Nach zwei Wochen Quarantäne Endlich ins Eis: Miesbacherin darf auf die "Polarstern"

In arktischen Kälten liegt das Forschungsschiff "Polarstern". Foto: dpa

Laura Schmidt darf nach zwei Wochen Quarantäne auf die "Polarstern". Die Miesbacherin wird dort die Besatzung vor Bären beschützen.

 

Bremerhaven - Die deutschen Forschungsschiffe "Sonne" und "Maria S. Merian" sind diese Woche von Bremerhaven aus Richtung Arktis aufgebrochen. An Bord sind rund 100 Wissenschaftler, die das derzeitige Personal des Eisbrechers "Polarstern" ablösen sollen.

Das neue Team hatte die letzten zwei Wochen wegen der Corona-Pandemie in Bremerhaven in Quarantäne verbracht – darunter ist Laura Schmidt aus Miesbach. Eigentlich sollte Schmidt nach einem Vorbereitungslehrgang in Norwegen an Bord der "Polarstern" gehen.

Der deutsche Forschungseisbrecher driftet seit September 2019 durch das Nordpolarmeer. Eingeschlossen im Eis wollen Forscher aus 20 Nationen wichtige Erkenntnisse zur Erderwärmung gewinnen, um das globale Klima besser zu verstehen. Denn kaum eine Region hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so stark erwärmt wie die Arktis. Das "Mosaic-Projekt" ist die größte Polarexpedition in der Geschichte der Menschheit.

Corona-Krise auch in der Arktis

Während der einjährigen Arktis-Expedition sollten eigentlich alle zwei bis drei Monate die Forscher an Bord ausgetauscht werden. Wegen der Corona-Krise aber hat sich der nächste Crew-Wechsel um Wochen verzögert, denn Quarantänevorschriften waren nun einzuhalten. Deshalb musste Laura Schmidt mit anderen Crew-Mitgliedern zunächst in einem von zwei Hotels in Bremerhaven ausharren. Die Maßnahme ist an Quarantäneregelungen für Weltraummissionen angelehnt. "Das Ganze fühlt sich an wie eine Expedition vor der Expedition", sagt die 33-Jährige. Die Gefahr, dass das Virus auf die "Polarstern" eingeschleppt wird, sei sonst zu groß.

Am Montag war es soweit und das 150-köpfige Austauschteam negativ getestet: Die deutschen Versorgungsschiffe "Sonne" und "Merian" konnten in See stechen. Für die Diplom-Geografin und Glaziologin aus Miesbach geht damit ein langgehegter Wunsch in Erfüllung.

Vor mehr als einem Jahr hatte sich Schmidt für die Expedition beim Alfred-Wegener-Institut beworben – und wurde ausgewählt. Denn Kälte ist ihr Element. Sie ist vertraut mit der teils unmenschlichen Natur. Mehrmals war sie seit 2011 als Tourleiterin in Ostgrönland. "Ich gehöre zur Abteilung Sicherheit und Logistik", so Schmidt vor ihrer Abreise.

Zur Ausrüstung gehört auch ein Gewehr

Sie wird rund um die "Polarstern" daher nicht als Wissenschaftlerin arbeiten, sondern aufpassen, dass Eisbären den Wissenschaftlern nicht zu nahe kommen. "Schließlich wird im Lebensraum der Eisbären geforscht. Man muss die Gegend im Auge behalten und sichern. Bei Gefahr wird alles abgebaut und zurück aufs Schiff gebracht."

Zu ihrer Ausrüstung gehört ein Gewehr. Doch das Gewehr, das sie auch als Tourleiterin immer mitführt, "ist nicht meine wichtigste Waffe", sagt die Miesbacherin, "sondern das Fernglas. Damit suche ich die Gegend ab". Sie reize, so Schmidt, dass diese Expedition sie an ihre Grenzen bringen werde. "Aber dazu muss man seine Komfortzone verlassen." Geht alles glatt, wird Schmidt mit der Crew am 12. Oktober wieder in Bremerhaven erwartet.

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