Nationalratswahl in Österreich Der Dreikampf um die Alpenrepublik

Kämpfen um die Macht in Österreich (v.l.): Rechtspopulist und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (48), der konservative ÖVP-Außenminister Sebastian Kurz (31) und SPÖ-Kanzler Christian Kern (51). Foto: dpa, Montage: AZ

Bei der Nationalratswahl in Österreich ringen mit Sebastian Kurz (ÖVP), Christian Kern (SPÖ) und Heinz-Christian Strache (FPÖ) drei Männer um die Kanzlerschaft.

 

Fünf Monate nach dem Bruch der rot-schwarzen Koalition wählen die Österreicher ein neues Parlament. 6,4 Millionen Stimmberechtigte sind am 15. Oktober aufgefordert, eine der 16 kandidierenden Parteien zu wählen.

Laut Meinungsforschern ist dem Chef der konservativen ÖVP, Außenminister Sebastian Kurz, der Sieg kaum noch zu nehmen. Der 31-Jährige könnte jüngster Regierungschef des Landes werden. Laut Prognosen kann er mit rund einem Drittel aller Stimmen rechnen.

Um Platz zwei kämpfen den Umfragen zufolge die Sozialdemokraten (SPÖ) und die rechte FPÖ, denen jeweils rund 25 Prozent vorausgesagt werden. Die Grünen, ein grüner Abtrünniger mit eigener Liste und die Liberalen hoffen ebenfalls auf den Einzug in den Nationalrat. Dazu müssen sie die Hürde von vier Prozent überspringen.

In Österreich haben die beiden großen Volksparteien seit 1945 insgesamt rund 45 Jahre zusammen regiert. Die Sozialdemokraten stellten mit der Ausnahme einer Koalition aus ÖVP und FPÖ (2000-2006) seit 1970 den Kanzler. Doch das seit Langem stark zerstrittene rot-schwarze Bündnis aus SPÖ und ÖVP war im Mai zerbrochen. Grund war gegenseitiges Misstrauen und damit die Blockade von Sachpolitik. Regulärer Wahltermin wäre erst im Herbst 2018 gewesen.

Dieser Streit spiegelt sich auch im aktuellen Wahlkampf wieder. SPÖ und ÖVP werfen sich gegenseitig eine Schmutzkampagne vor. "Dirty campaigning", die Methode, politische Gegner mit üblen Methoden zu verunglimpfen hatte auch Donald Trump im US-Präsidentschaftswahlkampf betrieben.

Nach Ansicht von Politik-Experten profitiert insbesondere die rechtspopulistische FPÖ aktuell von den Streitereien.

Die Protagonisten der Österreichwahl im Überblick

Christian Kern (SPÖ)

Vom Bahn-Chef zum Kanzler: Seine ersten politischen Auftritte im Mai 2016 versprachen Aufbruch und Bewegung. Nach dem Reform-Stillstand der Kanzlerschaft von Werner Faymann wurde Christian Kern, der smarte Quereinsteiger aus der Wirtschaft, von vielen Österreichern als Hoffnungsträger begrüßt. Kern kritisierte die eigene Partei und die Politikerkaste als solche.

Der vierfache Vater, nach seinem Studium Wirtschaftsredakteur, ist bekennender "Kopf-Mensch". Er lässt sich auch privat eher vom Verstand als von Emotionen leiten. Anfangs galt er als umsetzungsstark und visionär. Kern ist im Wiener Arbeiterbezirk Simmering aufgewachsen. Rund 15 Jahre lang hatte der heute 51-Jährige in staatsnahen Betrieben wie dem Energiekonzern Verbund und den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) gearbeitet.

Von 2010 bis 2016 war er als ÖBB-Chef Vorgesetzter von 40.000 Mitarbeitern. Markenzeichen des passionierten Läufers: geschliffene Rhetorik und eng sitzende Anzüge. Als "Slim-Fit-Kanzler" machte er international eine gute Figur. 2017 litt sein Image als Macher unter den Querelen in der Koalition. Im Wahlkampf stolperten die Sozialdemokraten von Panne zu Panne.

