Nachfrage übersteigt die Kapazitäten Rollende Bibliothek: Der Bücherbus boomt in München

Kinder stöbern in einem Bücherbus nach Büchern. (Archivbild) Foto: Thomas Frey/dpa

"Die Woche müsste zehn Tage haben.": Die Stadtbibliothek klagt über fehlende Kapazitäten, die Nachfrage von Münchens Schulen ist riesig.

München - Die Lesekompetenz von Kindern verschlechtert sich immer mehr. "Kinder haben schon in der Vorschule Probleme mit der Sprachkompetenz", sagt Michaela Gemkow, die Leiterin der Münchner Kinder- und Jugendbibliothek. "Und Sprachkompetenz ist die Voraussetzung für Lesekompetenz." Daher müssen Kinder schon so früh wie möglich fürs Lesen begeistert werden.

Um deren Lesekompetenz zu verbessern, bietet die Stadtbibliothek diverse Förderprogramme an – doch die sind überlaufen. Die Nachfrage übersteigt deutlich die Kapazitäten der Stadtbibliothek: Für das Programm Bücherbus zum Beispiel stehen zehn Schulen auf der Warteliste.

Vier Stadtteile haben keine einzige Bibliothek

Momentan fahren vier der insgesamt fünf Bücherbusse im Zwei-Wochen-Takt insgesamt 94 Schulen im Stadtgebiet an. "Wir wünschen uns noch einen sechsten Bücherbus. So könnten 23 bis 25 Schulen mehr befahren werden", sagt Siegfried Kalus, der Abteilungsleiter der Bücherbusse. "Bis der genehmigt ist, kann es aber noch bis 2021 dauern."

Der Bücherbus funktioniert ähnlich wie die normale Bibliothek: Die Schüler können sich aus dem etwa 4.000 Medien umfassenden Angebot im Bus Bücher ausleihen – und sie dann nach spätestens vier Wochen wieder zurückgeben. "Die Busse erreichen viele Kinder, die nicht in die Bibliothek gehen würden", sagt Gemkow.

Einer der Busse macht regelmäßig Halt in Randgebieten der Stadt und versorgt dort Eltern und Kinder mit Lesestoff. "Diese Busse halten in Gegenden, wo die nächstgelegene Bibliothek etwas weiter weg ist", erklärt Siegfried Kalus. Alle Gebiete, die mehr als zwei Kilometer von der nächsten Bibliothek entfernt liegen, werden vom Bücherbus betreut. Die Stadtteile Freimann, Freiham, Messestadt Riem oder Solln haben sogar keine einzige Bibliothek.

Gut besucht sind neben den Bücherbussen auch die Klassenführungen in der Stadtbibliothek. "Wir könnten mehr Klassen einladen, wenn die Woche zehn statt fünf Tage hätte", sagt Michaela Gemkow.

Ebenfalls ein beliebtes Projekt ist der "Sommerferien-Leseclub". Die teilnehmenden Kinder zählen, wie viele Bücher sie in den Sommerferien gelesen haben, tragen jedes Buch in ein Sammelalbum ein und schreiben in einen Bewertungsbogen, wie ihnen das Buch gefallen hat. Am Ende findet ein Abschlussfest statt, bei dem schließlich die Gewinner gekürt werden. "Das Lesen soll in die Familien gebracht werden", sagt Gemkow.

 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. null