"Nagelsmann des Handballs" Prokop will DHB-Team in goldene Zukunft führen

Der neue Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft: Christian Prokop. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Vor seiner Länderspiel-Premiere als Bundestrainer ist Christian Prokop in aller Munde. Doch was ist der 38 Jahre alte Senkrechtstarter für ein Typ?

 

Hamburg - Stoppuhr in der linken Hand, Zettel in der rechten, Trillerpfeife im Mund - Christian Prokop sieht auf den ersten Blick nicht gerade aus wie ein moderner Konzepttrainer. Doch der Eindruck täuscht. Schon bei seinen ersten Einheiten mit der Nationalmannschaft wurde klar, wo der neue Handball-Bundestrainer hinwill.

Immer wieder unterbricht Prokop die Übungen im Hamburger Volkspark und gibt den Spielern um Keeper Silvio Heinevetter kurze, präzise Anweisungen. Der 38-Jährige überlässt nichts dem Zufall, schon gar nicht im Training. "Erfolg ist nicht planbar, aber mit Plan planbarer", hat Prokop einmal gesagt.

Ziel Olympiagold 2020

Genau mit dieser Philosophie will der Nachfolger von Dagur Sigurdsson den deutschen Handball in eine goldene Zukunft führen. Die Ziele? Medaille bei der Heim-WM 2019, Olympiagold 2020.

In der Szene gilt Prokop als akribischer Taktik-Tüftler mit einer Vorliebe für ausgefeilte Matchpläne, der vom Erfolg geradezu besessen ist. Die Süddeutsche Zeitung sieht in dem geborenen Köthener bereits das Gegenstück zum Senkrechtstarter des Fußballs. "Julian Nagelsmann trainiert jetzt Handball", titelte das Blatt am Donnerstag in Anlehnung an den begabten Hoffenheimer Fußballcoach.

Der Hype vor der Premiere Prokops, der seine Trainer-Mission beim Deutschen Handballbund (DHB) am Wochenende mit zwei Testspielen gegen Schweden startet, ist groß, die Erwartungshaltung nach den Erfolgen im vergangenen Jahr noch größer.

Prokop will "die Zukunft sprechen lassen"

"Wenn man sich die Erfolge von Dagur anguckt, kann man den Druck nicht wegdiskutieren, der auf mir lastet", sagte Prokop bei seinem Dienstantritt am Mittwoch. Ein Druck, mit dem er aber ziemlich gut klarzukommen scheint. Die mangelnde internationale Erfahrung? Für ihn kein Problem. Nach 14 Jahren im Trainergeschäft will er bei seiner Bewertung "die Zukunft sprechen lassen".

Jung, zielstrebig, erfolgreich: Der zweifache Familienvater Prokop erinnert mit seinem Auftreten und Profil stark an Sigurdsson. Auch der Isländer war bei seiner Amtsübernahme im Sommer 2014 der breiten deutschen Öffentlichkeit noch kein Begriff, genoss in der Szene als Trainer der Füchse Berlin aber längst höchste Wertschätzung.

Über Leipzig ins höchste Amt

Seine Sporen verdiente sich Prokop bei seinem Klub SC DHfK Leipzig, für den er noch bis Sommer parallel arbeitet. Seit 2013 betreut Prokop die Sachsen, schaffte 2015 den Aufstieg in die Bundesliga und mischt dort inzwischen im oberen Tabellendrittel mit. "Wenn man erkennt, wie er jeden einzelnen Spieler taktisch ausrichtet und wie detailverliebt er da ist, befindet er sich auch auf dem Niveau, auf dem Dagur Sigurdsson ist", hat Leipzigs Aufsichtsrat Stefan Kretzschmar einmal über seinen leitenden Angestellten gesagt.

Prokops Ehrgeiz kommt nicht von ungefähr. Der frühere Rückraumspieler galt als vielversprechendes Talent, bis er sich bei einem Länderspiel gegen Ägypten im Frühjahr 1999 den Knorpel und Meniskus des linken Knies zertrümmerte. Prokop gab nicht auf und schulte zur Schonung seines lädierten Beins von Rechts- auf Linkshänder um - und paukte parallel für seine A-Lizenz als DHB-Trainer.

Im März 2005 übernahm Prokop im Alter von 26 Jahren seinen ersten Job als Männer-Trainer in der Regionalliga beim MTV Braunschweig. Zwölf Jahre später bekleidet er das wichtigste Amt im deutschen Handball. Der Respekt sei groß, sagte Prokop, "aber die Vorfreude, die Mannschaft zu entwickeln und coachen zu dürfen, ist deutlich größer".

 

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