Sebastian Kurz (ÖVP)

Gipfelstürmer und Wächter der Balkanroute: In einem seiner Wahlkampfvideos klettert der 31-jährige ÖVP-Chef auf den knapp 3.000 Meter hohen Dachstein. Die Botschaft: Einer, der den Weg findet, die richtigen Entscheidungen trifft und das Land wieder an die Spitze führt. Und eine vielsagende Frage: "Glaubst du, du weißt selber alles besser? Oder vertraust du auch auf die Erfahrung anderer?"

Kurz, der in seiner Freizeit tatsächlich auf Berge klettert und wandert, umgibt sich jedenfalls gern mit kundigen Beratern. Sein engster Kreis ist seit Jahren unverändert, seine Kampagne läuft perfekt wie aus einem Guss. Kontrolliert und konzentriert geht Kurz ans Werk. Seinen Kritikern wirkt er dabei oft zu glatt, seine Reaktionen seien zu erwartbar.

Kurz schirmt sein Privatleben weitgehend ab

Politische Erfahrung in hohen Ämtern hat Kurz schon mit 24 Jahren als Integrations-Staatssekretär gesammelt. Der damalige Spott wegen seines Alters hat ihn geprägt. "Durchhalten auch bei Gegenwind" – ist seine Devise. Mit 27 Jahren wurde er Außenminister.

National und international hat er sich seinen Ruf vor allem durch seine strikte Anti-Migrationspolitik erarbeitet. Er sonnt sich darin, dass andere Länder seine Ansichten mittlerweile teilen. Seine politische Sternstunde war die von ihm mitinitiierte Schließung der Balkanroute zur Eindämmung der illegalen Zuwanderung.

Kurz ist im Wiener Arbeiterbezirk Meidling aufgewachsen. Seine Mutter ist Lehrerin, sein Vater Techniker. Sein Privatleben schirmt Kurz weitgehend von der Öffentlichkeit ab. Selten sind die gemeinsamen Auftritte mit Partnerin Susanne.

Heinz-Christian Strache (FPÖ)

Der Retter der FPÖ will endlich in die Regierung. Sein ganzer Stolz gilt dem Wiederaufstieg der FPÖ. Als Strache die Partei 2005 übernahm, lag sie bei wenigen Prozent, inzwischen sind die Rechtspopulisten als dritte Kraft in Österreich fester denn je etabliert. Bei den Wahlen 2013 erreichten sie 20,5 Prozent. Der 48-Jährige selbst hat im Ringen um die Wähler der Mitte seinen polternden Ton weitgehend abgelegt und gibt sich staatstragend.

Antisemitische Töne sind inzwischen offiziell verpönt. Strache selbst war mehrfach auf Polit-Reisen in Israel. Die Migration und die angebliche Bedrohung durch den politischen Islam sind Hauptthemen der FPÖ. Im Wahlkampf warnt die Partei vor allem vor einer möglichen Fortsetzung der Koalition der Volksparteien.

Straches Lieblingsgestalt in der Geschichte ist der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck; sein liebster Romanheld Robin Hood. Der Wiener hat Erfahrung in der Auseinandersetzung von Mann zu Mann. Als er sich einst von einem Salzburger Arzt beleidigt fühlte, focht der FPÖ-Politiker ein Duell mit stumpfen Waffen gegen den Mediziner aus. Zu seinem Kreis gehören bis jetzt Mitglieder national-konservativer schlagender Burschenschaften. Straches politischer Ziehvater war der Rechtspopulist Jörg Haider.

Seit Längerem ist der in zweiter Ehe verheiratete zweifache Vater dabei, die FPÖ zumindest dem Anschein nach mehr in die Mitte zu rücken. 

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