieht es ganz danach aus, dass das stark lädierte rechte Knie der 33-maligen Nationalspielerin den Belastungen des Profifußballs nicht standhält. Nach zwei Operationen in Folge der Verletzung von 2011 musste sich Kulig, die sportlich in den vergangenen zwei Jahren aufgrund ihrer großen gesundheitlichen Probleme (Knieverletzung, Nasenbeinbruch, Sprunggelenkprobleme) nie wieder zu alter Form gefunden hatte, nun einem dritten Eingriff unterziehen.

Doch damit nicht genug. Es steht bereits fest, dass in vier bis sechs Monaten eine vierte Operation hinzukommen wird. Die Europameisterin von 2009, die vor ihren Verletzungen als die kommende Führungsspielerin im Team von Bundestrainerin Silvia Neid galt und deren Stärke immer die Physis war, muss mindestens ein Jahr pausieren. Die Hiobsbotschaft sorgte bei der gebürtigen Herrenbergerin und bei ihrem Klub für Entsetzen. „Die Nachricht über die Schwere der Verletzung schockt die gesamte FFC-Familie außerordentlich und ist für Kim eine ganz schwierige Situation sowie Herausforderung in ihrem Leben als Fußballerin“, sagte FFC-Manager Siegfried Dietrich.

Irgendwie scheint der Macher des siebenmaligen Meisters bereits das Schlimmste zu befürchten. Schließlich sprach Dietrich davon, dass der Verein der „U20“-Weltmeisterin von 2010 nicht nur bei der sportlichen, sondern auch der „beruflichen Zukunft“ zur Seite stehen werde. Auch die Heilungsprognose des operierenden Arztes ist ernüchternd. „In den kommenden sechs Wochen muss das verletzte Kniegelenk komplett entlastet werden, damit sich der Knorpel regenerieren kann. Erst nach einem weiteren Heilungsprozess wird in einer zweiten Operation in etwa vier bis sechs Monaten erneut das vordere Kreuzband ersetzt“, sagte Bernd Lasarzewski, der langjährige Mannschaftsarzt der Frauen-Nationalmannschaft: „Je nachdem, wie der gesamte Heilungsprozess verläuft, wird Kim eine mindestens einjährige Sportpause einlegen müssen.“

Zuvor hatte Lasarzewski bei der Operation in der Sportklinik Hellersen Schwerstarbeit zu verrichten. In einem intensiven Eingriff wurden mehrere Schritte vorgenommen, um die Funktion des Kniegelenks wiederherzustellen. Neben dem Auffüllen der Bohrkanäle der gerissenen Kreuzbandplastik mit lockerem Gewebe wurde der Außenmeniskus geglättet sowie der Gelenkknorpel bearbeitet. Wie Kulig selbst die erneute Operation verkraftet hat, ist derzeit noch das Geheimnis der Schwäbin und ihrer Familie. Während Kulig nach ihrer EM-Absage („Ich möchte wieder beschwerdefrei und belastbar werden“) Mitte Juni fleißig twitterte, herrscht derzeit verständlicher Weise noch Funkstille.

 

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