Amnesty fordert Umbenennung Augsburger Hotel: Heißt das "Drei Mohren" bald "Drei Möhren"?

Autorenprofil Ruth Schormann
Das Steigenberger in Augsburg. Foto: imago

Diesen Vorschlag hat die Jugendgruppe von Amnesty International gemacht, um Augsburg zu entkolonialisieren, wie sie schreibt.

Augsburg - Wer vom Augsburger Rathausplatz Richtung Ulrichskirche entlang der Maximilianstraße schlendert, kommt auf der rechten Seite am Steigenberger Hotel vorbei. Steigenberger Hotels gibt es weltweit, doch in Augsburg steht auf dem Vordach, das wohl ankommende Gäste vor Regen schützen soll, in Versalien: "Drei Mohren Hotel". Eine aus der Zeit gefallene Namensgebung.

Eine unpassende, weil rassistische, findet die Jugendgruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in der Bezirkshauptstadt von Schwaben. Deswegen fordert sie via Online-Petition, das Hotel umzubennenn.

In "Drei Möhren" zum Beispiel, schlagen sie vor, und liefern gleich ein passendes Logo (siehe Bilder). Oder aber, so schreiben sie, sich einfach auf "Steigenberger" beschränken.

Am Donnerstag bereits 349 Unterzeichner

Das Ziel dieser Petition, die am Donnerstag 349 Unterzeichner hatte, sei "die Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus, der bis heute seine Spuren in unserer Sprache und Vorstellungswelten hinterlassen hat und sich in Form von Alltagsrassismus und institutioneller Diskriminierung negativ auf unser Zusammenleben auswirkt".

Die Jugendgruppe ist überzeugt, der Hotelname "degradiert und diskriminiert Schwarze Mitbürger*innen in Augsburg" und fordert daher zur Unterzeichnung auf.

Wie die "Augsburger Allgemeine" berichtet, hält das Hotel-Management wenig von einer Umbenennung und begründet dies mit der Historie des Namens.

Wie ein Sprecher der Steigenberger AG der Zeitung sagte, "stehen die Mohren im Wappen des Hotels für Gastfreundschaft und Toleranz". In sozialen Medien stößt der Vorschlag überwiegend auf Ablehnung. Ein Facebook-User lobt aber auch: "Das muss man der Jugendgruppe lassen: Eine bessere Promotion wäre kaum möglich gewesen."


Dazu AZ-Kommentar: Schadet nichts

Vize-Chefredakteur Thomas Mpller über Tradition und Aktionismus.

„Mohren-Apotheke“ (München), „Mohren-Brauerei“ (Tirol) oder „Hotel Drei Mohren“ – alles ein Ausbund von Diskriminierung und Rassismus, dem – volle Möhre – aktionistisch der Garaus gemacht werden muss? 500 Jahre Tradition im Namen wiegen schwer.

Wenn man dann noch weiß, wie’s zu dem Namen kam, erst recht: Der Wirt hatte 1495 Mönche aus Abessinien aufgenommen – und über den Winter gebracht. Ein Akt der Mitmenschlichkeit also.

In diesem Sinne: Ein bisserl genauer hinschauen, wo man „witzig“-aktionistisch wird. Und ein bisserl mehr Gelassenheit schadet oft auch nichts.

 

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